Würzburg

Coronakrise: Wie der bayerische Amateurfußball überleben soll

Seinen finanziellen Schaden durch das Coronavirus schätzt der Bayerische Fußballverband  auf mehrere Millionen Euro. Ehrenamtliche wurden per Onlinekonferenz informiert.  
Ein Screenshot vom Webinar des Bayerischen Fußballverbandes am Sonntagabend, an dem rund 600 Ehrenamtliche aus dem Freistaat teilnahmen. Foto: Norbert Hohler

Beim Bayerischen Fußballverband (BFV) gehen dieser Tage viele Hilferufe aus seinen rund 4600 Vereinen ein, Tenor: Bitte helft uns mit Geld, und das möglichst schnell. Bei einer Online-Veranstaltung des größten der 21 DFB-Landesverbände, an dem am Sonntagabend über 600 der rund 800 ehrenamtlichen Mitarbeiter teilnahmen, wurden diese Bitten zurückgewiesen - und zwar aus zwei triftigen Gründen: Zum Einen trifft den Verband selbst die Pandemie mit voller Wucht, zum anderen wäre satzungsgemäß eine direkte Zuwendung ohnehin unzulässig, auch vom DFB übrigens.

Nach einer ersten Hochrechnung entsteht dem BFV ein finanzieller Schaden von mehreren Millionen Euro. „Der BFV steht finanziell vor einer Situation, die es in diesem Ausmaß bislang wohl so noch nicht gegeben hat. Wir können heute noch nicht abschätzen, wohin die Reise geht“, erklärte Schatzmeister Jürgen Faltenbacher. Der Verband verfüge aber „über die Möglichkeit durch ausreichende Liquidität diese Krise zu meistern.“ Dass der BFV die Vereine nicht retten kann, selbst wenn es zulässig wäre, rechnet Faltenbacher den Online-Zuhörern plakativ vor: "Würde der BFV jeden der rund 4600 Vereine auch nur mit 1000 Euro unterstützen, wären das 4,6 Millionen Euro. Und dann wären wir nicht mehr handlungsfähig und den Vereinen mit 1000 Euro auch nicht wirklich geholfen".

BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher rechnet mit einem Schaden von mehreren Millionen Euro allein für den Bayerischen Fußballverband (Archivfoto von 2019).  Foto: BFV

Aber Hilfsangebote werde es geben, vom Bayerischen Fußballverband alleine gelassen würden weder die Vereine noch die Menschen, die dort beschäftigt sind, betonte BFV-Präsident Rainer Koch: „Die Existenz unserer Vereine steht für uns an oberster Stelle. Dabei geht es bei weitem nicht alleine um den Spielbetrieb, sondern es sind mehrheitlich ganz andere Dinge, die unsere Vereine am wirtschaftlichen Leben halten: Sommerfeste beispielsweise, Gaststätten-Pachten der Vereinswirte, die plötzlich ausfallen oder der Eigenbetrieb des Vereinsheims, dazu weiterlaufende Kosten ohne signifikante Einnahmen“, erklärte Koch bei dem sogenannten Info-Webinar. „Es geht aber auch um die Existenz aller einzelnen Personen in einem Verein und die, die für den Verein da sind. Trainer, Platzwarte, Putzfrauen, Schiedsrichter, um nur ein paar Beispiele zu nennen“, führte er aus.

In den nächsten Tagen und Wochen will der Verband mit Vertretern aller Vereine in persönlichen Kontakt treten. Geschehen soll dies über die Bezirks-Geschäftsstellen - für Unterfrankens also Würzburg - und die Kreisverbände. Unterdessen werde fieberhaft daran gearbeitet, für die Vereine Lösungskonzepte zu erarbeiten. Seit Dienstag ist die Koch angekündigte Webseite auf der BFV-Homepage (www.bfv.de/Corona) bereits online, die fortlaufend aktualisiert wird, etwa mit einem Frage- und Antwort-Katalog zu wichtigen rechtlichen und administrativen Fragen. Unter anderem soll es dabei auch um Kurzarbeitergeld aus Vereinssicht oder Mitgliedsbeiträge gehen.

 

Der BFV selbst hat seine über 80 hauptamtlichen Mitarbeiter laut Geschäftsführer Jürgen Igelsbacher auf Notbetrieb und mobiles Arbeiten umgestellt. Es würden in Absprache mit dem Betriebsrat Überstunden abgebaut, Urlaub genommen, 80 Minusstunden zugelassen. „Und mit dem Thema Kurzarbeit befassen wir uns natürlich auch.“

 Der BFV hat den kompletten Spielbetrieb der laufenden Saison bis auf Weiteres ausgesetzt. Eine Wiederaufnahme der Spiele wird nur mit einer Vorankündigung von mindestens 14 Tagen erfolgen. „Wir brauchen keine Spekulationen oder Was-wäre-wenn-Thesen. Viele Fragen lassen sich heute noch gar nicht beantworten. Denn solch eine Krise hat unser Land noch nicht erlebt, es gibt keine Erfahrungen, wie damit umzugehen ist“, erklärte der BFV-Präsident.  Der Verband arbeitet nach seinen Worten an sämtlichen Szenarien: vom Abbruch der Saison bis zu einer schnellen Fortsetzung oder einem Play-off-Modus. „Aktuell ist der Abbruch in Bayern die allerletzte Option, wenngleich uns bewusst ist, dass diese eintreten kann“, so Koch.  (Mit Material von dpa)

Wie geht es Ihrem Verein?
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