London (dpa)

Dillinger Klosterfrau trägt olympisches Feuer

Sie ist Läuferin Nummer 102 am Tag 59 des olympischen Fackellaufes. Sie ist eine von 8000, die das olympische Feuer nach London tragen - und sie ist doch eine ganz besondere: Claudia Rieß ist Klosterschwester.
Fackelträgerin
Ordensfrau Claudia Rieß läuft mit der olympischen Fackel durch Brighton. Foto: Michael Donhauser

Die 50 Jahre alte Schwäbin aus dem Mutterhaus der Dillinger Franziskanerinnen im bayerischen Schwaben ist mit der Olympia-Fackel in der Hand im Auftrag des Herrn unterwegs. Das olympische Feuer hat in den vergangenen zwei Monaten einiges mitgemacht. Mit den Morgenstrahlen der griechischen Sonne in Olympia entzündet, wurde es per Flugzeug nach Großbritannien gebracht. Prinzessin Anne hatte es in der Hand, genauso wie ihr Vater Prinz Philip und ihre Tochter Zara Phillips, Fußballer David Beckham und Formel-1-Pilot Lewis Hamilton und Star-Koch Lewis Hamilton.

Die Flamme wurde von Läufern getragen, in einem Dampfzug gefahren, mit dem Flugzeug geflogen. Sogar ein Raketenmann rauschte mit der Fackel durch die Luft. Ein paar Mal ging sie aus, etwa als sie ein Kanufahrer durch den olympischen Wildwasserkanal trug. Ein Läufer machte seiner Auserwählten mit der Fackel in der Hand einen Heiratsantrag.

Am Donnerstag wird sie die Olympiastadt London erreichen - per Hubschrauber soll sie in den Tower herabgelassen werden, wo es sicher verschlossen die Nacht verbringt. Dann werden noch etwa 1000 Läufer die Flamme durch die Stadt tragen. Allein am letzten Tag des Laufes und Eröffnungstag der Spiele werden es 18 sein. Schon zwei Tage vorher ist mit der 100 Jahre alten Diana Gould die älteste Fackelläuferin der Olympia-Geschichte an der Reihe.

Das größte Geheimnis hüten die Organisatoren wie ihren Augapfel: Wer wird der letzte Fackelläufer sein, der das Feuer im Stadion von London entzündet? Bei den englischen Buchmachern ist der fünfmalige Ruder-Olympiasieger Steve Redgrave der große Favorit. Gemunkelt wird aber auch, dass es ein eher unbekannter Brite mit besonderer Lebensgeschichte sein könnte.

Ein Geheimnis, das auch Schwester Claudia mit göttlicher Hilfe nicht ergründen kann. Wenn die Feuerschüssel bei der Eröffnungsfeier am 27. Juli entzündet wird, wird die Ordensfrau schon wieder zu Hause sein und im Mutterhaus der Dillinger Franziskanerinnen vor dem Fernseher sitzen. Und in Erinnerungen schwelgen: «Ich glaube nicht, dass ich das jemals vergessen werde», sagte sie nach ihrem Lauf, für den sie sich mit Hilfe einer 82 Jahren alten Mitschwester kurzerhand selber vorgeschlagen hat.

Fast wie ein Popstar wurde die Ordensfrau von den Engländern gefeiert. «Ich hätte niemals geglaubt, dass so viele Leute kommen», sagte Schwester Ricarda, die Claudia aus Bayern zu ihrem großen Auftritt nach Großbritannien begleitet hat. Im Gegensatz zu Claudia trägt Ricarda noch die traditionelle Franziskanerinnen-Tracht. Ihre Mitschwester hat den Habit dagegen für einen Tag gegen Jogging-Schuhe und die weiße Fackelläufer-Uniform getauscht.

Die 50-Jährige, die von der lokalen Presse den Beinamen «Marathon-Nonne» bekommen hat, ist vor sieben Jahren zum Laufen gekommen. «Ich bin immer mehr in die Breite gegangen, und beim Laufen nimmt man am schnellsten ab», sagt die Lehrerin. Seitdem ist sie schon viermal beim München-Marathon mitgelaufen. Bestzeit: 4:33 Stunden. Obwohl nicht alle Schwestern im Kloster die Begeisterung für den Sport teilen, ist Claudia überzeugt: «Laufen ist sehr meditativ. «Ich bete immer dabei», sagt sie. Am liebsten den Rosenkranz.

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