Basketball: Bundesliga

Baskets haben Chance zur Wiedergutmachung

Am Doppelspieltag zum Jahresende kann s.Oliver Würzburg seine Play-off-Ambitionen am Freitag in Vechta und am Sonntag gegen Bonn untermauern.
Energie, Leidenschaft, Kampf: Felix Hoffmann ist nicht umsonst ein Publikumsliebling der Baskets. Foto: Heiko Becker

Basketball-Bundesliga:

Rasta Vechta - s.Oliver Würzburg

(Freitag, 27.12., 19 Uhr, Rasta Dome)

s.Oliver Würzburg - Telekom Baskets Bonn

(Sonntag, 29.12., 18 Uhr, s.Oliver Arena)

Die Weihnachtsgans sollte inzwischen verdaut sein, die Plätzchen und der Christstollen auch. Dass Profisportler, die direkt nach den Feiertagen wieder Dienst schieben müssen, sich übermäßiger Völlerei hingeben, darf eh bezweifelt werden. Die Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg machten sich am Mittag des zweiten Feiertags auf die etwa 450 Kilometer lange Reise nach Vechta, wo sie am Freitagabend als tabellarischer Favorit (weil vor der 13. Partie dieser Saison bei einem Spiel mehr mit sieben Siegen auch mit einem Erfolg mehr ausstaffiert als die Gastgeber) zu bestehen haben.

Wird interessant sein zu sehen, ob die Würzburger ihre Lehren gezogen haben aus der Partie vor einer Woche, als sie in einer Begegnung, die trefflich dafür geeignet gewesen wäre, Menschen mit zu niedrigem Blutdruck ein wenig auf die Sprünge zu helfen, die Merlins Crailsheim mit 92:88 nach Verlängerung in die Knie zwangen. Nach einem desolaten Beginn und 20-Punkte-Rückstand nach gut fünf Minuten. "So wie Crailsheim im ersten Viertel gespielt hat, würden wir auch gerne spielen", hatte Baskets-Trainer Denis Wucherer vergangenen Freitag gemeint. "Aber entweder bin ich als Coach nicht gut genug, oder meine Spieler sind dafür nicht clever genug. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem", hatte er geflunkert.

Klar ist: In den nächsten Partien vor der nächsten langen, diesmal dreiwöchigen Pause im Januar, also jetzt in Vechta, und dann in den Heimspielen gegen Bonn 45 Stunden nach dem Ertönen der Schlusssirene im Rasta Dome (Sonntag, 29.12., 18 Uhr) und gegen Braunschweig (Freitag, 3.1.2020, 20.30 Uhr) müssen die Baskets "viel besser ins Spiel finden" als gegen die Crailsheimer, "wollen wir eine reelle Chance haben", meinte Wucherer, der weiß, dass sein Team am Doppelspieltag zum Jahresende die große Chance hat, seine Play-off-Ambitionen zu untermauern.

Wucherer hatte schon nach dem Verlängerungskrimi angekündigt, seine Anfangsformation vermutlich verändern zu wollen, weil er mit der Vorstellung seiner ersten Fünf  so gar nicht zufrieden gewesen war. "Das, was Crailsheim in der Offensive kann, zeigt Vechta in der Verteidigung", sagt Wucherer, der glaubt, die Niedersachsen "können dir das Leben extrem schwer machen und werden nach ihrer kleinen Pause sicher mit sehr viel Energie und extremer Physis spielen. Da gilt es für uns, im Angriff kühlen Kopf zu bewahren und den Ball besser zu bewegen".

