FUSSBALL

Kein Mut, keine Ideen, keine Souveränität

WM 2018 - Südkorea - Deutschland
Sportler, Trainer und Schiedsrichter aus der Region analysieren und kritisieren: Was Dirk Nowitzki, Michael Schiele, Benjamin Brand und andere zum WM-Aus Deutschlands sagen Foto: Andreas Gebert (dpa)

Bundestrainer Joachim Löw hat nach dem ersten WM-Aus einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Vorrunde einen Rücktritt nicht ausgeschlossen. „Es ist zu früh für mich, die Frage zu beantworten, jetzt brauchen wir ein paar Stunden, um klarzusehen“, sagte der 58-Jährige am Mittwoch in Kasan im ZDF zu Fragen nach seiner Zukunft. Löw übernahm die Verantwortung für das erstmalige Scheitern einer DFB-Auswahl in der Gruppenphase einer WM. Durch das peinliche 0:2 (0:0) gegen Südkorea im letzten Vorrundenspiel hatte der Weltmeister den Sprung in die K.o.-Phase verpasst. Schweden und Mexiko zogen ins Achtelfinale ein, Deutschland wurde Letzter hinter Südkorea.

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Der Main-Post WM-Stammtisch - Zu Gast nach dem Ausscheiden der Deutschen Mannschaft gegen Süd-Korea: Main-Post Chefredakteur Michael Reinhard, Main-Post Sportredakteurin Carolin Münzel und Cheftrainer der Würzburger Kickers Michael Schiele. Moderiert von Achim Muth im Club 11 an der Flyeralarm Arena.

Enttäuschung bei Dirk Nowitzki 

Schon kurz nach Spielschluss twitterte Basketball-Weltstar Dirk Nowitzki „Sprachlos. Ich werde etwas Zeit brauchen.“ Der 40-jährige Würzburger, der sich in Dallas auf seine 21. Saison bei den Mavericks vorbereitet, darf sich aber zumindest mit seiner schwedischen Frau Jessica Olsson freuen, weil die Skandinavier durch ein 3:0 gegen Mexiko als Gruppensieger weitergekommen sind.

Leistung des Teams war „pomadig"

Michael Schiele, Trainer des Drittligisten FC Würzburger Kickers, war ernüchtert ob der Leistung des DFB-Teams: „Es hat Tempo gefehlt, es gab keine Ideen, es wurden kaum Torchancen kreiert“, so Schiele. Es habe auch keiner in der Mannschaft Verantwortung übernommen, bestes Beispiel sei Mesut Özil gewesen, „der den Ball lieber immer weitergeschoben hat“. Die Leistung des Teams sei „pomadig gewesen“. Dass eine Trainerdiskussion aufkommen wird, sei klar. Schiele glaubt nicht, dass der DFB nun „die Reißleine“ ziehen wird. Joachim Löw habe über viele Jahre die Mannschaft hervorragend entwickelt und zum WM-Titel geführt, „er wird sich nun schon selbst hinterfragen und eine Entscheidung treffen“, so Schiele.

"Treffer hat zurecht gezählt"

Bundesliga-Schiedsrichter Benjamin Brand aus Gerolzhofen erlebte das Turnier-Aus zu Hause in Unterspiesheim vor dem Fernseher mit. „Sehr schade ist das. Ich hätte gerne noch mehr deutsche Spiele gesehen“, war seine erste Reaktion. „Bevor er im Sinne des Fair-Play ergänzte: „Aber nach den drei Spielen und den Leistungen der Gruppengegner muss man fairerweise sagen, dass Schweden und Mexiko das Weiterkommen verdient haben.“ An Schiedsrichter Mark Geiger aus den USA habe das Scheitern der Nationalelf jedenfalls nicht gelegen, betonte Brand. „Er hat einen guten Job gemacht und den Videoassistenten gut eingesetzt. Es war in der fraglichen Szene schwer zu sehen, dass der Ball, der zum ersten Gegentor geführt hat, von Toni Kroos kam und nicht von einem Südkoreaner. Somit hat der Treffer auch zurecht gezählt.“

"Sie haben ihre Leistung nicht abrufen können"

Fußball-Nationalspielerin Lena Lotzen aus Höchberg saß mittendrin in der Misere. Die 24-Jährige, die vom Bundesligisten FC Bayern zum SC Freiburg gewechselt ist, verfolgte das Ausscheiden ihrer männlichen Kollegen im Urlaub mit Freunden in einer Bar in Barcelona – und zwar mitten unter Fans aus Schweden, Mexiko und Südkorea. „Alle haben sich natürlich riesig gefreut – außer uns.“ Obwohl auch Lotzen die „unsouveräne“ Leistung der DFB-Elf in den ersten beiden Spielen nicht überzeugt hatte, hatte sie erwartet, „dass die Mannschaft durch den späten Sieg gegen Schweden ins Turnier gefunden hat und dadurch gegen Südkorea beflügelt auftritt. Aber die Qualität, die potenziell im Kader steckt, haben die Spieler nicht auf den Platz gebracht. Sie haben ihre Leistung nicht abrufen können.“ Warum das so war, das gelte es nun zu hinterfragen.

"Das war ganz, ganz, ganz schwach"

Claus Reitmaier, ehemaliger Keeper des FC Würzburger Kickers, der inzwischen als Torwarttrainer beim Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf tätig ist, sagte auf Anfrage: „Nach dem Schweden-Spiel haben alle gesagt, das war jetzt der Befreiungsschlag. Da dachte ich schon: ,Nein, definitiv nicht.‘ Danach waren die Spieler leer, das hat man in ihren Augen gesehen. Genau so haben sie gegen Südkorea auch gespielt. Das war ganz, ganz, ganz schwach. Jeder hat versucht, Fehler zu vermeiden. Keiner war mutig. Das war eine Katastrophe!“ Großen Anteil am Scheitern habe „natürlich“ Joachim Löw. „Ich glaube, dass Führungspersonen,die ganz lange im Amt sind, die Objektivität verlieren“, so Reitmaier, der konkrete Kritik am Bundestrainer übt: „Da bringt Jogi den Müller, der seit zwei Jahren nicht gut war. Der Özil spielt 90 Minuten durch, obwohl er nicht gut war. Und ein Brand wird erst zum Schluss eingewechselt, obwohl er in den letzten beiden Partien zwei Bälle sensationell an den Pfosten und an die Latte gebracht hat.“

Umbruch in Angriff nehmen 

Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes und Vizepräsident des DFB, appellierte in seinem Facebook-Post trotz des „historisch schwarzen Tages“: „Treten wir jetzt nicht alles in die Tonne. Es liegen zwölf sehr erfolgreiche Jahre hinter uns, das dürfen wir trotz aller Enttäuschung bitte nicht vergessen.“ Es gelte nun, schnell den Umbruch der Mannschaft in Angriff nehmen.

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