Tischtennis: Oberliga

Der Tischtennis-Kubaner spielt und siegt im Dauerlauf

Beinahe hätten die Spieler des TTC Kist ohne ihr Ass antreten müssen. Zum Glück konnten sie auf die Fairness der anderen Vereine bauen.
Schlägt seit mehr als drei Jahren für Kist auf: der Kubaner Jorge Campos Valdes. Foto: HMB Media / Volker Danzer

Jorge Campos Valdes steht im hinteren Teil des Geräteraumes der Otto-Seubert-Halle in Kist. Dort, wo man sich als aktiver Spieler am gut gefüllten Getränkeautomaten bedienen darf. Dort, wo man zwischendrin mal durchschnaufen und auf andere Gedanken kommen kann. Der Kubaner ist Tischtennis-Profi und schlägt seit etwas mehr als drei Jahren für den TTC Kist auf – derzeit in der Oberliga.

Daneben hat der 28-Jährige noch ein Sportlerleben als Internationaler. Vom 22. bis 29. März startet er für sein Heimatland bei den Team-Weltmeisterschaften in Südkorea. "Wenn es das Coronavirus zulässt", sagt der Sportler aus der Karibik auf Englisch. Im April will er dann das Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Tokio lösen. Ausgetragen wird die Qualifikation in Rosario, der drittgrößten Stadt in Argentinien. "Da kommt Messi her", weiß Valdes.

Visum für sechs Wochen

Erst seit Ende Januar ist er wieder zurück aus Kuba; sein Visum läuft für etwa sechs Wochen. An einem Freitag landete Valdes in Frankfurt. Schon am nächsten Morgen fuhr er mit seinen Kister Kollegen an die österreichische Grenze bei Salzburg. Beim SV Haiming stand das erste von drei Auswärtsspielen an einem Wochenende an. Am Abend ging es weiter in Passau – und am Sonntag nach Regenstauf.

Valdes gewann alle seine sechs Einzel souverän, keine Spur von Jetlag. So holten seine Kister einen Sieg und ein Remis. Das dritte Duell ging knapp verloren. "Mit den langen Autofahrten war das alles verdammt anstrengend", berichtet Valdes. Er hätte die ganze Woche danach durchgeschlafen.

Finanzielle Unterstützung durch den Verband fehlt

Jetzt ist Valdes wieder hellwach. In Kist trainiert er an diesem Abend mit Evgueni Chtchetinine. Der weißrussische Abwehrspezialist hat früher für Würzburg in der Bundesliga gespielt und war 2001 die Nummer 58 der Welt. Vor kurzem ist Chtchetinine, der in der Nähe wohnt, 50 Jahre alt geworden. Valdes lässt ihm mit seinem druckvollen Angriffsspiel nicht den Hauch einer Chance. Der Kubaner wird aktuell in der Weltrangliste auf 267 geführt. Dass er ein gutes Stück von seiner bislang besten Platzierung (169) weg ist, liegt daran, dass Valdes kaum internationale Turniere spielen kann.

Dafür fehlt ihm die finanzielle Unterstützung von Seiten seines Verbandes. So bleiben ihm nur die absoluten Highlights wie die panamerikanischen Meisterschaften, die WM und Olympia. 2016 hat er sich fast schon sensationell für die Sommerspiele in Rio de Janeiro qualifiziert. Im entscheidenden Spiel bezwang er den stärker eingeschätzten Chilenen Felipe Olivares.

Hoffen auf die Olympischen Spiele

"Olympia ist nur alle vier Jahre, der Druck bei der Quali daher extrem hoch", sagt Valdes, der immer für einen Spaß zu haben ist: "Ich komme damit gut zurecht." In der ersten Runde von Rio musste er sich dann allerdings dem kanadischen Chinesen Eugene Wang mit 2:4 geschlagen geben.

Nun will Valdes auch nach Tokio. Nach dem Abend in der Kister Schulturnhalle ging es für ihn auf ein 10-tägiges Trainingslager ins oberbayerische Bad Aibling – gemeinsam mit Landsmann Andy Pereira und einem Tross aus Puerto Rico. Pünktlich zu Fasching kam Valdes wieder nach Unterfranken zurück. Für seine Kister stand der nächste Dreifachspieltag an. Zunächst siegte der TTCK am Samstag mit 9:1 beim Schlusslicht Ingolstadt – und verlor am gleichen Abend denkbar knapp mit 7:9 in Schwabhausen.

Derby nach Waldbüttelbrunn verlegt

Gestern ging es dann gegen die Bundesliga-Reserve aus Bad Königshofen. Im nach Waldbüttelbrunn verlegten Derby verloren die Kister erneut unglücklich mit 7:9 – und kürten damit die Grabfelder zum Oberliga-Meister. Valdes gewann auch an diesem Wochenende seine sechs Einzel.

Kists Manager Jochen Wilhelm ist trotz der wiederholt hohen Belastung mit drei Spielen in zwei Tagen froh, dass es so gekommen ist. Denn eigentlich hätte Valdes aufgrund der Mannschafts-WM in Südkorea gleich bei vier Spielen gefehlt. "Eine WM ist bei Nicht-EU-Ausländern für den Verband kein Verlegungsgrund. Das geht eigentlich gar nicht", findet Wilhelm. Also schrieb er selbst die gegnerischen Vereine an. Alle waren mit einer Vorverlegung einverstanden. "Das war sportlich sehr fair." Lediglich der Saisonabschluss beim TV Etwashausen am 28. März findet ohne Valdes statt – aber nur, weil das letzte Match nicht verlegbar ist.

TTC-Punkte gegen Bad Königshofen II (7:9): Jankowiecki/Nötzold, Campos Valdes (2), Jankowiecki (2), Nötzold, Szymanek.

TTC-Punkte gegen Schwabhausen (7:9): Campos Valdes/Schäfer, Zech/Szymanek, Campos Valdes (2), Schäfer (2), Jankowiecki.

TTC-Punkte gegen Ingolstadt (9:1): Campos Valdes/Schäfer, Jankowiecki/Nötzold, Campos Valdes (2), Zech, Jankowiecki, Schäfer, Nötzold, Szymanek.

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