Fussball: 2. Bundesliga

Wiesinger sprudelt nur so vor Motivation

Wie der ehemalige Profi es anstellen will, mit dem 1. FC Nürnberg die Abstiegsrelegation zu bestehen. Dabei hat der 47-Jährige ein zentrales Anliegen.
Seit September zurück beim Club und jetzt in einer wichtigen Rolle: Michael Wiesinger. 
Seit September zurück beim Club und jetzt in einer wichtigen Rolle: Michael Wiesinger.  Foto: Sportfoto Zink / Melanie Zink, via www.imago-images.de

Keine Frage: Michael Wiesinger freut sich ungemein auf den ihm übertragenen, durchaus kniffligen Job, den 1. FC Nürnberg vor dem Abstieg in die 3. Liga und den enormen Folgen zu bewahren. Bei seiner halbstündigen Video-Präsentation am Montagnachmittag sprudelte der 47-Jährige auf die Fragen der Journalisten nur so vor Energie, Begeisterung und Motivation. Fast war’s schon zu viel der One-Man-Show, auf jeden Fall aber ein regelrechtes Kontrastprogramm zu Vorgänger Jens Keller, der zuvor von Sportvorstand Robert Palikuca „nach Rücksprache mit meinem Vorstandskollegen und den Gremien“ freigestellt worden war. Keller habe es „mit Fassung getragen“.

Überträgt Wiesinger die Aufbruchstimmung auch auf die verunsicherten Club-Profis, dann könnte er tatsächlich den erhofften Impuls bringen, der aus einer Anzahl von Einzelspielern in den beiden Relegationsspielen am 7. und 11. Juli spät, aber doch noch eine Mannschaft werden lässt. Der frühere Club-Mittelfeldspieler (1993 bis 1999) und -Trainer (Januar bis Oktober 2013) kehrte im letzten Herbst als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) zurück und löse die Aufgabe, so Palikuca, seitdem „überragend“. Zudem beschäftige man sich im NLZ stets mit dem Thema Lizenzmannschaft. Für Palikuca ist es auch wichtig, dass Wiesinger auch Erfahrung mit der Relegation hat. Die ist aber schon etwas älter: 2010 führte der Fußball-Lehrer den FC Ingolstadt über die beiden Spiele von der dritten zurück in die zweite Liga.

Für die Frage, wie es beim Club auf der Trainerposition in der nächsten Saison weitergehe, sieht Palikuca gerade „nicht die Zeit“. Der bei seinen letzten Engagements in Elversberg und Uerdingen entlassene Wiesinger hat, wie er sagt, keine Ambitionen, Cheftrainer zu bleiben. Er wolle wieder zurück ins NLZ. Das aber könnte sich im Erfolgsfall vielleicht ändern.

Wiesingers wichtigste Aussagen haben wir zusammengefasst:

Über den Sprung ins kalte Wasser, der für ihn keiner ist: „Wir haben noch relativ viel Zeit bis zum ersten Spiel am kommenden Dienstag. Mehr als unser Gegner, der am Samstag noch sein letztes Punktspiel bestreiten muss. Es ist eine Chance für mich, viele Gespräche zu führen und die Mannschaft besser kennenzulernen, auch wenn ich alle Zweitliga-Spiele im Stadion oder bei Sky gesehen habe. Marek Mintal kennt die Spieler ja schon durch das Spiel gegen Bielefeld, das er verantwortet hat.“

Über den Trainingsauftakt am Mittwoch: „Wir wollen mit der Mannschaft einen Plan entwickeln, wie wir das Training gestalten und wie wir von der Belastungssteuerung her vorgehen, um Spritzigkeit im Spiel zu haben.“

„In der Relegation ist es eminent wichtig, sauber zu verteidigen.“
Michael Wiesinger, Interimstrainer des 1. FC Nürnberg

Über sein zentrales Anliegen: „Für mich ist ein wichtiger Aspekt, dass wir es schaffen, über 90 Minuten gemeinsam zu verteidigen. Selbst beim 6:0 gegen Wehen gab es diese Phase der Unruhe nach der Führung, die mit Glück überstanden wurde. In der Relegation ist es eminent wichtig, sauber zu verteidigen. Hin- und Rückspiel mit Auswärtstorwertung, das ist eine spezielle Ausgangslage. Es geht darum, im Heimspiel die Basis für den Erfolg zu legen.“

Über seine Anforderung an die Club-Profis: „Für mich gilt es, diejenigen Spieler herauszufinden, die zu allem bereit sind. Die Relegation ist auch eine neue Chance für den einen oder anderen im Kader.“

Über seine Nothelfer-Rolle: „Es wird ein 24-Stunden-Job in den nächsten zwölf Tagen. Das wird sehr intensiv, es läuft mir beim Gedanken daran schon jetzt eiskalt den Rücken herunter.“

Über seine Zusatzmotivation: „Es gibt eine gewisse Unruhe im NLZ und bei allen Club-Mitarbeitern, wie es weiter geht. Für eine gute Zukunft des Vereins sorgen zu können, das treibt mich auch an.“

Über seine Beziehung zum Club: „Ich war schon mal Trainer hier. Ich war damals kein Lautsprecher und das werde ich auch jetzt nicht sein. Aber ich lebe diesen Verein und bin super happy, seit dem Herbst wieder hier zu sein. Nach den beiden Spielen will ich, das will ich auch sagen, aber gerne wieder in meine Position als NLZ-Leiter zurück.“

Über die Vielzahl möglicher Gegner: „Das ist kein Problem. Wir sind schon mittendrin, uns auf alle möglichen Gegner vorzubereiten. Dafür haben wir ja eine Scouting-Abteilung. Die Entscheidung, gegen wen wir spielen, dürfte erst am Samstag fallen. Wenn das feststeht, werden wir uns die letzten Tage speziell vorbereiten.“

Über die wesentlichen Elemente der 3. Liga: „Kompakt stehen, aus einer guten Ordnung spielen, ein gutes Umschaltspiel zeigen, und vorne auch Knipser zu haben wie Ingolstadt. Wir wissen aber auch, dass wir auf eine Mannschaft treffen werden, die ein paar Spiele mehr in den Knochen hat als wir.“

Über die von Vorgänger Keller so bezeichnete „Ehrenrunde“: „Wir haben die Chance, über zwei Mal 90 Minuten in der Zweiten Liga zu bleiben – vielleicht sollten wir die Situation mal so betrachten.“

Über die Aufgabenteilung zwischen ihm und Co-Trainer Mintal: Ich sehe Marek und mich auf Augenhöhe – aber am Ende bin ich es dann als Cheftrainer, der unterschreibt.“

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