HANDBALL: DHB-POKAL

DHB-Pokal: Rimparer Wölfe scheiden gegen MT Melsungen aus

Der Zweitligist zieht sich beim 24:31 gegen den Erstligisten mit vier Europameistern achtbar aus der Affäre. Ein Nationalspieler trägt dabei angeblich das falsche Trikot.
Kapitän Patrick Schmidt (am Ball) und die Zweitliga-Handballer der DJK Rimpar Wölfe schieden in der ersten Runde des DHB-Pokalwettbewerbs nach einer Niederlage gegen Bundesligist MT Melsungen (von links Michael Allendorf, Finn Lemke, Marion Maric) aus.  Foto: Marco Wolf

DHB-Pokal, 1. Runde
MT Melsungen - DJK Rimpar Wölfe 31:24 (17:10)

Einer trug im Erstrundenturnier des DHB-Pokalwettbewerbs das falsche Trikot. Zumindest, wenn es nach Roland Sauer geht. "Kai Häfner hat eigentlich vor Jahren bei mir einen Vertrag unterschrieben", erzählte der Geschäftsführer der DJK Rimpar Wölfe am Samstagnachmittag in der Sporthalle Nieder-Roden. "Damals spielte er noch in Balingen. Ich hab ihn mit der Unterschrift auf einer Serviette verpflichtet", so Sauer lachend. Leider habe sich der Rückraumrechte nicht mehr daran erinnert, als er ihn nun darauf angesprochen habe.

Die Gedächtnislücke muss der Grund dafür gewesen sein, dass Häfner (zuvor TSV Hannover-Burgdorf) zur neuen Saison stattdessen aus Versehen einen Vertrag bei MT Melsungen unterschrieben hat und dort einer von jetzt vier Europameistern ist. Gegen den Bundesligisten, dessen aktueller Etat mit 5,5 Millionen Euro mehr als das Sechsfache des der Wölfe (900 000 Euro) beträgt, hatte der Zweitligist wie erwartet keine reelle Chance, zog sich aber achtbar aus der Affäre. Außenseiter Rimpar unterlag dem Favoriten im ersten Halbfinale mit 24:31 (10:17) und schied damit aus dem Wettbewerb aus.

Zweite Halbzeit endet unentschieden

"Wir können mit dem Ergebnis und Spiel zufrieden sein", resümierte der neue DJK-Coach Ceven Klatt. "Wir haben das hohe Niveau von Melsungen in der ersten Halbzeit gut angenommen und sind Tempo gegangen. Dass wir die zweite Halbzeit unentschieden gestaltet haben, ist ein schöner Nebeneffekt." 

Die Wölfe starteten in ihren neuen gelben Auswärtstrikots auf zwei Positionen in ungewohnter Besetzung: Im Tor stand Andreas Wieser für den erst aus dem Urlaub zurückgekehrten Max Brustmann, im rechten Rückraum ersetzte Lukas Böhm zunächst den unter der Woche leicht an der Schulter angeschlagenen Steffen Kaufmann, der später nur kurz zum Einsatz kam - und machte seine Sache gut. 

Finn Lemke: "Rimpar hat uns überrascht"

Die "MT Deutschland" von Trainer Heiko Grimm, der in dieser Saison den Abgang der in Würzburg geborenen Zwillinge Philipp (SC DHfK Leipzig) und Michael (Füchse Berlin) Müller kompensieren muss, die das Abwehrspiel der Hessen über mehrere Jahre prägten, begann mit allen vier EM-Titelgewinnern von 2018: Häfner, Rechtsaußen Tobias Reichmann, Julius Kühn nach überstandenem Kreuzbandriss auf Halblinks und Kapitän Finn Lemke im Innenblock. 

"Rimpar hat uns gleich mit dem Anpfiff mit dem siebten Feldspieler überrascht", sagte der Nationalspieler. "Dass sie das die gesamte Spielzeit durchziehen, hatten wir nicht erwartet." Anders hätte der Zweitligist, das zeigte sich in Unterzahlsituationen, gegen die hohe MT-Mauer um 2,10-Meter-Mann Lemke wohl auch alt ausgesehen. "Das Sieben gegen Sechs haben wir lange sehr diszipliniert gespielt", lobte Klatt.

