Schweinfurt

Warum die Schweinfurter Schwimmer auf dem Trockenen sitzen

Auch wenn sie die Chancen auf die Teilnahme an einer Deutschen haben, dürfen Nachwuchs-Talente des SC 13 Schweinfurt nicht ins Wasser. Woran liegt das?
Das Becken ist tabu: Die beiden Schweinfurter Nachwuchsschwimmer Denny Leneschmidt (links) und Severin Köhler sitzen weiter auf dem Trockenen. Beide dürfen nicht trainieren oder an Wettkämpfen teilnehmen.
Foto: Steffen Krapf | Das Becken ist tabu: Die beiden Schweinfurter Nachwuchsschwimmer Denny Leneschmidt (links) und Severin Köhler sitzen weiter auf dem Trockenen. Beide dürfen nicht trainieren oder an Wettkämpfen teilnehmen.

Am 19. Februar 2020 machte der Schweinfurter Nachwuchsschwimmer Severin Köhler mit seiner starken Leistung bei den unterfränkischen Bezirksmeisterschaften im Schweinfurter Silvana-Bad einen großen Schritt in Richtung deutsche Meisterschaften, die im Mai 2020 in Berlin hätten stattfinden sollen. "Ich will unbedingt zur Deutschen", sagte der damals 14-Jährige vor über einem Jahr noch am Beckenrand. Köhlers Qualifikation war eigentlich nur noch Makulatur, vollenden konnte er sie durch das Pandemiegeschehen aber nicht mehr. Der Traum von der Deutschen platzte für ihn.

Ende Mai sollen die deutschen Jahrgangsmeisterschaften nun nachgeholt werden. Dafür erntet der Deutsche Schwimm-Verband einiges an Kritik, schließlich sind die Schwimmbäder Deutschlands seit November geschlossen. Trainieren dürfen nur Landes- und Bundeskader-Schwimmer. Alle anderen Ambitionierten sitzen derweil auf dem Trockenen. Eine kleine Hintertür kann über die Ligazugehörigkeit der DMS-Mannschaften geöffnet werden - falls das Zusammenspiel mit den örtlichen Behörden klappt, können über diesen Weg weitere Schwimmer mit einer Sondergenehmigung den Weg zurück zum Training ins Becken finden. Eine einheitliche Handhabung innerhalb Bayerns ist dabei allerdings nicht gegeben.

Keine Möglichkeiten für den Nachwuchs

"Von uns ist kein Schwimmer im Wasser", berichtet Katja Scholz von der Abteilungsleitung des SC 13 Schweinfurt auf Nachfrage. Die Stadt Schweinfurt und auch auch die Stadtwerke "gehören eher zum Team Vorsicht", wie es Scholz beschreibt. Bundes- oder Landeskader-Akteure hat man derzeit keine im Verein.

Ärgerlich ist das vor allem für Toptalente wie Severin Köhler, der sich nun nicht mit den Besten des Landes messen darf, obwohl er die Klasse dafür hätte. Bei den Jahrgangsmeisterschaften sind nur die Top 20 startberechtigt, Köhler lag bei der Ausschreibungsveröffentlichung auf Platz 24. Die Möglichkeit, seine Platzierung durch Wettbewerbe zu verbessern, bot sich ihm nicht. An den aktuell stattfindenden Kadertestwettkämpfen darf er nicht teilnehmen, obwohl er dort leistungsmäßig mithalten könnte.

Er steht sinnbildlich für die verzwickte Situation der vielversprechenden Talente im Verein. Im Herbst 2020 nahmen die Besten des SC 13 Schweinfurt an einem Wettkampf in Würzburg teil. Darunter auch Köhler, der dort seine Bestzeit "nur" bestätigen und eben nicht weiter verbessern konnte, "was sicherlich der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten geschuldet war", glaubt Scholz.

Die Schwimmer geben nicht auf

Für den zwischenzeitlichen Re-Start ab Juni vergangenen Jahres war einiges an "Überzeugung und Organisation verlangt", berichtet sie. Trotzdem kamen dabei nur regelmäßige Trainingsgelegenheiten für ihre Wettkampf-Schwimmer ab 20 Uhr im Silvana-Freibad zustande. Ob ihre Top-Schwimmer zur Form aus dem Frühjahr 2020 finden, weiß Scholz nicht. Sie zweifelt etwas. Die lange schwimmfreie Zeit stimmt sie nachdenklich.

Severin Köhler, die Schweinfurter Schwimmhoffnung, nimmt die Situation sportlich. "Wenn es weitergeht, werde ich mich im Training wieder voll reinhängen und alles versuchen, um wieder oben mitzuschwimmen." Derzeit hält sich der 15-Jährige mit Krafttraining zuhause und Ausdauertraining an der frischen Luft fit. "Es fehlt aber das Techniktraining", merkt Yvonne Gutmann, ebenfalls Teil der Schwimmclub-Abteilungsleitung, an: "Dafür braucht man eben das Wasser." "Das ist, wie wenn man einem Fußballer den Ball wegnimmt. Irgendwas ist das Ballgefühl weg", versucht Scholz weiter zu verdeutlichen. Den Ärger darüber, nicht an der Deutschen teilnehmen zu dürfen, hat Köhler mittlerweile bewältigt. "Mann kommt drüber hinweg", sagt er: "Ich weiß, dass ich es nächstes Jahr wieder schaffen kann."  

"Alles in allem ist der Ausblick auf die Zukunft im Schwimmsport in Schweinfurt - wie auch im ganzen Schwimmkreis Main-Rhön - nicht rosig."
Katja Scholz (SC 13 Schweinfurt) über die Situation der Schwimmer

Ob der Rest, also die Talente, die noch nicht im Leistungsbereich schwimmen, sich dann so wie Köhler wieder motivieren können, sich an das alte Leistungslevel heranzukämpfen - und ob sie dann bereit sind, wieder zweimal die Woche ins Training zu gehen, stellt Scholz zumindest in Frage. Schon während der kurzen Trainingsphase vergangenes Jahr fehlten einige Kinder. Von der großen Abwanderungsflut von Mitgliedern kann sie zwar nicht berichten. Für eine Entwarnung wäre es aber noch zu früh, findet Gutmann: "Umso länger es dauert, bis wir wieder loslegen können, desto schwieriger wird es."

Großes Kopfzerbrechen bereitet den beiden Funktionärinnen auch die Situation der Schwimmkurs-Kinder, die – abgesehen von drei Wochen im Oktober - seit über einem Jahr sprichwörtlich auf dem Trockenen sitzen. Die Problematik, dass viele Kinder nicht mehr oder nicht sicher schwimmen können, sei schon vor Corona akut gewesen. Das habe sich nun noch einmal verschärft. "An die Baggerseen gehen dann trotzdem alle", schwant Gutmann Böses.

"Alles in allem ist der Ausblick auf die Zukunft im Schwimmsport in Schweinfurt - wie auch im ganzen Schwimmkreis Main-Rhön - nicht rosig", findet Scholz. Gutmann hofft, dass zumindest die Leistungsschwimmer im Verein bald wieder ins Becken dürfen. Vielleicht mittels Selbsttests, regt sie an. Ein vergangenes Jahr funktionierendes und angewandtes Hygienekonzept besteht ohnehin. Aktuell bleibt aber weiterhin nur der sehnsüchtige Blick von außen auf das Silvana.

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