London

Tuchel hadert nach Chelsea-Remis in Madrid mit Werner

Thomas Tuchel       -  Chelsea-Trainer Thomas Tuchel war trotz einer guten Leistung seines Teams nicht ganz zufrieden.
Foto: Isabel Infantes/PA Wire/dpa | Chelsea-Trainer Thomas Tuchel war trotz einer guten Leistung seines Teams nicht ganz zufrieden.

Chelsea-Trainer Thomas Tuchel wollte die zweite vergebene Großchance seines Stürmers Timo Werner innerhalb weniger Tage schnell abhaken.

„Das Gute am Sport ist, dass es morgen niemanden mehr interessiert”, sagte Tuchel nach dem Hinspiel des Champions-League-Halbfinals bei Real Madrid. Dabei zeigte der 47-Jährige ein etwas gequältes Lächeln. Es blieb das Gefühl, dass für seine Blues in Madrid mehr drin gewesen wäre als dieses durchaus respektable 1:1 - wenn Werner seine frühe Torchance genutzt hätte.

„Er ist traurig, wütend und enttäuscht”, sagte sein Coach. „Aber es hilft nichts zu jammern oder die ganze Zeit hinterherzutrauern. Es gibt Millionen von Menschen, die schlimmere Dinge ertragen müssen als verpasste Chancen.” Ob den Londonern das verschenkte Tor fehlt, wird sich kommende Woche im Rückspiel an der Stamford Bridge zeigen.

Noch bevor Christian Pulisic nach einer Viertelstunde im Estadio Alfredo Di Stéfano zur Führung für die furios aufspielenden Blues traf, scheiterte Werner frei im Strafraum am Real-Torwart und ehemaligen Chelsea-Keeper Thibaut Courtois. Ähnlich war es dem deutschen Nationalspieler am Samstag in der Premier League ergangen. „Er hat eine Großchance gegen West Ham vergeben und hier wieder eine Großchance verpasst”, klagte Tuchel, „das ist nicht hilfreich.”

Britische Medien gingen hart mit Werner ins Gericht. „Wenn du 47,5 Millionen Pfund für einen Stürmer bezahlst, kannst du erwarten, dass er sich in einer Eins-zu-Eins-Situation aus kürzester Distanz nicht von deinem Ex-Torhüter einschüchtern lässt”, ätzte der „Telegraph”. Der „Mirror” befand: „Es war der Versuch eines Stürmers, der seine Überzeugung, sein Selbstvertrauen vor dem Tor verloren hat.”

Zwar hatte Werner bei West Ham den Treffer zum 1:0-Sieg erzielt, sein sechster in der Premier League, insgesamt gelang dem Ex-Leipziger bisher jedoch viel zu wenig in seiner ersten Chelsea-Saison. Das findet auch Tuchel, der den 25-Jährigen nach einer guten Stunde vom Platz nahm.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass wir Vorwürfe machen, denn natürlich wollen die Stürmer treffen, für sich selbst und für die Mannschaft”, sagte der Chelsea-Coach und nahm seinen Schützling in die Pflicht: „Wenn du eine halbe Stunde mit so vielen Chancen und Halbchancen wie wir hast, ja, dann würden wir uns mehr Gelassenheit und Präzision bei der Entscheidungsfindung und beim Abschluss wünschen.”

Ein Geniestreich von Reals Stürmerstar Karim Benzema (29. Minute) nach einer Ecke sorgte dafür, dass vor dem Rückspiel am Dienstag völlig offen ist, wer ins Endspiel einzieht. Enttäuscht darüber konnte nur der FC Chelsea sein, der gegen schwache Königliche ein starkes Spiel gemacht hatte und phasenweise überlegen war. Die spanische Zeitung „Marca” sprach von einem „unaufhaltsamen Hurrikan”.

Bei der Suche nach etwas Positivem im enttäuschenden Auftritt von Real waren sich in Spanien alle einig: „Madrid hat überlebt”. Das sagte nach dem Abpfiff der hörbar erleichterte Kommentator des spanischen Fernsehens, und so titelte auch die Zeitung „El País” am Mittwoch. Trainer Zinedine Zidane schlug in die gleiche Kerbe: „Wir sind noch am Leben.” Nach dem Tor zum 1:1 sei man zudem „viel besser geworden”, bemerkte der Franzose. Hinzu kommt: Kroos & Co. konnten ihre Serie ohne Niederlage immerhin auf 18 Spiele verlängern.

Doch der Optimismus für das Rückspiel in London hält sich in Grenzen. Nicht nur das schmeichelhafte Ergebnis bereitet Sorgen - nach einem 1:1 daheim in einem Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse schafften die Königlichen bisher bei drei Versuchen noch nie den Einzug ins Finale.

© dpa-infocom, dpa:210428-99-378838/6

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