BASKETBALL: BUNDESLIGA MÄNNER

Baskets kassieren von Alba eine Klatsche

Basketball - easyCredit BBL - s.Oliver Wuerzburg - ALBA BERLIN
Kaum einmal ein Durchkommen: Der Würzburger Jordan Hulls (Mitte) wird bearbeitet von den Berlinern Johannes Thiemann (links) und Stefan Peno. Foto: Heiko Becker

Willkommen im Tabellenkeller. Und so langsam auch im Abstiegskampf. Nach der sechsten Niederlage im achten Saisonspiel sieht sich Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg plötzlich auf Tabellenplatz 16 – gerade mal einen Sieg getrennt von den Abstiegsrängen 17 und 18. Beim 75:94 (39:56) gegen Vizemeister Alba Berlin hatte die Mannschaft von Denis Wucherer „erstmals in dieser BBL-Saison keine Chance“, wie der Baskets-Trainer absolut treffend eingestand. „21 Ballverluste sind mindestens zehn zu viel, und wenn du dann noch 27 Fastbreakpoints, also ganz einfache Punkte nach Ballverlusten kassierst, dann kannst du gegen eine Mannschaft wie Alba Berlin, die jeden Fehler gnadenlos bestraft, nicht gewinnen.“

Höchste Heimniederlage seit Oktober 2016

Wucherer schien ziemlich frustriert nach der höchsten Heimniederlage der Baskets seit dem 7. Oktober 2016 – Basketballer sind ja Zahlen-Fetischisten: es war ein 62:88 gegen Brose Bamberg damals. Der Trainer meinte, dass die Berliner am späten Samstagabend seinen Mannen geistig immer einen Schritt voraus waren, „manchmal auch zwei“, und summierte vor der nun anstehenden zweiwöchigen Pause wegen des Länderspielfensters der Nationalmannschaft: „Das erste Viertel der Saison ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Vier Tage Freizeit

Dem Erfolg im Europe Cup mit dem Einzug in die zweite Gruppenphase zum Trotz – in die Liga waren die Würzburger gestartet mit dem Ziel, die Play-off-Plätze zu erreichen: Von denen sind sie (bei einem Spiel weniger) drei Siege entfernt. Vier Tage hat die Mannschaft nun frei – auch um mal Abstand zu gewinnen von Halle und Ball und vielleicht den Kopf ein wenig freizubekommen. „Einerseits ist es gut, nun ein paar Tage frei zu haben. Andererseits ist es dann auch gut, wenn wir am Freitag wieder beginnen, dass wir viel Zeit haben zu trainieren“, meint Wucherer.

Auch um die mehreren Baustellen zu beheben, die die Baskets derzeit beschäftigen. Eine war bislang Center Gabriel Olaseni, der gegen Berlin seine beste Leistung seit dem Saisonauftakt gegen Bamberg zeigte, 13 Punkte erzielte und laut seinem Trainer „auf einem guten Weg ist raus aus der Krise, in die er sich reinmanövriert hat“. Aber wie meinte Wucherer auch: „Wenn du denkst, du hast eine Baustelle behoben, dann öffnet sich gerne mal eine andere.“ In dem Fall sind es die Führungsspieler der Baskets, die ihre Rolle derzeit nicht erfüllen (können) – auch, weil sie offenbar eher zurückhaltendere, ruhige Typen sind. Den Baskets mangelt es vor allem an einem, der mal Verantwortung auch in brenzligeren Phasen einer Partie übernimmt. Einer, der sozusagen auch mal ins Parkett beißt und die anderen mitreißt. Offenbar haben viele der Baskets-Spieler derzeit einfach auch zu viel mit sich selbst zu tun. Wucherer umschreibt es so: „Vielleicht sind einige von uns einfach noch eine Spur zu brav.“

Entscheidung praktisch im ersten Viertel

Man darf es durchaus auch als bemerkenswertes Zeichen deuten, dass Wucherer zu Beginn der zweiten Hälfte Felix Hoffmann starten ließ. Man tut dem gebürtigen Würzburger ganz bestimmt nicht zu sehr Unrecht, wenn man behauptet, er sei der vielleicht nicht unbedingt begnadetste Basketballer in dieser Liga – aber er hat sein Kämpferherz stets auf dem rechten Fleck. Und er zeigt es auch immer. Gegen Berlin sollte aber auch das nicht helfen.

