HOCKEY

Die Faszination Hockey

Unser Autor gibt ein leidenschaftliches Plädoyer für "seinen" Sport ab. Ein Sport, der oft im Schatten steht und über den vieles nicht bekannt ist.
Luis Link, Kapitän der Würzburger Hockey Herren, bei einem Heimspiel der 1. Regionalliga Süd. Foto: Tim Schäflein

Ich spiele Hockey. Sofort ist meinem Gegenüber klar, worum es geht. Eishockey richtig? Mit Schlittschuhen und Puck, wo sich regelmäßig Spieler prügeln und gegenseitig Zähne ausschießen. Nun ja, nicht ganz.

Wenn ich dann erkläre, dass es sich um Feld- beziehungsweise Hallenhockey handelt, was nur sehr wenig mit dem besonders in Nordamerika populären Ableger auf dem Eis gemein hat, war es das mit dem Interesse an meiner Sportart.

Vorurteile gegenüber Hockeyspielern: eine veraltete Sichtweise

Eine Situation, wie sie wohl jeder Hockeyspieler schon einmal erlebt hat. Hat man dann erst einmal erklärt, worum es beim Hockey geht, werden schnell die nächsten Klischees deutlich. Das sei doch viel zu hart und gefährlich, mit Schlägern und einer harten Kugel. Und dann noch die Rückenschmerzen, die Hockeyspieler ja haben müssen, wenn sie ständig in gebückter Haltung über den Platz rennen.

Weit gefehlt: Denn Hockey zählt zu den kontaktlosen Sportarten, Bodychecks wie sie auf dem Eis gang und gebe sind, sind nicht erlaubt. Genauso wenig wie Fouls mit dem Schläger. Außerdem schützen sich die Spieler mit Schienbeinschonern und Zahnschutz, der Torwart sogar mit einer Schutzausrüstung für den gesamten Körper.

Dass sich Hockey zu einer sehr schnellen Sportart entwickelt hat, an dessen Spieler sowohl technisch, als auch athletisch sehr hohe Ansprüche gestellt werden, ist nur denjenigen klar, die schon einmal ein Spiel live oder im Fernsehen mitverfolgen durften. Dies ist dann alle vier Jahre der Fall, wenn zu den Olympischen Spielen der Fokus der Öffentlichkeit auch einmal auf Randsportarten fällt.

Apropos Olympia. Eine Kostprobe deutscher Erfolge gefällig?

Bei den letzten zehn Olympischen Turnieren, die auf dem Feld ausgespielt werden, holte die Nationalmannschaft der Herren drei goldene sowie je zwei silberne und bronzene Medaillen. Deutschlands Damen können einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze vorweisen. Eine Bilanz, wie sie kaum eine andere Mannschaftsportart in Deutschland besitzt. Und auch beim Hallenhockey, der Variante die in den Wintermonaten gespielt wird, ist Deutschland Spitze: Sowohl Damen als auch Herren holten bei bisher jeder Weltmeisterschaft eine Medaille.

Probleme einer Randsportart

Doch warum es Hockey trotzdem nicht mit dem beliebtesten Sport der Deutschen aufnehmen kann, scheint auf den ersten Blick klar: Fußball ist deutlich unkomplizierter und kann von jedem gespielt werden, egal ob man einem Verein angehört oder nicht. Beim Hockey ist das anders. Benötigt wird eine Kugel, ein Schläger, andere Spieler, die ebenfalls einen Schläger haben, und am besten noch einen Kunstrasen.

Abschauen kann sich Volkssport Fußball dann doch aber einiges. Der dort heiß diskutierte Videobeweis funktioniert im Hockey seit Jahren einwandfrei. Wohl auch, weil er anders eingesetzt wird: So besitzt jede Mannschaft das Recht, einmal pro Spiel die Spielszene überprüfen zu lassen. Die Spieler erteilen dem Video-Schiri, der per Headset mit den beiden Schiedsrichtern auf dem Spielfeld verbunden ist, einen konkreten ‘‘Suchauftrag‘‘. Bestätigt er den Einspruch, bleibt das Anrecht auf einen Videobeweis erhalten, ansonsten verfällt es. Die Fernsehbilder sowie der Funkverkehr der Schiedsrichter können die Zuschauer im Stadion live mitverfolgen. Auch bezüglich Regeländerungen hat der Hockeysport dem Fußball einiges voraus. So wurden die Hockeyregeln in den vergangenen Jahren immer wieder überarbeitet und abgeändert, um den Sport schneller und attraktiver für die Zuschauer zu gestalten. Die Einführung des sogenannten Self-Pass, der die Möglichkeit gibt bei einem Freischlag direkt mit dem Ball zu laufen, ist nur ein Beispiel.

Warum Hockey dennoch unbekannt bleibt

Und trotzdem plagt Hockey dasselbe Problem, welches es vielen Randsportarten schwermacht, aus dem Schatten der Domäne Fußball hervorzutreten: Mangelnde Bekanntheit und folglich, wenn nicht sogar deshalb, die fehlende Präsenz in den Medien. Selbst die deutsche Hockey-Nationalmannschaft ist lediglich alle vier Jahre zu Olympia in den öffentlich-rechtlichen Programmen vertreten. Um Bundesligaspiele sehen zu können, muss man auf vereinseigene Livestreams über YouTube oder Online Streaming Dienste zurückgreifen.

Für alle diejenigen, die in Würzburg dennoch einmal Spitzenhockey miterleben wollen, bietet sich schon am 15. und 16. Februar eine Möglichkeit. Mit den Süddeutschen U-16-Meisterschaften kommt ein noch nie dagewesenes Hockeyereignis in die s.Oliver Arena.

Über den Autor
Tim Schäflein ist freier Mitarbeiter dieser Redaktion und mit dem Hockey groß geworden, denn bereits seine Eltern betrieben diesen Sport. So nahm der heute 19-Jährige bereits im Alter von vier Jahren beim HTC Würzburg den Schläger in die Hand und ist dem Verein und dem Sport bis heute treu geblieben. Gegenwärtig spielt Tim Schäflein meist für die zweite Herren-Mannschaft des HTC Würzburg.

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