Basketball: Bundesliga

Baskets: Ein Rauswurf vor schweißtreibenden Tagen

Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg trennt sich noch vor dem Bezug des Trainingslagers in Valencia von Victor Rudd, obwohl der noch Vertrag hatte. Die Hintergründe.
Der US-Amerikaner Victor Rudd erfüllte die Erwartungen seines Arbeitgebers s.Oliver Würzburg offenbar nicht, weshalb er noch vor dem Trainingslager in Valencia sein Bündel packen musste. Foto: Heiko Becker

Keine Wolke am Himmel. Strahlender Sonnenschein. 24 Grad. Macht man gerade - aus dem verregnet-trüben Unterfranken anreisend - einen kurzen Abstecher nach Valencia, wie es die Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg am Montag gemacht haben, dann kann man schnell gehörig ins Schwitzen kommen. Noch vor den bestimmt schweißtreibenden Einheiten, die die Baskets in der spanischen Hafenstadt an der Mittelmeerküste bis Samstag vor sich haben. Zum Kurz-Trainingslager haben Cheftrainer Denis Wucherer und sein Assistent Steven Key ihre Mannen eingeladen - sicher nicht nur, um nach der vor allem in der Höhe doch überraschenden und ziemlich herben 66:85-Klatsche gegen Bayreuth ein bisschen Abwechslung in den Alltagstrott in der Spielpause bis zum 1. März zu bringen.

Drei Niederlagen am Stück setzte es zuletzt für die Unterfranken (vor der Heimschlappe gegen die Oberfranken hatten die Baskets auch in Braunschweig und in München verloren), und bestimmt haben nicht nur die Trainer bemerkt, dass etwas aus dem Lot geraten ist in der Mannschaft. Und in ihrem Spiel. Wucherer will jetzt in Valencia die Chance nutzen, "uns neu zu orientieren". Vermutlich auch deshalb haben die Baskets just an ihrem Reisetag bekannt gegeben, dass sie fortan auf die Dienste von Victor Rudd verzichten werden - obwohl der Amerikaner noch bis Ende Mätz Vertrag hatte. Der wurde aufgelöst, im offiziellen Sprachgebrauch "in beiderseitigem Einvernehmen". In diesem Sport ein klassischer Rauswurf, also.

„Victor hat uns gerade in der Defensive geholfen, Spiele zu gewinnen. Vor allem in den letzten Wochen hat sich aber gezeigt, dass wir in der aktuellen Konstellation so nicht erfolgreich sind. Für uns ist wichtig, dass wir immer als Einheit auftreten, zusammenhalten und alles geben“, sagt Wucherer zur überraschend schnellen Trennung von dem 28-jährigen Flügelspieler aus Los Angeles. Und wer zwischen den Zeilen lesen mag, kann da natürlich auch sehen, dass Rudd letztlich doch nicht ganz so toll ins Gefüge gepasst hat. Im Baskets-Leibchen stand Rudd, der erst einmal arge konditionelle Rückstände aufzuholen hatte, in 16 Partien jeweils durchschnittlich knapp 24 Minuten auf dem Parkett und kam dabei auf sieben Punkte, 3,9 Rebounds und 2,4 Korbvorlagen. Da hatten sich die Baskets vermutlich mehr erhofft. Und mehr erwartet.

Brekkott Chapman (links) im Pokal-Achtelfinale bei Alba Berlin im Zweikampf mit Luke Sikma. Foto: Heiko Becker

Verpflichtet worden war der 2,06-Meter große 111-Kilo-Mann, der für Tel Aviv und ZSKA Moskau auch schon Euroleague gespielt hatte, Mitte Oktober, nachdem sich Neuzugang Brekkott Chapman Anfang der Saison den Meniskus eingerissen hatte und klar geworden war, dass er monatelang wird pausieren müssen. Seine Heilung erfolgte nun aber offenbar schneller und besser, als die Baskets anfangs befürchtet hatten. Wucherer ist guter Dinge, dass Chapman in Valencia wieder richtig ins Teamtraining einsteigen kann. Der Trainer hält große Stücke auf den 23-jährigen Rookie, der nach Jahren an zwei US-Universitäten in Würzburg seine erste Station als Profibasketballer angetreten hat. "Ein gesunder Brekkott Chapman würde unserem Laden sehr helfen", sagte Wucherer nach der Bayreuth-Pleite.

Heute bekommen auch seine Worte einen tieferen Sinn, die er damals noch anfügte und erst einmal ein wenig kryptisch klangen: Chapman sei einer, der nicht nur auf dem Parkett, sondern auch von seiner Art her in der Kabine und außerhalb "der Mannschaft positive Energie geben kann. Er ist wirklich keiner, der Energie herauszieht". Könnte durchaus sein, dass Victor Rudd vergangenen Mittwochabend in dem Moment unten in den Katakomben der s.Oliver Arena die Ohren klingelten. Und klingt ganz danach, dass die Baskets auf eine weitere Nachverpflichtung verzichten.

Joshua Obiesie (hier im Zweikampf mit dem Braunschweiger Trevor Releford) ist bei der Nationalmannschaft und nicht mit den Baskets in Spanien. Foto: HMB Media/ Julien Becker

Nicht in die spanische Sonne blinzeln kann Joshua Obiesie. Der 19-Jährige hofft auf sein erstes Länderspiel und bereitet sich mit der Nationalmannschaft von Henrik Rödl vor auf die ersten beiden Qualifikationsspiele für die EM 2021: am Freitag in Vechta gegen Frankreich und nächsten Montag in Newcastle gegen Großbritannien. Die Deutschen sind als Co-Gastgeber des Turniers zwar bereits qualifiziert, aber da die NBA-Stars um den Würzburger Maximilian Kleber sowie die bei Euroleague-Teams arbeitenden Nationalspieler keine Freigabe bekommen, scheint Bundestrainer Rödl die Partien für mögliche Zukunftsperspektiven und ein paar Experimente nutzen zu wollen.

Auf Experimente verzichtet Wucherer nun wohl erst einmal. Seine Losung für die Tage in Valencia verheißt offenbar sehr viel Schweißvergießen - unabhängig vom Wetter: "Wir wollen mit den Jungs, die bis Saisonende Vertrag haben, hart arbeiten, damit wir Anfang März endlich in der Rückrunde ankommen, wieder Bundesliganiveau erreichen und weiter um die Play-offs mitspielen.“

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