BASKETBALL: BUNDESLIGA MÄNNER

Baskets: Willkommen im Abstiegskampf

Basketball - easyCredit BBL - RASTA Vechta - s.Oliver Wuerzburg
Kaum ein Durchkommen: Der Würzburger Cameron Wells gegen Vechtas Michael Kessens (links) und Robin Christin. Foto: Heiko Becker

Denis Wucherer ist ein ziemlich eloquenter Mensch. Seine Analysen und Einschätzungen haben oft einen Schuss Witz, manchmal eine feine Ironie, und wenn man auch schon einmal außerhalb einer Turnhalle oder eines offiziellen Medientermins mit ihm ein wenig geplaudert hat, darf man durchaus ungestraft behaupten: Er trägt sein Herz dann zwar auch nicht unbedingt auf der Zunge spazieren – aber für einen Trainer einer Profi-Basketball-Mannschaft hält er mit seiner Meinung auch nicht sonderlich hinterm Berg – jedenfalls im Vergleich zu manchem seiner Kollegen. Wenn die Stimmung gerade passt, lässt er einen auch mal ins Nähkästchen stibitzen, und um den einen oder anderen Spruch ist Wucherer eigentlich auch nie verlegen. Am Samstagabend sagte er: „Was im dritten Viertel passiert ist, macht mich sprachlos.“ Seine Enttäuschung und auch seine Erschütterung waren fast greifbar.

Frühe Entscheidung

Was im dritten Abschnitt der Partie im sehr stimmungsvollen Rasta Dome in Vechta passiert ist, umschreibt Wucherer so, ohne den Satz zu vollenden: „Dass der ersten Fünf da so das Herz in die Hose gerutscht ist . . .“ Gerade einmal gut vier Minuten benötigte das Überraschungsteam der Basketball-Bundesliga, um mit einem 12:1-Lauf seine Sechs-Punkte-Halbzeit-Führung (35:29) auf 17 Zähler Vorsprung auszubauen – und die Partie dadurch frühzeitig praktisch zu entscheiden. Dass es am Ende dann lediglich zehn Punkte Differenz waren (75:65) darf den Baskets sogar noch schmeicheln – das ist das wirklich Erschreckende an dem Ausflug ins Oldenburger Münsterland zum 13. Saisonspiel: Bis auf die Schlappen gegen die Branchengrößen Berlin und München hatten die Baskets bei den restlichen sieben Niederlagen stets eine realistische Siegchance – am Samstag aber demontierte der Aufsteiger aus Niedersachsen den selbst ernannten Play-off-Kandidaten aus Unterfranken zwischenzeitlich.

Wie in München und doch anders

Gerade weil die Baskets vor allem im ersten Viertel ziemlich souverän und clever agierten und Wucherer mit der Intensität, der Verteidigung und dem Auftritt im Allgemeinen in der ganzen ersten Hälfte weitestgehend zufrieden war – „das war alles okay“ –, erstaunt der Kollaps nach der Pause umso mehr. Zumal es ja nicht das erste Mal war: Vor eineinhalb Wochen in München verloren die Baskets die Partie ebenfalls kurz nach der Halbzeit. Aber bei aller Déja-vu-igkeit auf den ersten Blick – Wucherer erkannte einen fundamentalen Unterschied: „Es scheint vergleichbar, ja. Aber während uns in München vor allem die Cleverness gefehlt hat, lag es heute an der fehlenden Härte und dem fehlenden Herz.“ Das sind eigentlich Grundtugenden eines Profisportlers – weshalb Wucherer es nun als Hauptaufgabe ansieht, seine Mannschaft „wieder einzunorden“ vor den elementar wichtigen Partien bei den Mit-Kellerkindern Weißenfels und Crailsheim, das soeben mit einem überraschend hohen Sieg in Frankfurt (dem zweiten Saisonsieg) aufhorchen ließ.

  • Einen Kommentar zur Situation bei den Baskets finden Sie hier

Willkommen nun also endgültig im Kampf um den Klassenerhalt. „Nach diesem Spiel und vor allem nach dem Auftreten in der zweiten Halbzeit ist die Richtung klar“, sagt Wucherer und stellt so nüchtern wie realistisch fest: „Ab jetzt ist jeder Sieg einer gegen den Abstieg.“

Es fehlt der Zug zum Korb

Ob diese Einstellung auch bei den Spielern ankommt, wird mitentscheidend sein dafür, wie die Saison nun weitergeht für die Baskets. Bisher war es ja so, dass die Mannschaft gefällig spielte und auch Spaß machte – wenn sie traf und aus der Ferne die Körbe fielen. Fast jedes Mal aber, wenn es darum ging, auch mal Parkett zu fressen und schön spielen und noch ein hübscher Pass nicht weiterhalfen, sondern Leidenschaft, Kampf und Biss zählten, zogen sie den Kürzeren.

Die Chancen, ein Spiel zu gewinnen, erhöhen sich freilich auch, wenn nicht nur die Center Freiwürfe bekommen. Das wurmte Wucherer mit am meisten, dass „von den Positionen eins bis vier kein Einziger auch nur einmal an die Freiwurflinie gekommen ist. Das spricht Bände.“ Was er meint: Es fehlt der Zug zum Korb, das Attackieren, der unbedingte Wille, die Punkte zu machen, auch gegen eine enorm giftige und stabile Verteidigung wie die von Vechta.

Die nächsten beiden Spiele

„Ich denke, dass wir eine gute erste Halbzeit hatten, dann aber ähnlich wie in München ein schlechtes drittes Viertel gespielt haben. Wir müssen einfach besser aus der Halbzeit kommen und im Angriff aggressiver spielen“, meinte Cameron Wells, mit neun Punkten und sieben Vorlagen einer der wenigen Würzburger, der halbwegs in die Nähe seines durchschnittlichen Leistungsvermögens kam. Den Abstiegskampf aber hat er offenbar noch nicht verinnerlicht: „Die Hinrunde ist noch nicht vorbei, deshalb ist es jetzt noch zu früh zu sagen, wo unser Weg hinführen wird. Wir müssen jetzt erst einmal die nächsten beiden Spiele gewinnen.“

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