Fußball: Dritte Liga

3:2-Sieg: Würzburger Kickers können Aufatmen

Luca Pfeiffer bejubelt seinen Treffer zum 1:0. Foto: Meike Scheuring

Die Pokalbegeisterung ist vorbei, jetzt kommt der Drittliga-Alltag und der ist bisweilen ziemlich mühsam. Da wo eine Woche zuvor noch prickelnde Fußball-Atmosphäre herrschte gab es diesmal große Zuschauer-Lücken auf den Rängen. 4355 Zuschauer waren zum Heimspiel der Würzburger Kickers gegen Preußen Münster gekommen. Das faszinierende Spiel gegen Hoffenheim mit dem unglücklichen Ausscheiden im Elfmeterschießen hatte da offenbar keine allzu große Werbewirkung gehabt.

Dabei hatte diese Partie für die Rothosen eine große, wohl auch schon richtungsweisende Bedeutung. Nach drei Liga-Niederlagen in Serie sollte, nein es musste ein Dreier her, wenn die Rothosen nicht erst einmal feststecken wollten im tiefen Tabellenkeller. So zählte am Ende vor allem das Resultat. Durch das 3:2 (2:1) verdoppelten die Kickers ihr Punktekonto auf sechs Zähler und schafften vor dem Auswärtsspiel bei der ambitionierten Eintracht aus Braunschweig schon einmal den Sprung ins Tabellen-Mittelfeld. "Brutal wichtig" sei dieser Erfolg gewesen, fand dann auch Rechtsverteidiger Luke Hemmerich.

Dabei hätte die Sache auch noch schief gehen können. Das 4:5 in Unterhaching, dieses kuriose Spiel, in dem die Rothosen in den letzten Minuten noch eine 4:2-Führung aus der Hand gaben, dürfte die Kickers in dieser Saison noch etwas verfolgen. "Nur ganz kurz" habe er daran denken müssen, gab auch Kickers-Trainer Michael Schiele zu, als die bis dahin lange chancenlosen Münsteraner in der 88. Minute durch Luca Schnellbacher zum 2:3-Anschlusstreffer kamen. Eine Reihe von Unzulänglichkeiten und die offensichtliche Verwirrung nach der Einwechslung des Ex-Münsteraners Lion Schweers und der folgenden Umstellung in der Abwehr hatten das Gegentor begünstigt. Diesmal aber ging die Sache gut. "Wir müssen konzentrierter sein", ärgerte sich Hemmerich zwar noch. Aber diesmal ging es nur um Schönheitsfehler.

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Kickers TV: Dieser Sieg ist so wichtig

Denn am Ende hätte der Kickers-Erfolg höher ausfallen können. Eine ganze Reihe von guten Torgelegenheiten ließen die Kickers nach dem 3:1 des herausragenden Fabio Kaufmann (52.) in der zweiten Halbzeit noch liegen. "Wir hätten die Sache früher klar machen können", stellte auch Kickers-Linksverteidiger Leroy Kwadwo fest. Der spielte unter besonderer Beobachtung. Schließlich haben die Kickers am Freitag mit Robert Herrmann einen Mann genau für diese Position verpflichtet. Gegen Münster war der 26-Jährige aber noch nicht spielberechtigt. Kwadwo durfte noch einmal ran. Dass freilich Trainer Schiele in der Pressekonferenz Schwächen auf der linken Abwehrseite hervorhob, war unter diesem Gesichtspunkt  bemerkenswert. "So ist das Geschäft. Den Kampf um den Platz in der Mannschaft muss ich annehmen. Den Rest werden wir sehen", sagte Kwadwo am Samstag.

Starke rechte Außenbahn

Der Konkurrenzkampf auf dieser Position ist also neu eröffnet. Auf der rechten Außenbahn sind  Hemmerich als defensiver Part und Kaufmann in der Offensive gesetzt. Warum, das zeigten sie am gegen Münster eindrucksvoll. Eigentlich waren viele nach dem starken Pokal-Auftritt gegen Hoffenheim ja gespannt auf  das Startef-Debüt von Albion Vrenezi. Doch der Leihspieler aus Regensburg konnte auf dem linken Flügel nicht so wirbeln wie noch in der Woche zuvor. Da ging über rechts schon deutlich häufiger die Post ab.

Aber, das muss freilich auch erwähnt werden, die erste ganz dicke Chance der Partie hatten die Gäste. Wer weiß, wie der Nachmittag verlaufen wäre, hätte Schnellbacher, als er in der elften Minute plötzlich alleine vor dem Kickers-Kasten auftauchte  nicht vorbei geschossen. Nicht nur für Ex-Kickers-Trainer Dieter Wirsching, der als Experte für den übertragenden Bezahlsender MagentaSport im Einsatz war, war dies ein Schlüsselszene im Spiel. So aber übernahmen hernach die Rothosen das spielerische Übergewicht und gingen wie Trainer Schiele zutreffend feststellte "irgendwie verdient" in Führung. Urplötzlich stand Dave Gnaaase ziemlich frei vor dem Preußen-Tor. Keeper Maximilian Schulze Niehues konnte den Ball noch abwehren, aber Luca Pfeiffer drückte den Ball zum 1:0 über die Linie (13.). Das dritte Drittliga-Saisontor für den Neuzugang, der auch im Pokalspiel gegen Hoffenheim traf.

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Kickers TV: Diesen Sieg haben wir gebraucht

Doch das Kickers-Spiel ist nicht ohne Risiko und ganz ohne Gegentor sind die Rothosen in dieser Saison noch durch kein Pflichtspiel gekommen. Eine Flanke von der linken Abwehrseite leitete den Ausgleichstreffer ein, bei dem freilich die gesamte Kickers-Abwehr auch Münsters Kapitän Julian Schauerte vor einem Kopfballtreffer aus den Augen verloren hatte (27.).

Vrenezi übernimt Verantwortung

Wichtig für die Kickers, dass sie vor dem Seitenwechsel erneut in Führung gingen. Sebastian Schuppan hatte den Ball schön in den Strafraum durchgesteckt, Fabio Kaufmnn zog in Richtung Kasten und wurde vom nicht nur in dieser Szene ziemlich überfordert wirkenden Gäste-Linksvrteidiger Ugur Tezel gefoult. Vrenezi schnappte sich den Ball, übernahm wie schon gegen Hoffenheim die Verantwortung und verwandelte den Stafstoß zum 2:1 (45.).

Am Mittwoch in Oberfranken

Eine Pausenführung, die Kaufmann nach dem Seitenwechsel mit seinem von Pfeiffer klasse vorbereiteten Treffer ausbaute (52.). Es folgten die bereits erwähnten Kickers-Chancen bei denen beispielsweise Kaufmann (60.) und Pfeiffer (71.) einen weiteren Treffer verpassten und die kribbelige Schlussphase. Dass die Kickers in der letzten Szene des Spiels bei einem Konter es nicht schafften, auf das vom inzwischen stürmenden Torhüter verlassene Gäste-Tor zu schießen, passte ins Bild. Am Schluss freilich zählte nur das Ergebnis in einer Partie, die die Nerven der Kickers-Verantwortlichen mehr als nötig beansprucht hatte. "Für die Fans ist es im Moment immer Spannung pur", stellte Kickers-Akteur Hemmerich fest. Ein bisschen weniger Drama dürfte Trainer Schiele am kommenden Mittwoch (Anpfiff 18 Uhr, Liveticker auf mainpost.de) aber schon erwarten. Dann geht es im Toto-Pokal-Wettbewerb in der zweiten Runde zum oberfränkischen Bezirksligisten SSV Kasendorf.

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