Basketball: Bundesliga

Baskets-Spielmacher Skyler Bowlin als Prophet

Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg will nach zweieinhalbwöchiger Spielpause am Sonntag in Bonn wieder in den Rhythmus kommen - und seine Krise beenden.
Skyler Bowlin nach dem 100:93-Hinspielsieg gegen Bonn als 'Humba'-Einstimmer
Skyler Bowlin nach dem 100:93-Hinspielsieg gegen Bonn als "Humba"-Einstimmer Foto: Heiko Becker

Eigentlich wollte er einen kleinen Scherz machen und seinen ehemaligen Mannschaftkollegen nur ein bisschen necken: "I hope @agolaseni gets dunked on by #twitterlessJoshua @soliver_wue." twitterte Skyler Bowlin also um zwei Minuten nach 9 am Montagabend. 120 Sekunden zuvor hatte das Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft zwischen Großbritannien und Deutschland in Newcastle begonnen, und der Aufbauspieler von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg wünschte sich also, dass sein jetziger Teamkollege Joshua Obiesie in seinem allerersten Länderspiel den letztsaisonalen Kameraden Gabriel Olaseni mit einem Dunking ordentlich nassmachen möge. Ein paar Minuten nach Bowlins Tweet sollte genau das geschehen: Der 19-jährige Baskets-Youngster schloss einen Fastbreak mit einem einhändigen Dunk ab, übersprang dabei Olaseni und wurde von dem britischen Center auch noch gefoult, sodass Obiesie zu seinen ersten drei Punkten bei seinem Debüt im Nationalmannschaftstrikot der Männer kam.

Joshua Obiesie (und links von ihm Gabriel Olaseni) beim von Bowlin gewünschten Dunk.
Joshua Obiesie (und links von ihm Gabriel Olaseni) beim von Bowlin gewünschten Dunk. Foto: Matthias Stickel, imago

Spricht man Bowlin drei Tage später im Trainingszentrum der Baskets auf seine hellseherischen Fähigkeiten an, dann lacht der 30-jährige Amerikaner aus Arkansas aus vollem Herzen und berichtet, dass Olaseni auf Twitter sich dann auch beteiligt habe an der kleinen, spaßigen Diskussion, die er in dem Kurznachrichtendienst angezettelt hatte. Nur der twitterlose Obiesie nahm daran nicht teil - er bewegt sich im Internet auf Instagram, wo er ein Video seines Dunks postete. Wenn einer schon so viel Talent als Prophet beweist, was sieht der dann, wenn er in Richtung Sonntag blickt? "Das wird ein ganz hartes Spiel", prognostiziert Bowlin für den Auftritt der Baskets in Bonn (Sonntag, 15 Uhr), wo der in 19 Partien gerade vier Mal siegreiche Fünfzehnte, der jahrelang seine Teilnahme an den Play-offs abonniert hatte, den bislang in zehn Begegnungen siegreichen Achten aus Würzburg empfängt.

Im Achtelfinale der Champions League

Auch wenn Bowlin, der nach dem 100:93-Hinspielsieg gegen Bonn Ende des vergangenen Jahres zum mit einem Fässchen Bier belohnten "wertvollsten Spieler" der Begegnung gekürt worden war, sagt, die Tabelle zeige, was sie zeige und dass die Platzierungen schon ihre Gründe haben werden. So weiß er freilich auch, dass das eigentliche Leistungsvermögen der ehemaligen Hauptstädter sich nicht zwingend im Tableau widerspiegelt. Anfang Februar haben die Bonner ihrem Cheftrainer Thomas Päch den Stuhl vor die Tür und William Voigt als Nachfolger eingestellt. Dessen Einstand gegen Ludwigsburg ging zwar in die Hose (77:83), aber dann folgte ein 112:96-Erfolg gegen Gießen. Und in der Champions League spielen die nordrhein-westfälischen Baskets ja auch im Achtelfinale, wo am Mittwoch die Reise zu AEK Athen ansteht.

"Um dort zu gewinnen, müssen wir viel richtig machen."
Baskets-Trainer Denis Wucherer vor der Partie in Bonn

Einen "tief besetzten Kader" attestiert Würzburgs Trainer Denis Wucherer dem sonntäglichen Gastgeber. "Um dort zu gewinnen, müssen wir viel richtig machen." Jedenfalls mehr als in den vergangenen drei Begegnungen, als es in München und Braunschweig sowie zu Hause gegen Bayreuth drei Niederlagen am Stück setzte. Zu lange sei die Wartezeit nun gewesen, meint Wucherer, bedingt durch "den Abenteuerspielplatz Spielplan", der der Bundesliga wegen der Pokal-Halbfinals und des Länderspielfensters am vergangenen Wochenende eine zweieinhalbwöchige Pause beschert hatte. Zwar sagt der 46-jährige Wucherer, es "gibt keine Pflichtsiege in der Bundesliga" und meint damit die enorme Leistungsdichte in der Klasse - aber natürlich ist ein Erfolg bei einem Kellerkind sehr angeraten für eine Mannschaft, die vorhat, in die Play-offs zu kommen.

Eine positive Grundstimmung

Es gehe darum, nun wieder den Rhythmus zu finden, weshalb die Baskets unter der Woche auch noch einmal gegen den Zweitligisten aus Nürnberg getestet haben, um wieder in (Spiel-)Schwung zu kommen. Der ist natürlich anders als im Training, da ändert auch das kurzzeitige Trainingslager in Valencia nicht wirklich etwas dran. Wenngleich Wucherer eine "positive Grundstimmung" ausgemacht hat in und seit den Tagen unter Spaniens Sonne. "Ich glaube schon, dass wir wieder eine Stimmung haben, die es uns erlaubt, auch wieder Spiele zu gewinnen", sagt der Trainer, der in dieser Woche in seinen Einheiten auf Felix Hoffmann und Johannes Richter sowie Junior Etou verzichten musste, die alle mit einer Erkältung zu kämpfen haben. "Die Welle hat uns ganz schön erwischt, aber wir haben ja noch ein paar Tage, um sie bis Sonntag wieder gesund zu kriegen", sagte Wucherer am Donnerstag. 

Skyler Bowlin in der Partie in Braunschweig (im Zweikampf mit Joseph Lawson III).
Skyler Bowlin in der Partie in Braunschweig (im Zweikampf mit Joseph Lawson III). Foto: Heiko Becker

"Am Sonntag werden wir sehen, was uns das Trainingslager gebracht hat", sagt auch Bowlin, der versichert, wie "wichtig und gut" es war, der Alltagsroutine in Würzburg mal zu entfliehen. "Wir haben uns ganz auf uns fokussiert und wirklich gut gerabeitet", sagt der Spielmacher: Das war, vielleicht auch nach dem Rauswirf von Victor Rudd direkt vor dem Ausflug auf die iberische Halbinsel, "für uns als Mannschaft auch sehr wichtig".

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