HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

Benedikt Brielmeiers Arbeitgeber transportiert Corona-Tests

Ein spannender Job in der Krise und Handballpause: Der Spieler der Rimparer Wölfe ist bei va-Q-tec angestellt, das auch einen Impfstoff um die Welt schicken könnte.
Beten für eine schnelle Wiederaufnahme des Zweitliga-Spielbetriebs nützt derzeit nichts: Weder im Handball beim Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe noch in seinem Job beim Würzburger Unterneme va-Q-tec kommt Benedikt Brielmeier derzeit an der Corona-Pandemie vorbei. Foto: foto2press/Frank Scheuring

Benedikt Brielmeier hat einen Beruf und eine Berufung. Bei beiden kommt er momentan an der Corona-Pandemie nicht vorbei. Auf seine Berufung, das Handballspielen für den Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe, muss er derzeit komplett verzichten. Erst hat das Virus den Ligabetrieb gestoppt, kurz darauf auch den Trainingsalltag. "Dafür kann ich mich jetzt noch mehr auf meinen Job konzentrieren", sagt Brielmeier. Und dort hat er im weitesten Sinne auch mit Corona zu tun – und zwar nicht nur, weil er nun regelmäßig von zu Hause aus arbeitet.

Brielmeier ist seit Mitte 2019 beim Vakuumisolationsspezialisten va-Q-tec beschäftigt. Der bedeutendste Zweig des Würzburger Unternehmens sind weltweite Transporte von temperatursensiblen Medikamenten. "Unsere Boxen können verschiedenste Temperaturen ohne Stromzufuhr über Tage hinweg konstant halten. Die Ausfallquote liegt bei nahezu null", berichtet der gebürtige Ravensburger. "Diese Transportwege müssen auch in der Krise aufrechterhalten werden. Daran arbeiten wir jeden Tag."

Usatzstärkste Medikamente verlangen konstante Kühlung

Viele der umsatzstärksten Medikamente verlangen eine konstante Kühlung, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren. Wenn tatsächlich ein Impfstoff oder ein Medikament gegen Covid-19 entwickelt werden sollte, ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese auch bei niedrigen Temperaturen um die Welt gehen. "In Asien sind wir bereits beim Transport der Corona-Tests involviert", erzählt Brielmeier, der bei va-Q-tec im Marketing arbeitet und daher einen guten Überblick hat. Er bedient vor allem die digitalen Kanäle des Unternehmens. "Daneben bin ich noch im Vertriebsteam unserer neuen QOOL-Box." Diese sei das erste Produkt im Haus, das sich direkt an den Endverbraucher richtet. Anders als Kühltaschen kommen diese Boxen ohne Eis aus, gekühlt wird auch hier mit Hilfe von Hightech-Materialien.

Die spannenden Facetten seines Berufs helfen dem Handballer ein wenig über die stade Zeit bei seiner Berufung hinweg. Denn im Sport ist derzeit nur so viel klar, dass gar nichts klar ist. Die Wölfe haben Kurzarbeit angemeldet. "Das Schlimmste ist momentan die Ungewissheit", sagt Brielmeier, dessen Vertragsverlängerung noch aussteht: "Mit den Einschränkungen komme ich hingegen gut zurecht." Der Rückraumspieler, der bis zum abrupten Abbruch eine sehr solide Saison gespielt hat, freut sich nun über mehr gemeinsame Abende und die Wochenenden mit seiner Freundin.

Zweisamkeit auf dem Balkon statt Training

Mit ihr teilt sich Brielmeier eine Wohnung in Rimpar. "Wir sitzen zur Zeit gerne in Zweisamkeit auf dem Balkon und trinken Kaffee. Das ist ja noch erlaubt." Eigentlich hatte das Paar für den Juni – im Rundenbetrieb einzigen sportfreien Monat im gesamten Jahr – einen dreiwöchigen Trip nach Kanada geplant. "Daraus wird vermutlich nichts, weil wir wohl entweder nicht aus Deutschland aus- oder nach Kanada einreisen können."

Auch daran, dass die Zweitliga-Saison regulär zu Ende gespielt werden kann, glaubt Brielmeier nicht mehr. Wenn, dann stünde er natürlich bereit. "Das Handballspielen verlernt man ja nicht. Und athletisch sind wir richtig gut drauf."

30. Geburtstag in Zeiten von Corona

Nachdem auch die Fitnessstudios zugemacht haben, hält er sich mit Laufeinheiten im Freien und Workout-Übungen daheim fit. "Da gibt es ganz nette Videos im Netz, mit denen man sich inspirieren lassen kann. Die klassischen Techniken sind natürlich in Fleisch und Blut", sagt Brielmeier, der am 14. März 30 Jahre alt geworden ist. "Wir haben noch gefeiert, aber nur verhalten und im kleinen Kreis."

Am meisten vermisst er in diesen Tagen seine Familie, die er wegen Corona nicht mehr besuchen kommen darf. In Ravensburg lebt auch sein jüngerer Bruder, der für den dortigen Landesligisten spielt. "Zuletzt war er allerdings auf einer Weltreise – und ist gerade noch rechtzeitig vor dem Ausbruch des Virus zurückgekommen", erzählt Brielmeier, der in seinem Beruf gedanklich regelmäßig um die Welt fährt. Womöglich irgendwann auch mit einem Impfstoff oder Medikament gegen SARS-CoV-2.

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