Frankfurt/Main

Sportstätten zu Impfzentren - „Herber Schlag” für DOSB 

Berliner Velodrom       -  Auch das Velodrom in Berlin wird zum Corona-Impfzentrum.
Foto: Jordan Raza/dpa | Auch das Velodrom in Berlin wird zum Corona-Impfzentrum.

Viele Sportstätten in Deutschland werden wieder von der Politik in Beschlag genommen. Allein in Baden-Württemberg sollen rund ein Dutzend zu Corona-Impfzentren umfunktioniert werden.

Betroffen ist davon der Basketball-Zweitligist Tigers Tübingen, der die Heimspiele ab Mitte Januar 2021 nicht mehr in der Paul-Horn-Halle austragen kann. Glück hatte Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen: Er hatte schon den Bescheid erhalten, die Friedrich-Ebert-Halle ab Dezember räumen zu müssen, bevor die Stadt noch anders entschied und ein Einkaufszentrum zum Impfen auswählte.

In Bremerhaven wird die Stadthalle zum Impfzentrum umgebaut. Dafür müssen sich der Basketball-Zweitligist Eisbären Bremerhaven und auch die Tänzer der TSG Bremerhaven mindestens bis April ein Ausweichquartier suchen. Die Stadt will beide Clubs dabei finanziell wie organisatorisch unterstützen.

Nach dem weitgehenden Nutzungsverbot öffentlicher Sportanlagen für Amateur- und Breitensportler im zweiten Lockdown wird es zusätzlich nun vielerorts eine unabsehbar lange Requirierung geben. Zwar nicht in den Dimensionen wie vor fünf Jahren, als Hunderttausende von Flüchtlingen nach Deutschland kamen und Sportanlagen zu Unterkünften umgewandelt wurden - dennoch wird es zahlreiche Vereine treffen.

„Das Schicksal für den Sport scheint sich wohl zu wiederholen. Es ist die Rückkehr der Szenarien, die wir bereits 2015 und 2016 zu Hochzeiten der Flüchtlingskrise erlebt und mit viel Teamgeist und Engagement gemeistert haben”, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. „Diese Einschränkungen führen zwangsläufig dazu, dass sportliche Aktivitäten noch weiter leiden. Deshalb ist es nicht das, was wir uns wünschen können.”

In der Pandemie gebe es aber kein Wunschkonzert, sondern gesellschaftliche Notwendigkeiten. „Es bleibt uns letztlich keine andere Wahl, als einmal mehr die staatsbürgerliche Pflicht vorrangig zu bewerten, um alle gemeinsam die Pandemie zu besiegen”, sagte Hörmann. „Ich will aber auch nichts schönreden: Solche Überlegungen sind für viele Sporttreibende ein neuer und herber Rückschlag.”

Allein in Berlin sind zwei der sechs festgelegten Impfzentren Sportstätten: Das Velodrom in Prenzlauer Berg, in dem jährlich auch das Sechs-Tage-Rennen der Bahnradsportler stattfindet, und das Erika-Hess-Eisstadion in Wedding. Dort treffen sich pro Woche rund 300 Freizeitsportler zum Eishockey, Eiskunstlauf oder Eisstockschießen.

Von den 100 Impfzentren in Bayern werden ebenso einige in Sporthallen eingerichtet. So ist eines für die Stadt und den Landkreis Bamberg im Foyer der Brose Arena, Spielstätte des Basketball-Bundesligisten Brose Baskets, geplant. Die Heimpartien sollen aber ohne Probleme parallel laufen. Zudem ist im Landkreis Regen die Eishalle als Impfzentrum vorgesehen. Der Landkreis Dillingen an der Donau richtet eines in der Dreifachturnhalle und eines im Hallenbad Wertingen ein.

In Hamburg, Sachsen oder Sachsen-Anhalt gibt es bisher keine Pläne, Sporthallen zum Impfen zu nutzen. Noch nicht bekannt war, wie der Sport in Nordrhein-Westfalen betroffen sein wird. Insgesamt sind laut Gesundheitsministerium 53 Impfzentren vorgesehen.

Lediglich eine Tennishalle soll in Schleswig-Holstein als einer von 29 Standorten für mindestens sechs Monate für Impfungen genutzt werden: Die Einfeld-Tennishalle in Wahlstedt. Der Präsident des Tennisverbandes Schleswig-Holstein sieht dies nicht nur gelassen, sondern verspricht sich dadurch sogar einen Werbeeffekt. „Wenn einige tausend Bürger möglicherweise erstmalig direkt mit Tennis in Berührung kommen, kann es sein, dass einige sagen: Probiere ich mal”, sagte Frank Intert in einem Beitrag auf der Verbandshomepage.

© dpa-infocom, dpa:201208-99-613842/2

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