Unterspiesheim

Von Unterspiesheim zum FC Bayern

Lehrer, Fußballer und Trainer: Der Unterspiesheimer Andreas Brendler hat es mit 32 Jahren bis zum FC Bayern München geschafft.
Foto: Andreas Stöckinger | Lehrer, Fußballer und Trainer: Der Unterspiesheimer Andreas Brendler hat es mit 32 Jahren bis zum FC Bayern München geschafft.

Welcher junge Fußballer träumt nicht davon, beim FC Bayern München zu spielen? Als Spieler hat es Andreas Brendler nicht geschafft, dennoch hat er einen Vertrag beim deutschen Rekordmeister. Der 32-Jährige, der aus Unterspiesheim stammt, gehört seit 2017 zum Trainerstab des FC Bayern im Nachwuchsbereich. Aktuell ist er Trainer der U-12-Junioren. Für den Gymnasiallehrer, der Deutsch und Sport gibt, steht also täglich Fußball auf dem Stundenplan.

„Es ist auch als Trainer ein Traum, dort zu arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, das zu schaffen, ist auch nicht sehr hoch“, sagt Brendler. Als Trainerkollegen hat er im Verein unter anderem ehemalige Profis wie Miroslav Klose, Tom Starke oder Uwe Gospodarek. Zu Jahresbeginn schaute er mit Frau und Kind wieder einmal in seiner fränkischen Heimat in Unterspiesheim vorbei. Kurzbesuche dort sind eher selten geworden, denn der Beruf und der Trainerjob lassen das kaum zu. Immerhin bestritt Brendler in der Vorrunde fünf Bezirksliga-Spiele für den SV-DJK Unterspiesheim, auch aus Verbundenheit zur Truppe. Seine beiden Brüder und viele Kumpels kicken dort. Überhaupt sind seine Tage ziemlich ausgefüllt.

Trainer und Klassenleiter

Unter der Woche sowieso, an den Wochenenden stehen nun jede Menge Turniere für seine U 12 an. In ganz Deutschland, Basel (Schweiz) oder Split (Kroatien) liegen die Ziele, die meist mit dem Zug angesteuert werden. Ab und an reist der Nachwuchs auch mal mit dem Flugzeug. „Die Jungs nehmen ihre Schulbücher mit – und ich habe immer was zum Korrigieren dabei“, verrät Brendler. Er ist Klassenleiter einer Fußball-Leistungsklasse.

Sind Spiel und Training vorbei, ist für den Trainer noch lange nicht Schluss. Außerhalb des Platzes fällt noch einmal so viel Zeit an – Datenbanken, Analysen, Gespräche mit Eltern und Spielern sind eben auch nicht so schnell erledigt. Letzteres sei nicht immer einfach, so Brendler. „Wenn es für einen Spieler nicht mehr reicht, brechen Welten zusammen.“

Druck und Konkurrenzkampf ist ein ständiger Begleiter der jungen Talente. Meist kommen sie von Kooperationsvereinen im Umkreis, ab etwa 14 Jahren können im Internat der Bayern Spieler aus ganz Deutschland einziehen, wenn sie gut genug sind. „Der Weg ist verrückt, es wird jedes Jahr extrem aussortiert. Es ist schon schwierig, es beim FC Bayern bis in die U 19 zu schaffen“, sagt der 32-Jährige.

Für Andreas Brendler, der in der Jugend einst für den FC 05 Schweinfurt kickte, begann alles damit, dass er mit gerade einmal 24 Jahren Spielertrainer bei seinem Heimatverein SV-DJK Unterspiesheim wurde. Damals, als Student für Sport und Deutsch, wurde er gefragt, ob er für den erkrankten Peter Herrmann einspringen könne. Es funktionierte, der Verein stieg mit ihm sogar in de Landesliga auf, wo er ein Jahr blieb. Vier Jahre lang machte er den Job. „Eine tolle Erfahrung“, schaut Brendler heute darauf.

Durch einen Bekannten aus dem Studium führte sein Weg 2013 zum VfR Aalen, schließlich zu den Münchner Löwen. Im Referendariat hatte er sich für München beworben und bekam die Zusage bei den Sechzigern. Schließlich arbeitete er beim Deutschen Fußball-Bund, ehe er beim FC Bayern landete. Beim Verband hatte Brendler als Trainer der Bayernauswahl viele Spieler des Klubs, die er zudem über die Schule kannte. Eins ergab das Andere, und schon war alles klar für seinen nächsten Schritt.

Beste Bedingungen

Beim Rekordmeister genießt er nun die Bedingungen des im Sommer 2017 eröffneten Campus. „Das sind Traum-Bedingungen mit den vielen Plätzen.“ Im Nachwuchsbereich will der FCB mächtig aufholen und ist laut Bendler auf gutem Weg. Unter die besten Fünf in Europa will der Verein, so lautet das Ziel. „Wir sind von der U 17 bis zur U 11 wieder die Nummer eins in Deutschland. Ich bin mir sicher, dass es bald auch wieder Spieler aus dem Nachwuchs bis in den Profikader schaffen.“ Vergangenes Jahr sei bei den vielen Turnieren, die sein Jahrgang europaweit absolvierte, nur der FC Barcelona besser gewesen.

Darüber, wie es für ihn weitergehen soll, hat sich Andreas Brendler auch schon Gedanken gemacht. Seit vier Jahren betreibt er den Aufwand als Lehrer und Nachwuchstrainer im Leistungsbereich, dazu kommen noch Familie und Kind. „Wenn man nicht fußballverrückt ist, macht man so etwas nicht. Auf Dauer geht das nicht. Mein Ziel ist schon, hauptberuflich im Fußball zu arbeiten“, verrät er. Auch dann wird er über seine Unterspiesheimer informiert bleiben – wie auch über den FC 05. „Wenn sie in München spielen, bin ich auch meist dabei.“

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