RUDERN

Das „krasse Gefühl“, Weltmeister zu sein

Sportliche Heimat: Der angehende Schiffsbau-Student Konstantin Steinhübel leistet derzeit noch beim Akademischen Ruderclub in Würzburg ein freiwilliges soziales Jahr.
Sportliche Heimat: Der angehende Schiffsbau-Student Konstantin Steinhübel leistet derzeit noch beim Akademischen Ruderclub in Würzburg ein freiwilliges soziales Jahr. Foto: Frank Kranewitter

Weltmeister! Die Wucht dieses Wortes, die wahre Größe des Erfolgs, wurde Konstantin Steinhübel bewusst, als er gerade wieder gelandet war. „Da kommst du am Flughafen an und dort stehen ganz viele Leute mit Fahnen und die sind tatsächlich wegen dir da. Da wurde mir klar, dass es etwas ganz besonderes war, was uns da gelungen ist.“ Seit etwas mehr als einer Woche ist der Rimparer, der für den Akademischen Ruderclub Würzburg (ARCW) startet, nun U-23-Weltmeister. Der deutsche Leichtgewichts-Doppelvierer mit Steinhübel und Mitstreitern aus Mainz, Eutin und Konstanz war in dieser Altersklasse in diesem Jahr schlicht das Maß der Dinge. „Plötzlich sprechen einen Leute an, die man vielleicht dreimal gesehen hat, und gratulieren einem. Weltmeister, das ist einfach ein krasses Gefühl.“ Manchmal, erzählt er, muss er die Goldmedaille einfach einmal anfassen, um sich zu vergewissern, dass all das tatsächlich passiert ist. Ansonsten hängt das gute Stück auf einem Ehrenplatz in seinem Zimmer im elterlichen Haus in Rimpar.

In der Vergangenheit hatte er stets zu den Vereinskollegen und Klubkameradinnen aufgeschaut, die die großen Titel nach Hause brachten. „Diesmal aber musste ich es rausreißen“, sagt der 20-Jährige lachend. Laura Tibitanzl, zuletzt erfolgreichste Ruderin des ARCW, macht in diesem Jahr Babypause. Für Steinhübel ist das Rudern, das tägliche Training, der Kampf gegen den inneren Schweinehund, kein Egotrip. Die Medaillen hat er auch für seinen Klub gewonnen. Wenn er bald zum Studium der Schiffsbautechnik in seine Geburtsstadt Hamburg zieht, dann wird er weiterhin für Würzburg Rudern. „Mein Klub hat mir viel gegeben. Jetzt ist es an der Zeit dem Verein etwas zurückzugeben.“ Derzeit absolviert der 20-Jährige ein freiwilliges soziales Jahr beim ARCW. Mit dem Rudern hatte er hier mit neun Jahren begonnen. Seine Familie war gerade erst von Hamburg nach Unterfranken gezogen. „Bei einer neuen Sportart habe ich Anschluss und neue Freunde gesucht“, erzählt er.

Der Start einer Ruderkarriere, die in diesem Jahr so richtig Fahrt aufnahm. „Als ich bei den ersten Tests im Einer im Frühjahr plötzlich schneller war als einige in der Ruderszene richtig bekannte Athleten, habe ich über mich selbst gestaunt.“ Die Boote für die U-23-Weltmeisterschaft wurden aufgrund der Einer-Ergebnisse in der Saison-Frühphase besetzt. Viel Zeit sich als Team zu finden blieb hernach nicht. „Am Anfang war bei unseren gemeinsamen Trainingseinheiten noch nicht einmal ein Trainer dabei, weil zu dieser Phase viele Wettkämpfe anstanden, bei denen die Trainer gebraucht wurden. Trotzdem lief es von Beginn an fast perfekt“, erzählt Steinhübel über seine ersten Eindrücke vom neuen Team. Als dann auch noch bei der deutschen Meisterschaft der Sieg in Weltjahresbestzeit heraussprang, wusste das frisch zusammengestellte Quartett, dass es diesmal zum großen Wurf reichen könnte.

Und tatsächlich: Vor dem WM-Finale im weißrussischen Brest galt der deutsche Vierer als Favorit. Den offensichtlich schärfsten Rivalen aus Irland hatten die Deutschen zuvor schon viermal in dieser Saison hinter sich gelassen. „Am Start habe ich mal kurz daran gedacht, was wäre, wenn ausgerechnet dieses wichtigste Rennen schief geht“, erzählt Steinhübel. Aber es ging gut. Steinhübel und Co. siegten. Und auch wenn dieser Vierer in dieser Besetzung nicht mehr zusammen rudern wird, schon die Tatsache, dass er noch zwei Jahre auf Starts bei U-23-Weltmeisterschaften hoffen kann, macht dem Rimparer Hoffnung auf weitere Erfolge. Womöglich dann auch in der olympischen Leichtgewichts-Bootsklasse, dem Doppelzweier. „Aber da ist es ein weiter Weg hin“, weiß Steinhübel, „es kann so viel passieren. Ich werde mich bemühen und dann schauen wir mal.“ Das „krasse Gefühl“, Weltmeister zu werden, das kann ihm jetzt ja ohnehin keiner mehr nehmen.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!