Krasnaja Poljana (dpa)

«Meine Inspiration»: Die Liebe des Champs zum Bruder

Schon vor vier Jahren in Vancouver hatten Alex und Frederic Bilodeau ein ganzes Land gerührt. Die Geschichte der innigen Geschwister beeindruckte auch die Zuschauer bei den Winterspielen von Sotschi: Der Olympiasieger und sein Bruder, der an Kinderlähmung leidet.
Umarmung
Alex Bilodeau (l) bejubelt mit seinem Bruder Frederic den Olympiasieg im Freestyle. Foto: Jens Buettner

Nach einer ersten Umarmung über die trennende Werbebande hinweg zog Olympiasieger Alex Bilodeau seinen gelähmten Bruder kurzerhand in den Zielraum. Innig hielten sich die Geschwister im Schnee des Extreme Parks sekundenlang fest.

Dass seine Brille komplett verrutschte, spielte für Frederic im Arm des Buckelpisten-Königs überhaupt keine Rolle. «Für alles, was ich im Leben mache, ist mein Bruder meine Inspiration», sagte der kanadische Ski-Freestyler Alex Bilodeau nach dem Triumph bei den Winterspielen von Sotschi. Er hat ein besonders enges Verhältnis zu dem älteren Frederic, der an Kinderlähmung leidet.

Schon in Vancouver hatte das Brüderpaar mit der rührenden Familiengeschichte die Herzen eines ganzen Landes erobert. «Wie du und ich hat er Träume, die meisten sind für ihn nicht zu realisieren», erzählte nun der jüngere Bilodeau. «Jeden Tag fühle ich mich glücklich, eine normale Person zu sein, die die Chance hat, seinen Traum zu verfolgen. Er hat diese Chance nicht.»

Mit einem Traumlauf wiederholte Alexandre nach anfänglichen Problemen in den Finalläufen seinen Coup von vier Jahren. Nach der Saison mit seinem ersten Olympiasieg hatte Bilodeau ein Jahr ausgesetzt, um sich auf seine Ausbildung zu konzentrieren. In dieser Zeit stieg der am Montagabend zweitplatzierte Teamkollege Mikael Kingsbury zum neuen Stern der Buckelpisten-Szene auf - und ist seitdem sein Hauptrivale.

Er wolle sich bei seinen Kollegen bedanken, erklärte Bilodeau nach dem überlegenen Sieg. «Jeden Tag treiben sie mich im Training an. Deshalb bin ich der beste Skifahrer, der ich jemals war und der Junge, der Zweiter ist, wird alles gewinnen, nachdem ich weg bin.»

Kraft für die tägliche Schinderei im Training zieht er vor allem aus dem Schicksal seines Bruders. «Aus Respekt für ihn muss ich meine Träume verfolgen. Mit seiner Motivation wäre ich schon vierfacher Olympiasieger», betonte Bilodeau.

Frederic verehrt Napoleon - «mein Bruder ist der Napoleon von Kanada», hatte er bereits in Vancouver voller Stolz gesagt. Bis zum Alter von zwei Jahren war er einem Bericht der kanadischen Zeitung «The Globe and Mail» zufolge gesund, plötzlich fühlte er sich krank und konnte sich nicht mehr bewegen. Weil er so lange im Krankenhaus bleiben musste, gab seine Mutter ihren Job auf.

Nach der Krankheit von Frederic hatten seine Eltern zunächst keine weiteren Kinder gewollt - im Alter von sechs antwortete er auf die Frage, was ihm der Weihnachtsmann bringen solle: «Einen Bruder.» «Ich kenne Deine Mutter gut», antwortete Vater Serge. «Ich werde das organisieren.» Alex wurde im folgenden Jahr geboren.

«Wir haben die Familie um ihn herum gebildet», sagte der Vater über Frederic. «Er ist das Rückgrat der Familie.» Auch für den strahlenden Olympiasieger. «Jeder Schritt im Leben ist für ihn so schwer und ich habe den einfachen Weg», erinnerte Alex Bilodeau. «Er lebt seine Träume durch mich. Heute, Vancouver - das ist das Geringste, was ich tun kann.»

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Geschwister
  • Kinderlähmung
  • Napoleon
  • Olympiade
  • Olympiasieger
  • Olympische Winterspiele
  • Skisport
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!