Schweinfurt

Die Schweinfurter Mighty Dogs trotzen der Corona-Krise

Der ERV kommt trotz der längeren Zwangspause wirtschaftlich mit einem blauen Auge davon. In welcher Konstellation die Mannschaft im Januar aufs Eis zurückkehren könnte.
Corona-Zwangspause statt Bayernliga-Runde: Auch für Mighty-Dogs-Trainer Kyle Piwowarczyk eine schwierige Situation. Er bleibt jedoch für nächste Saison beim ERV Ansprechpartner Nummer eins.
Foto: Marion Wetterich | Corona-Zwangspause statt Bayernliga-Runde: Auch für Mighty-Dogs-Trainer Kyle Piwowarczyk eine schwierige Situation. Er bleibt jedoch für nächste Saison beim ERV Ansprechpartner Nummer eins.

Wer in den Schweinfurter Icedome blickt, dem bietet sich ein wenig Endzeitstimmung: Die Untereiswerbung liegt zum trocknen über die Stehplatzränge verteilt, die Eisfläche ist abgetaut. Dies steht allerdings weder im Zusammenhang mit dem Abbruch der Bayernliga-Saison, noch bedeutet es, dass in diesem Winter niemand mehr aufs Eis geht. "Es ist tatsächlich so, dass ein Steuerungsteil der Kühlanlage defekt ist und der Betreiber daher abtauen musste, weil das Ersatzteil schwer zu beschaffen ist. Wir hoffen, dass es in zwei bis drei Wochen da ist und die Stadt sich entscheidet, Eis zu machen. So könnten wir im Senioren-, aber besonders im Junioren-Bereich zumindest Trainingsmöglichkeiten anbieten", sagte Gerald Zettner, der Sportliche Leiter des ERV Schweinfurt, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Aber auch eine Rückkehr der Mighty Dogs aufs Eis ist in diesem Winter nicht völlig vom Tisch. Allerdings nicht mehr im Kampf um relevante Punkte. Die Bayernliga hätte, wenn überhaupt, ab Mitte Januar in einem deutlich veränderten Modus ohne Auf- oder Abstiegsregelung spielen können. Ein Modus ohne sportlichen Wert, vermutlich ohne oder mit nur wenigen Zuschauern, dafür aber mit hohen Kosten durch weite Anreisen. Für den ERV nicht darstellbar. "Es war ja klar, dass es auch in der Bayernliga ohne Zuschauer dauerhaft nicht geht. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir übergangsweise mit 200 Zuschauern zurechtkommen, mittelfristig aber 600 brauchen werden, um die Kosten stemmen zu können. Am Ende hatten wir 300 Euro Einnahmen pro Spiel. Das reicht nicht einmal für die Schiris", so Abteilungsleiter Stephan Steinert.

Regionale Runde denkbar

So ging es auch anderen Vereinen und daher votierten letztlich acht der 15 Bayernligisten für den Abbruch der laufenden Saison. Ihnen gleich taten es in der vergangenen Woche auch die Landesligisten, was zu einer Option führt, wie die Eishockey-Anhänger in der Region vielleicht doch noch ein wenig in den Genuss von Live-Sport kommen könnten, so es die Corona-Lage zulassen wird. "Vielleicht wird es möglich sein, im Januar Spiele auf einem anderen Level zu organisieren", so Steinert, der dabei an ein ligenübergreifendes Konzept mit Verein aus Nordbayern, wie Bayreuth, Haßfurt, Pegnitz oder auch Würzburg denkt.

Dass es den ERV Schweinfurt dann noch geben wird, daran muss nicht gezweifelt werden. "Wir haben momentan keine finanziellen Probleme, aber so hätte es nicht weitergehen können", machte Steinert deutlich, dass auch gerade bei den Mighty Dogs seriös und vorausschauend geplant wurde. "Wo wir letztes Jahr Einnahmen von 30000 Euro hatten, waren es zum gleichen Zeitpunkt in diesem Jahr nur 10800. Der jetzige Abbruch verhindert also Gefahren, die ansonsten auf uns zugekommen wären."

Ratenzahlung für Sponsoren

Dass der Verein dennoch nicht in Schieflage ist, sondern wie Steinert prognostizierte sogar mit "einem sehr kleinen Plus von vielleicht 500 Euro" aus dieser Saison geht, hat er auch seinen treuen Sponsoren und Fans zu verdanken. "Nur dadurch konnten wir die zwei Monate ohne Zuschauer durchstehen. Dafür möchten wir uns bei Allen ganz herzlich bedanken", betonte der fürs Marketing zuständige Steffen Reiser. "Wir haben aus den Erfahrungen des Saisonabbruchs im Frühjahr, der uns ja glücklicherweise nicht mehr getroffen hatte, die Sponsorenverträge auf eine Art Ratenzahlung umgestellt, sodass wir jetzt nicht vor großen Rückforderungen stehen." Ähnliches gilt bei den Dauerkartenbesitzern, von denen bereits viele signalisiert haben, vom Angebot Gebrauch machen zu wollen, die Karte gegen eine neue für die kommende Spielzeit zu tauschen.

Diese neue Saison befindet sich bereits in der Planungsphase. Reiser: "Erste Gespräche mit Spielern sind schon gelaufen. Vorher haben wir natürlich die abgelaufene Saison analysiert." Dies werde man in dieser Woche auch mit Trainer Kyle Piwowarczyk besprechen, der auch für die kommende Spielzeit erster Ansprechpartner für den Trainerposten beim ERV bleibt. Mit Andi Kleider ist man sich unterdessen schon einig, dass er wieder das Amt des Co-Trainers, und dieses Mal wirklich nur dieses, ausfüllen wird. "Bei den Spielern wird es den ein oder anderen Abgang geben", ist sich Zettner im Klaren. "Wir haben ja auch einige, die schon ein fortgeschrittenes Alter haben. Außerdem müssen wir mit Tobias Schwab und Leo Ewald sprechen, ob sie die Fahrerei von Kassel nach Schweinfurt nochmal auf sich nehmen wollen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die meisten zumindest mal eine ganze Saison in dieser Konstellation spielen wollen."

Dylan Hood weiter ein Thema

Auch Dylan Hood könnte als Kontingentspieler wieder eine Option für die neue Saison sein. Über ein Crowdfunding finanziert, konnte der Kanadier ja nur ein Spiel im Dress des ERV machen und ist wie Nick Govig bereits wieder in die Heimat zurückgekehrt. "Das war bitter für ihn und für uns", so Reiser, der erläuterte, dass das durch das Crowdfunding eingenommen Geld auch bei nur einem Einsatz für Kosten wie die Transferkarte und Flüge ausgegeben werden musste. "Wir haben aber in der einen Woche bereits gesehen, was er kann, und könnten uns eine Zusammenarbeit für nächstes Jahr gut vorstellen."

"Sollte Corona dann allerdings weiter ein Thema sein, das zu drastischen Einschränkungen führt", müssten wir eine solche Saison komplett anders planen", machte Steinert abschließend deutlich. Schließlich fehlen nicht nur den Mighty Dogs die Zuschauereinnahmen, sondern auch dem Gesamtverein wichtige Gelder aus dem Betrieb der Gaststätte oder dem öffentlichen Eislauf. Dann würde es auch für den ERV ans Eingemachte gehen.

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