In der – laut Vereinsangaben – ausverkauften s.Oliver Arena (einige Dauerkarten-Inhaber scheinen verhindert gewesen zu sein oder haben ihren Anspruch auf den Besuch der Partie nicht wahrgenommen) schenkte Wucherer zu Beginn denselben fünf Spielern das Vertrauen wie in den jüngsten drei Partien auch: Cameron Wells, Brad Lösing, Perry Ellis, Xavier Cooks und Johannes Richter sollten es also richten. Und kamen so gar nicht in Tritt. Die Berliner ließen sich von der anfangs recht euphorischen Stimmung in der Halle überhaupt nicht beeindrucken und starteten nach der Baskets-Führung durch Wells nach 23,9 Sekunden gleich mal einen 9:0-Lauf, den Wucherer auch mit seiner Auszeit nach gut drei Minuten nicht stoppen konnte. Das Berliner Talent Franz Wagner schickte gleich noch einen Dreier hinterher, weshalb die Baskets nach lediglich dreieinhalb Minuten erstmals zweistellig zurücklagen (2:12). Was freilich kein großes Wunder ist, wenn eine Mannschaft – wie in dieser Phase die Würzburger – vier Minuten lang keinen einzigen Punkt macht. Gar auf 15 Punkte zogen die Hauptstädter dann kurz später davon, und den Unterfranken drohte frühzeitig ein böses Debakel. Mit zehn Unterschied gewannen die Gäste das erste Viertel (30:20), und den Baskets sollte es auch während der restlichen 30 Minuten nicht mehr gelingen, diese Zehn-Punkte-Rückstandsbarriere zu durchbrechen.

Sture und humorlose Berliner

Der zweite Abschnitt war dann anfangs fast ein Abziehbild des Spielbeginns: Alba traf und traf, baute kontinuierlich die Führung aus, und Wucherer nahm nach knapp drei Minuten die Auszeit, als seine Mannen mit 17 Punkten hinten lagen. Sie sollte nicht viel helfen, weil die Berliner stur und humorlos vorne ihr schnelles und direktes Passspiel durchzogen und in der Defensive kräftig und aggressiv zupackten. Und weil die Hausherren dann mal wieder auch ganz einfache Punkte nicht machten, weshalb sie zwischenzeitlich mit 19 hinten waren und mit 17 Rückstand dann in die ersehnte Pause durften. „Wir haben da auch bei drei gegen eins oder bei vier gegen zwei in der Offensive teilweise abenteuerliche Abschlüsse fabriziert und frappierende Dummheiten begangen“, analysierte Wucherer ziemlich schonungslos.

Eine enorm junge Mannschaft

Während der gesamten Begegnung konnte man sehr leicht den Eindruck gewinnen, dass die Berliner, die auf ihre drei besten Aufbauspieler Peyton Siva, Joshiko Saibou und Martin Hermannsson verletzungsbedingt verzichten mussten und deshalb mit einer enorm jungen Mannschaft auftraten, nahezu im Schongang unterwegs waren und jederzeit in der Lage gewesen wären, noch einen oder zwei Gänge zuzulegen – wenn es denn nötig geworden wäre.

Erst, als die Gastgeber mit 21 Punkten zurückgelegen waren, wachten sie mal kurzfristig auf und erinnerten sich daran, wie?s regelmäßige Körbewerfen geht. Den 9:0-Lauf der Baskets stoppte Berlins spanische Trainer-Legende Aito Garcia Reneses dann aber mit einer Auszeit und anschließend Rokas Giedraitis mit einem Dreier zum 63:48. Auf näher als zwölf Punkte ließ Alba die zwar kämpfenden, aber deutlich unterlegenen Würzburger nicht mehr herankommen – im Gegenteil: Als Tim Schneider knapp drei Minuten vor Viertelende seinen ersten Dreier versenkte, führten die Gäste so hoch wie noch nicht in dieser Partie, mit 22 Zählern Differenz: 76:54. Bei 19 Unterschied ertönte dann die Schlusssirene, und den Hauptstädtern gelang das Kunststück, punktgenau ihren Saisonschnitt von 94 Zählern auch in Würzburg zu bestätigen.

