Mit dieser Fifa ist ein Neuanfang unmöglich

Seit nicht einmal einer Woche läuft die Fußball-WM in Katar und schon jetzt ist klar: Dieses Turnier ist wie kein anderes, das es bislang gegeben hat. Es ist ein Panoptikum aus Absurditäten, das der Fußballweltverband Fifa geschnürt hat – und es soll dennoch laut seinem Präsidenten Gianni Infantino als „beste WM aller Zeiten“ verkauft werden. Fast scheint es, als ob das Turnier zu einer riesigen Satire-Show geworden ist.

Einer der größten Skandale in der WM-Geschichte

Die Fifa schmückt sich mit Werten wie Toleranz und Diversität, hat aber dem deutschen Verband und anderen europäischen Verbänden aus Angst vor dem Gastgeber verboten, mit einer Kapitänsbinde aufzulaufen, die für Menschenrechte und gegen Homophobie steht.

Und das, obwohl schon das Design der Binde hasenfüßig genug ist: kein Regenbogen ist darauf zu sehen, sondern eine irgendwie bunte Farbkombination, garniert mit dem letztlich beliebigen Slogan „One Love“. Selbst das ist offenbar ein zu großes Problem für Fifa und Katar. Es ist einer der größten Skandale der WM-Geschichte.

Die Fußball-WM, neben Olympia das größte Sportevent der Welt, ist in ein Land vergeben worden, bei dem schon angesichts seiner Größe Zweifel erlaubt sein müssen, ob es als Ausrichter überhaupt geeignet ist. Katar ist kleiner als Schleswig-Holstein und verfügt nicht mal über genug Hotels, um all die Gäste aus aller Welt aufzunehmen. Dafür stehen dort nun acht WM-Stadien, für die Tausende Gastarbeiter ihr Leben ließen.

Und dann die bekannten weiteren Vorwürfe: die systematische Unterdrückung von Menschenrechten, die bislang selbst für Fifa-Verhältnisse beispiellosen Korruptionsvorwürfe, der Verdacht der Terrorfinanzierung. Die Einschaltquoten in Deutschland lassen den Schluss zu, dass es jetzt offenbar auch vielen Zuschauerinnen und Zuschauern reicht. Am ersten vollen WM-Tag erreichte kein einziges Spiel die Marke von fünf Millionen. Selbst die erste Partie der Deutschen lockte gerade mal gut neun Millionen TV-Zuschauer an.

Die Fifa dürfte das wenig interessieren: Für das Turnier in Katar vermeldet sie Rekordeinnahmen von 7,25 Milliarden Euro. Zudem ist die europäische Sichtweise für die Fifa nicht mehr entscheidend: Bis auf Adidas kommen keine Geldgeber der Fifa mehr aus Europa, Infantino hat seinen Wohnsitz nach Katar verlagert und wird von Verbänden aus Asien, Nahost und Afrika unterstützt. Seine Wiederwahl im März gilt als gesichert.

Europas Verbände müssen sich von der Fifa lösen

Ist es wirklich sinnvoll, weiterhin mit diesem Weltverband zusammenzuarbeiten? Jeder Einblick ins Innere der Fifa lässt eigentlich einen anderen Schluss zu. Die US-Behörden, die 2015 in einer Razzia in Zürich mehrere Funktionäre verhafteten, stuften den Verband als einen „vom organisierten Verbrechen und Korruption beeinflussten“ Zusammenschluss ein.

Die Fifa ist ein System, das sich schon lange von jeglicher Moral abgekoppelt hat, stattdessen geht es um Vorteilnahme und Gewinnmaximierung.

Die einzige Lösung kann nur lauten: Europas Verbände müssen sich von der Fifa lösen und eine eigene Verwaltung etablieren. Die prominentesten Klubs und viele der größten Stars kommen aus Europa. Das kleine Dänemark hat kürzlich laut über einen Austritt aus der Fifa nachgedacht und könnte der erste Dominostein sein.

Fallen weitere nationale oder kontinentale Verbände? Hoffentlich. Denn eines ist klar: Dieser bis ins Mark korrupte Weltverband ist nicht reformfähig. Das beweist er gerade mit dieser Parodie einer Fußball-WM.

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