Fußball: Dritte Liga

3:2 beim FCK: Die Würzburger Kickers jubeln auf dem Betzenberg

Luca Pfeiffer jubelt über sein Tor zum 3:1. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Die Würzburger Kickers haben den Betzenberg mit drei Punkten im Gepäck verlassen. Mit 3:2 siegten die Rothosen beim 1. FC Kaiserslautern und vergrößerten ihren Vorsprung vor der Abstiegszone auf fünf Punkte, während der Rückstand auf den Aufstiegsrelegationsplatz drei sechs Punkte beträgt. In der engen Dritten Liga nennt man das dann einen Mittelfeldplatz.

Beim einstigen Pfälzer Vorzeigeklub in Kaiserslautern ist der Lack indes schon längst ab. Etwas über 16000 Besucher sind für Drittliga-Verhältnisse zwar noch immer eine stolze Zuschauerzahl. In der mächtigen Lauterer WM-Arena bleiben bei einer solchen Kulisse aber noch immer viele Plätze frei. Da kommt, wenn es nicht läuft, schnell Tristesse auf. Dabei haben sie hier doch schon ganz an der Zeiten erlebt. Zu Spielbeginn erinnerten die Fans mit Transparenten an den 99. Geburtstag von FCK-Idol und Weltmeister-Kapitän Fritz Walter am 31. Oktober.

Der Alltag beim FCK heißt Drittliga-Abstiegskampf. "Ein wichtiges Spiel" sei das gewesen, stellte Lauterns heutiger Trainer Boris Schommers nach der Partie fest. Die Lauterer, die sich vorgenommen hatten in der Tabelle an den Kickers vorbeizuziehen, hatten ihre Zuschauer einmal mehr bitter enttäuscht. Aber das sollte die Kickers an diesem feuchten Oktobertag in der Pfalz nicht sonderlich stören. Sie hatten aus der Schwäche der Hausherren Kapital geschlagen.

3:2 hieß es am Schluss, weil die Kickers diesmal in den entscheidenden Momenten das nötige Quäntchen Glück auf ihrer Seite hatten. So auch in der 12. Minute. Die Kickers waren gut aus der Kabine gekommen, hatten das Heft des Handelns schnell in die Hand genommen. Und sie hatten den Gastgebern rasch den Schwung geraubt, den sich die Lauterer durch ihren DFB-Pokal-Coup am Mittwoch, als sie Zweitligist 1. FC Nürnberg aus dem Wettbewerb gekegelt hatten, erhofft hatten. "Da waren wir nicht gut", fand auch FCK-Coach Schommers mit Blick auf die Anfangsphase. Das 1:0 war freilich das Produkt eines umstrittenen Elfmeters. Dass der Flankenversuch des umtriebigen Kickers-Rechtsverteidigers Frank Ronstandt am Arm von Lauterns Abwehrmann Andre Hainault endete, ist unstrittig. Diskutieren kann man indes lange darüber, ob das Heimspiel nun im oder am Strafraum passierte. Schiedsrichter Jonas Weickenmeier entschied auf Strafstoß. Albion Vrenezi schnappe ich den Ball und verwandelte sicher flach unten ins rechte Eck: 1:0 für die Kickers (13.).

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Kickers: Überraschung nach Sieg in Kaiserslautern - die Spielerinterviews

Es war aus Kickers-Sicht ein idealer Start in die Begegnung, der den Gästen Sicherheit geben sollte. Beim FCK schlotterten nun sichtbar die Knie. Doch die Kickers schafften es nicht den Gegner frühzeitig in die Knie zu zwingen. Immer wenn sich die Chance ergab, kam der letzte Pass zu ungenau, wirkliche Torabschlüsse gab es nicht. Stattdessen kamen die taumelnden Hausherren noch einmal zurück in die Partie. Ein paar unnötige Ballverluste im Aufbauspiel der Rothosen brachten die Pfälzer in gute Freistoßpositionen. Beim zweiten Versuch führte eine Freistoßflanke, dann schon zum Erfolg, weil Dave Gnaase den Torschützen Philipp Hercher laufen ließ (28.). "Wir wussten, dass Kaiserslautern bei Standards gefährlich ist. Da darf uns so ein Gegentor nicht passieren", ärgerte sich Kickers-Rechtsverteidiger Ronstadt. Hernach wankten die Kickers kurz. Nach einem Ballverlust von Leroy Kwadwo im Mittelfeld, versuchte es Hainault mit einem Kunstschuss aus er Distanz. Doch Rothosen-Keeper Müller war auf der Hut.

Eigentor bringt die Kickers in Führung

Die Kickers aber wollten keine Aufbauarbeit leisten. "Wir haben uns in der Kabine vorgenommen, gut aus der Pause zu kommen. Wir wollten als Team unbedingt dieses Tor erzielen", berichtete Ronstadt später. Tatsächlich hatte er keine zwei Minuten nach der Pause eine scharfe Flanke in den Strafraum geschlagen. Lauterns-Verteidiger Christoph Heimlein wollte vor dem heranstürmenden Luke Hemmerich klären und mit der Brust auf Torhüter Lennart Grill zurücklegen. Doch der Klärungsversuch misslang. Der Ball sprang in den Kasten und Hemmerich jubelte so, als hätte er das Spielgerät selbst über die Linie gedrückt. Die Kickers führten 2:1 (47.) ohne selbst einmal aus dem Spiel heraus auf das Tor geschossen zu haben.

Und sieben Minuten später waren die Würzburger ein Mann mehr auf dem Feld. Heimlein hatte bei einer Grätsche von hinten gegen Gnaase auch den Ball getroffen, allerdings war die Gelb-Rote Karte durchaus eine angebrachte Strafe für das rücksichtslose Einsteigen.

Auf den Tribünen machte sich Frust breit und als Rothosen-Goalgetter Luca Pfeiffer nach guter Vorarbeit von Fabio Kaufmann mit seiner ersten und einzigen Torgelegenheit an diesem Tag das 3:1 und seinen fünften Saisontreffer markierte, schien die Partie in der 69. Minute entschieden. Zu überlegen schienen die Kickers in dieser Phase. Die Rothosen aber verpassten es, den Lauteren endgültig den Saft abzudrehen und nutzten ihre Konterchancen nicht konsequent genug.

Skarlatidis trifft zum Anschluss

So wurde es am Ende doch noch einmal spannend. Ausgerechnet der eingewechselte Ex-Würzburger Simon Skarlatidis erzielte nach einem feinen Dribbling durch die Kickers-Abwehr den Anschlusstreffer (87.). "Da waren wir etwas sorglos", ärgerte sich Kickers-Coach Michael Schiele stellte aber auch fest: "Wir haben verdient gewonnen."

Hemmerich will wieder oben angreifen

Es war ein Erfolg, der das Selbstvertrauen der Kickers wachsen ließ. Sieben Punkte haben die Rothosen in den letzten vier Auswärtsspielen eingesammelt. "Ich schaue nicht auf die Tabelle", sagte Außenbahnspieler Luke Hemmerich, der anstelle von Simon Rhein in die Startelf gerückt war. "Es ist erst ein Drittel der Saison gespielt. Wir müssen auswärts Punkte holen, dann denke ich, dass wir auch wieder oben angreifen können."

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