Frankfurt/Main

Sieben-Tore-Spektakel: Eintracht rollt Richtung Königsklasse

Adi Hütter       -  Ist mit Frankfurt auf Kurs Champions League: Eintracht-Coach Adi Hütter (r).
Foto: Thomas Frey/dpa | Ist mit Frankfurt auf Kurs Champions League: Eintracht-Coach Adi Hütter (r).

Nach dem Sieben-Tore-Spektakel und einem riesigen Schritt in Richtung Champions League müsste bei Eintracht Frankfurt eigentlich allerbeste Stimmung herrschen.

Doch auch das furiose 4:3 gegen den VfL Wolfsburg, das Adi Hütter „einen absoluten Husarenritt” und Sportvorstand Fredi Bobic „Werbung für den Fußball” nannte, kam nicht ohne Nebengeräusche um die Zukunft von Chefcoach Hütter aus. Der Österreicher hat zwar am Main einen Vertrag bis 2023, soll aber eine Ausstiegsklausel besitzen und wurde zuletzt mit Borussia Mönchengladbach in Verbindung gebracht.

„Ich wüsste nicht, was ihn momentan nicht in Frankfurt halten sollte”, betonte Mittelfeldspieler und Kapitän Sebastian Rode nach dem in höchstem Maße turbulenten Bundesliga-Nachmittag, an dem Hütter so lange beste Laune hatte, bis wieder das ungeliebte Zukunftsthema aufkam.

Nachdem er knapp 15 Minuten ausgiebig und mit viel Begeisterung von seinem Team um die beiden glänzenden Torschützen André Silva und Luka Jovic geschwärmt hatte, antwortete er auf die Frage, ob das Team (Stefan Ilsanker, der dies angekündigt hatte) ihn bereits auf seine Zukunft angesprochen habe, schmallippig: „Nein.” Beim Versuch, einer weiteren Konfrontation auszuweichen, vertat er sich inhaltlich und bedankte sich pflichtbewusst „für die vielen Fragen”.

Es ist ein ähnlich bizarres Schauspiel wie beim FC Bayern, wo Hansi Flick derzeit im gleichen Rhythmus - und medial noch viel heller ausgeleuchtet - Fragen zu seiner Zukunft umschifft. Auch sportlich ist die Lage vergleichbar: Flick steuert in München auf den nächsten Meistertitel hin, Hütter könnte die Hessen erstmals „zum Traumziel” Königsklasse führen - und im Sommer könnten beide Trainer dann eine neue Herausforderung annehmen, was derzeit nicht unwahrscheinlich erscheint.

Hütter, der schon die Young Boys Bern 2018 als Meistercoach auf dem Höhepunkt verlassen hatte, erlebt derzeit begeisternde Wochen bei der Eintracht. Nach dem Sieg über Wolfsburg ist das Sieben-Punkte-Polster auf Verfolger Dortmund gewahrt, noch höhere Ziele scheinen nun möglich. „Jetzt können wir sogar auf Platz drei schielen, wir haben wieder vorgelegt und wieder ein Spitzenspiel gewonnen”, sagte Hütter, dessen Team schon vor einer Woche gegen den BVB (2:1) ein direktes Duell mit großer Abgezocktheit für sich entschieden hatte.

Mit dem Sieg der Hessen, für die Jovic, Silva, Daichi Kamada und Erik Durm trafen, hat sich aber auch die Wahrscheinlichkeit vergrößert, dass nächste Saison Wolfsburg und Frankfurt in der Königsklasse spielen. „Wer nach 34 Spieltagen auf diesen Plätzen steht, hat am Ende verdient, den deutschen Fußball in der Champions League zu vertreten”, sagte VfL-Coach Oliver Glasner, dessen Team trotz Toren von Ridle Baku und Wout Weghorst sowie einem Eigentor von Tuta leer ausging. „Die Teams, die oben stehen, haben sich das hart erarbeitet. Frankfurt und wir hätten es sich verdient”, fügte Glasner an.

Nach der „absoluten Bestätigung” des Coups von Dortmund sieht die Lage komfortabel aus: Die SGE hat eine sehr gute Form und ein ordentliches Polster, doch gewonnen ist für Hütter noch nichts. „Wir stehen noch mit gar keinem Bein in der Champions League. Wenn theoretisch noch etwas möglich ist, sollte man nicht den Tag vor dem Abend loben”, sagte der Trainer. Als großen Bonus im Vergleich zu Teams wie Dortmund oder Leverkusen führte er ein weiteres Argument an: „Die anderen müssen, wir können.”

Frankfurt ist gewarnt, denn 2019 sah die Situation ähnlich aus. Damals hatte die Eintracht zu diesem Saisonzeitpunkt 52 Punkte und 56 Tore, diesmal sind es 53 Zähler und 59 Treffer. Vor zwei Jahren folgte trotz der „Büffelherde” im Sturm um Jovic, Ante Rebic und Sébastien Haller eine Misserfolgsserie, die den Club noch um die Champions-League-Teilnahme brachte. Aber das würden sie in Frankfurt diesmal gerne anders zu Ende bringen.

© dpa-infocom, dpa:210411-99-159151/2

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