Melsungen bestraft jeden Fehler

Melsungen legte zunächst mit 6:2 (10.) vor, doch in der Folge verkürzte Rimpar auf 6:8 (16). Wenn die Wölfe, die hinten variabel und beweglich verteidigten, vorne den Ball allerdings verloren - etwa, weil mehrere Kreisanspiele nicht ankamen - oder an Keeper Johan Sjöstrand scheiterten, "dann ist jeder Fehler sofort bestraft worden", sagte Kapitän Patrick Schmidt. "Wir haben heute einige hundertprozentige Chancen nicht genutzt." Europameister Julius Kühn räumte später auf der Gegenseite ein: "Wir hatten auch einen sehr starken Torhüter." 

Bis zum 9:11 (21.) war Rimpar in Schlagdistanz, dann nutzte Melsungen unter anderem eine Überzahlsituation und Absprachefehler in der umgestellten 5:1-Deckung, um bis zur Pause mit einem 7:1-Lauf auf 17:10 davonzuziehen. 

Fin Backs zum Zuschauen verdammt 

"Das Ergebnis fällt etwas zu deutlich aus", fand Fin Backs, "Rimpar hält eigentlich gut dagegen." Der Linksaußen, den die Hessen  eine weitere Saison an die Unterfranken ausgeliehen haben, war von seinem Stammverein zum Zuschauen verdammt worden. "Aber Melsungen hat die bessere Abwehr und mehr Torhüterparaden und kommt dadurch zu mehr einfachen Toren über die erste und zweite Welle", so die Halbzeit-Analyse des Juniorennationalspielers.  

Lukas Siegler sieht Rot

Nach Wiederanpfiff hütete Brustmann den DJK-Kasten. MT zog das Tempo noch etwas an und erhöhte zunächst zum 22:12 (38.). Auf seinem Höhepunkt führte der Erstligist mit zwölf Toren (27:15, 47.), doch der Zweitligist verkürzte durch fünf Treffer in Serie bis auf 20:27 (53.). Danach wurde Rimpars Rückraumakteur Lukas Siegler des Feldes verwiesen, nachdem er Stefan Salger bei einer Abwehraktion im Gesicht getroffen hatte (54.). Die Sieben-Tore-Differenz hielten die Wölfe bis zum Schluss.     

"Wir waren körperlich überlegen, das haben wir genutzt, und vielleicht auch etwas gedankenschneller", bilanzierte Lemke. "Daher haben wir verdient gewonnen."

Mimi Kraus verhindert Blamage für Bietigheim

Im zweiten Halbfinale standen sich am Abend Drittligist HSG Rodgau Nieder-Roden und Bundesliga-Absteiger SG BBM Bietigheim gegenüber. Dabei mühten sich die Schwaben zu einem 28:27 (13:14) über die vom früheren Rimparer Jugendkoordinator Jan Redmann trainierten Gastgeber. 2007-Weltmeister Michael "Mimi" Kraus verhinderte mit einem Tor in letzter Sekunde die Blamage. Das Finale am Sonntag gewann Melsungen mit 31:25 (14:14) gegen Bietigheim und zog damit ins Achtelfinale ein.

Die Statistik des Spiels

Melsungen: Sjöstrand (1.-60.), Simic (n.e.) - Maric 2, Kühn 3, Lemke, Reichmann 2, Ignaow 3, Kunkel, Mikkelsen 6/3, Danner, Schneider 4, Allendorf 9, Sidorowicz, Häfner 2, Salger, Pavlovic.
Rimpar: Wieser (1.-30.), Brustmann (31.- 60.) - Schömig 2, Böhm 3, Karle, Gempp 3, Schmidt 2, Kaufmann, Siegler 2, Meyer 1, Schulz 1, Brielmeier 4, Herth 2/1, Sauer 4.
Spielfilm: 5:1 (7.), 8:3 (11.), 8:6 (16.), 10:6 (18.), 11:9 (21.), 15:9 (27.), 17:10 (Halbzeit), 22:12 (38.), 25:14 (43.), 27:15 (47.), 27:20 (53.).  
Siebenmeter: 3/3 : 1/2.
Zeitstrafen: 1:4.
Rot: Siegler (Rimpar, 54., Foulspiel).
Schiedsrichter: Philipp Dinges/Tobias Schmack.

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