Nun stehen Kelelrduelle an

Für die Baskets geht?s am Sonntag, 9. Dezember, beim oberen Tabellennachbarn Bremerhaven (der bei einer Partie mehr einen Sieg mehr hat) weiter, anschließend (Sonntag, 16.12.) kommt Jena, wie die Nordlichter auch schon dreimal siegreich diese Runde, an den Main. Gemeinhin nennt man so etwas Kellerduelle. „Es kommen Aufgaben, die müssen uns liegen und die müssen wir lösen“, sagt Wucherer: „Sonst haben wir ein Problem.“

s.Oliver Würzburg – Alba Berlin 75:94 (20:30, 19:26, 23:22, 13:16)

Würzburg: Olaseni 13, Hulls 14, Buck, Richter 8, Cooks 11, Loncar 3, Koch 4, Wells 9, Ellis 11, Hoffmann, Lösing 2.

Top-Scorer Berlin: Giffey 25, Wagner 13, Sikma 11, Thiemann 10, Giedraitis 10.

Rebounds: 35 – 36

Treffer aus dem Feld: 27/64 (42 %) – 35/66 (53 %)

Dreierquote: 9/22 (41 %) – 10/20 (50 %)

Freiwürfe: 12/13 (92 %) – 14/19 (74 %)

Rückblick

  1. Auch Würzburgs Basketballer trauern um Kobe Bryant
  2. Die Baskets behalten die Nerven
  3. s.Oliver Würzburg gewinnt in Hamburg
  4. Nowitzki, Preise und die Problemfälle
  5. Gelingt den Baskets der nächste Schritt?
  6. Die Baskets durchbrechen ihre Serie
  7. Das Kraftpaket der Baskets
  8. Starting5: Fünf Fakten zu den Basketball-Löwen Braunschweig
  9. Die Baskets unterstreichen ihre Ambitionen
  10. Würzburger Baskets empfangen Kellerkind Bonn: Fünf Fakten zu den Gästen
  11. Würzburger Baskets machen's mal wieder spannend
  12. Baskets haben Chance zur Wiedergutmachung
  13. Baskets-Kapitän Wells und der Grat zwischen Held und Depp
  14. Würzburger Baskets siegen in einem Krimi
  15. s.Oliver Würzburg siegt gegen Crailsheim: Viel Applaus für Maurice Stuckey
  16. Starting5: Fünf Fakten zu den Merlins Crailsheim
  17. Die Baskets wollen den Zauberern den Spaß nehmen
  18. Was die "kleinen Baskets" vorhaben
  19. Die Baskets bekommen keinen Zugriff
  20. Eine Rückkehr für vier Baskets-Akteure
  21. So besiegten die Baskets ihr lange währendes Bamberg-Trauma
  22. Würzburg gewinnt in Bamberg: Die Baskets schreiben Geschichte
  23. Die Baskets feiern Wiedersehen
  24. Die Baskets verlieren eine dramatische Partie
  25. Die Baskets verlieren ein dramatisches Spiel
  26. Starting5: Fünf Fakten zu den MHP Riesen Ludwigsburg
  27. Basketscoach Wucherer: Der Assistent, sein Freund und Helfer
  28. Wie Cameron Wells die Baskets zum Sieg führte
  29. Die gelungene Premiere des Junior Etou
  30. s.Oliver Würzburg: Einer von Wucherers Lieblingen
  31. s.Oliver Würzburg: Die Starting5 zu den Gästen aus Frankfurt
  32. Baskets siegen am Ende souverän
  33. s.Oliver Würzburg: Ein Duell der Spielmacher
  34. Denis Wucherer als Partycrasher
  35. Baskets: Nils Haßfurther wartet noch auf Punkte
  36. Starting5: Fünf Fakten zum Syntainics MBC
  37. Die Baskets bieten den Bayern lange Paroli
  38. Starting5: Fünf Fakten zum FC Bayern München
  39. Nächster Neuzugang im Baskets-Lazarett
  40. Eine Tracht Prügel für die Baskets
  41. Starting5: Fünf Fakten zu Alba Berlin
  42. Warum der Pokalauftritt ein Mutmacher für die Baskets ist
  43. Zwei Jubilare und ein souveräner Baskets-Sieg
  44. Mit einem Neuzugang ins Frankenderby?
  45. Die neue DNA im Baskets-Spiel
  46. Sieg gegen Göttingen: Gelungene Heimpremiere für s.Oliver Würzburg
  47. Basketball: Warum Würzburg gegen Alba Berlin im Pokal unterlag
  48. Was die Baskets lernen wollen
  49. Baskets unterliegen in der Crunchtime
  50. Die Baskets starten in die Saison

Schlagworte

  • Sanderau
  • Thomas Brandstetter
  • ALBA Berlin
  • Basketballspieler
  • Denis Wucherer
  • Polarlichter
  • s.Oliver Würzburg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!