"Ich mache gerne die Drecksarbeit und die kleinen Dinge, die nicht unbedingt immer auf den Statistikbögen auftauchen."
Felix Hoffmann, Eigengewächs der Baskets

Gute Chancen, diesmal zum Sprungball aufs Parkett zu dürfen, scheint Felix Hoffmann zu haben, der mit seinem leidenschaftlichen Einsatz und großen Kampfeswillen entscheidenden Anteil daran hatte, dass die Baskets gegen die Hohenlohener ihre Aufholjagd zu einem für sie glücklichen Ende gebracht hatten. Auch in der vergangenen Saison hatte Wucherer Hoffmann stets dann in die Anfangsformation gestellt, wenn er von Anfang an klarstellen wollte, dass ein Erfolg nicht mit kultivierter Schönspielerei zu erwarten ist, sondern vor allem über Energie, Verteidigung und Einsatz. „Ich mache gerne die Drecksarbeit und die kleinen Dinge, die nicht unbedingt immer auf den Statistikbögen auftauchen. Wenn das am Ende zum Erfolg der Mannschaft beiträgt, freue ich mich umso mehr", hatte Hoffmann nach der Partie gegen Crailsheim gesagt. Auf dem Bogen standen bei gut 18 Minuten Spielzeit dann neun Punkte und neun Rebounds, kein Würzburger hatte sich mehr Abpraller geschnappt. "Felix holt auch Rebounds, da kommst du bei seiner Größe aus dem Staunen nicht mehr raus", lobte Wucherer das Würzburger Eigengewächs, das nach seiner Hochzeit im Sommer nun Vaterfreuden entgegensieht.

Vechta war das Überraschungsteam der vergangenen Saison und landete als Aufsteiger nach der Hauptrunde sensationell auf Rang vier. Im Play-off-Viertelfinale schmissen die Niedersachsen Brose Bamberg raus und scheiterten im Halbfinale am späteren Meister aus München. Nach großem personellen Aderlass läuft es in dieser Saison nicht mehr ganz so brillant beim selbsternannten „geilsten Klub der Welt“: Mit sechs Siegen in ihren elf Saisonpartien stehen die Niedersachsen auf Play-off-Rang acht, aber auch in der Champions League liegt Rasta mit fünf Siegen und vier Niederlagen vor den letzten fünf Spieltagen auf Play-off-Kurs. Zuletzt überraschte Vechta mit einem 77:72-Heimsieg gegen den Bundesligazweiten Ludwigsburg.

Cameron Wells (Mitte) ist mit durchschnittlich 17,1 Punkten pro Partie inzwischen der drittbeste Schütze der Bundesliga. Foto: Silvia Gralla

Nach ihrem 93:86-Heimsieg gegen Pau-Lacq-Orthez am 17. Dezember hatten die Niedersachsen nun neun Tage Zeit, um sich auf die Begegnung mit dem Tabellenfünften aus Würzburg vorzubereiten. Die Partie wird bestimmt auch zu einem Duell der Spielmacher: Cameron Wells versus Steve Vasturia lautet die spannende Paarung. Sowohl Rastafari Vasturia (durchschnittlich 14,5 Punkte pro Partie) als auch der mit 17,1 Punkten noch treffsichere Wells (inzwischen drittbester Schütze der Liga) sind die Topscorer ihrer Teams - und verteilen zudem jeweils exakt 5,6 Vorlagen im Schnitt. Darüber hinaus sind sowohl Vasturia als auch Wells die einzigen Spieler, die in allen Ligapartien als Starter auf dem Parkett standen. Es wird spannend sein zu beobachten, ob Wells seine überragende Form dieser Saison weiter konservieren kann und welcher der US-Point Guards sich häufiger wird durchsetzen können.

Die Bilanz der Baskets gegen Vechta ist mit 3:3 ausgeglichen, wobei beide Teams mit je zwei Auswärtssiegen in der Fremde stets besser ausgesehen haben. Vielleicht erinnern sich die Baskets ja auch noch an ihren letzten Auftritt im Rasta Dome vor fast einem Jahr, als sie am 5. Januar mit 65:75 verloren - das Ergebnis den Würzburgern, die hoffnungslos unterlegen waren, aber noch sehr schmeichelte. Es war nicht nur Kresimir Loncars letztes Spiel für die Würzburger - es war auch der gefühlte Tiefpunkt der gesamten Vorsaison. Gelegenheit also zur Wiedergutmachung.

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