Leipzig

Sponsoring und Corona-Krise: Verbände vertrauen Wirtschaft

Thomas Kurschilgen       -  Leistungssportdirektor beim Deutschen Schwimm-Verband: Thomas Kurschilgen.
Foto: Bernd Thissen/dpa | Leistungssportdirektor beim Deutschen Schwimm-Verband: Thomas Kurschilgen.

Keine Wettbewerbe, keine Zuschauer in Stadien oder Hallen, keine Fernsehübertragungen mit Millionenpublikum - den meisten deutschen Sportverbänden jenseits des Fußballs fehlen wegen der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen die Aktivitäten.

Und damit auch Geld. Denn nicht nur die Zuschauereinnahmen sind weggebrochen, auch Sponsorengelder fehlen, weil die Wirtschaft die Corona-Krise ebenfalls deutlich zu spüren bekommt. Dabei sind die größeren Verbände durchaus besser gestellt als kleinere, wie ein Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

„Wir haben zu jedem Partner ein vertrauensvolles Verhältnis und pflegen in der aktuell für alle nicht einfachen Situation sehr engen Kontakt. Unsere Sponsoren kommen ihren Verpflichtungen nach, obwohl diese zum Teil erheblich unter dem Einbruch des Tagesgeschäfts leiden. Wir wissen sehr zu schätzen, ausschließlich zuverlässige Partner an unserer Seite zu haben - das muss an dieser Stelle einfach gesagt werden”, sagt Thomas Kurschilgen, Direktor Leistungssport im Deutschen Schwimmverband (DSV), und spricht damit für viele seiner Kolleginnen und Kollegen. „Es gibt kaum oder keinerlei Reduktionen. Alle Gespräche verlaufen in einer sehr kooperativen Atmosphäre”, bestätigt Ruben Stark vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB).

Dass die meisten Sponsoren zu ihrem Wort und damit zu ihrer Leistung stehen können, ist möglicherweise aber nur eine Momentaufnahme. „Wir sind uns bewusst, dass der Sturm nicht ohne Schäden an uns vorbeiziehen wird”, sagt deshalb auch Stefan Schwarzbach, Marketing-Chef im Deutschen Skiverband (DSV). Die Wintersportler kamen vergleichsweise ungeschoren durch die Krise, die meisten Wettbewerbe waren bereits beendet. „Die entscheidende Frage wird sein, in welcher Form wir im kommenden Winter unsere Weltcup-Veranstaltungen durchführen können. Denn diese Events sind der wirtschaftliche und sportliche Lebensnerv für unseren gesamten Verband”, betont Schwarzbach. Und nicht nur für die Wintersportler.

Ein trauriges Lied diesbezüglich singt deshalb der stolze, erfolgsverwöhnte Deutsche Kanu-Verband (DKV). „Der DKV erwartet in diesem Jahr einen Rückgang der Sponsoreinnahmen um mehr als 50 Prozent. Einige kleinere Sponsoren, insbesondere Firmen aus dem Kanu- Segment, müssen ihre Zahlungen in diesem Jahr komplett einstellen”, berichtet Präsident Thomas Konietzko.

Die Suche nach neuen Sponsoren gestalte sich im Moment mehr als schwierig. „Alle Gespräche, sowohl mit unseren bisherigen Partnern über eine Vertragsverlängerung nach Olympia als auch mit neuen Partnern, wurden von Seiten der Sponsoren ausgesetzt. Die meisten unserer Sponsoren und potenziellen Partner können im Moment die weitere wirtschaftliche Entwicklung ihrer Unternehmen nicht einschätzten und haben um eine Neuaufnahme von Verhandlungen nicht vor Anfang Herbst gebeten”, sagt Konietzko.

So ähnlich ergeht es auch dem Deutschen Handballbund (DHB). „Wir sind auf dem Markt aktiv. Aber es ist momentan natürlich sehr schwierig, neue Partner anzusprechen. Es ist extrem wichtig, dass sich die Wirtschaft wieder entwickelt. Wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, ist Sponsoring häufig ein Bereich, der bei den Unternehmen nicht zwingend im Vordergrund steht”, sagt DHB-Vorstandschef Mark Schober und zeigt Verständnis für die Reaktionen der Partner.

Die Frage, wer in dieser Zeit überhaupt zusätzliche Mittel für das Sportsponsoring übrig haben könnte, beantwortete das Fachmagazin „Sponsors”. Einer Analyse zufolge gehen Unternehmen der Telekommunikationsbranche, der Pharmazie, aus IT/Elektronik sowie Transport gestärkt aus der Corona-Pandemie hervor. Schlecht geht es demnach der Sportartikel-Industrie, der Luftfahrt, der Automobilindustrie, dem Tourismus oder dem Glücksspiel - fast alles Branchen, deren Unternehmen markant im Sport werben.

Und so sind bei den Verantwortlichen in den Verbänden Ideen gefragt. Und diese beziehen sich nicht unbedingt nur auf das Sparen. „Wenn alle anfangen, nur noch zu sparen, ist das ein Teufelskreis. Wir werden weiter investieren, zum Beispiel in die Digitalisierung. Aber sicher sind wir etwas vorsichtiger und achten bei Investitionen darauf, dass wir uns nicht für Jahre finanzielle Fesseln anlegen”, sagt DHB-Vorstandschef Schober.

„Wir sind gemeinsam bemüht, Wege zu finden und arbeiten an kreativen Lösungen, mit denen wir auf die sich stetig verändernden Situationen angemessen reagieren können. Von einer bedachten und schnellen Rückkehr zur Normalität im Sport profitieren auch unsere Partner”, betont Kurschilgen vom Schwimm-Verband. Vom Eishockey-Bund heißt es: „Es gibt nach wie vor interessierte Unternehmen. Letztlich ist es eine Frage der Konzeption.”

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