Würzburg

Die neue DNA im Baskets-Spiel

Jubel, Trubel, Heiterkeit: Die Mannschaft feiert mit den Fans den Sieg. s.Oliver Würzburg hat gegen Göttingen (90:75) eine starke Heimpremiere abgeliefert. Foto: Heiko Becker

Von Stefan Mantel

Würzburg   Es brauchte gar keiner großen Worte, um die allgemeine Erleichterung bei Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg am Samstagabend nach dem 90:75 (51:38) gegen die BG Göttingen zu erfassen. Geschäftsführer Steffen Liebler und der neue Sportmanager Kresimir Loncar saßen entspannt miteinander plaudernd hinter den Spielerstühlen, während die Mannschaft mitten im neuen Fanblock direkt neben dem Spielfeld ausgelassen die Sieger-Humba zelebrierte.

Auch Cheftrainer Denis Wucherer entlockte der erste Saisonsieg im ersten Heimspiel ein zufriedenes Lächeln. "Natürlich sind wir glücklich mit dem ersten Sieg. Es ist schön, dass das diese Saison etwas früher passiert ist als im letzten Jahr. Das nimmt uns auch ein wenig Druck", resümierte der 46-Jährige.

Denn ein wenig mulmig dürfte den Klub-Verantwortlichen vielleicht dann doch gewesen sein, hatten die beiden ersten Saisonauftritte in der Liga in Oldenburg (82:90) und im Pokal-Wettbewerb bei Vize-Meister Alba Berlin (81:92) zwar viel Schulterklopfen ob der ansprechenden Darbietungen, darüber hinaus aber eben nichts Zählbares eingebracht. Die Partie gegen die Süd-Niedersachsen war – auch angesichts der kommenden Aufgaben in Bayreuth (nächsten Sonntag, 18 Uhr, Oberfrankenhalle) und dann daheim gegen Berlin und Meister München – somit quasi ein "must-win"-Spiel, um nicht frühzeitig wie in der vergangenen Saison ins Hintertreffen zu geraten und das Feld von hinten aufrollen zu müssen.

Doch derartige Gedankenspiele dürften nach der geglückten Heimpremiere vor 2981 Zuschauern in der s.Oliver Arena wohl getrost ad acta gelegt werden, auch weil schon früh in der Saison die neue DNA im Baskets-Spiel sichtbar ist. "Ich mag die Pace, mit der wir spielen. Wir versuchen, dieses Jahr deutlich schneller zu sein, auch mit noch mehr Energie zu agieren. Ich denke, das passt ganz gut zu uns, zumal wir ja auch ohne die Europapokal-Belastung nur ein Spiel pro Woche haben", sagt Wucherer, dessen Team den neuen Spielstil schon ordentlich verinnerlicht hat.

Jordann Hulls (rechts) war gegen Göttingen treffsicher, verbuchte 24 Punkte. Hier setzt er sich gegen Dennis Kramer durch. Foto: Heiko Becker

Gerade offensiv war auch gegen Göttingen immer wieder hübsch anzuschauen, wie der Ball durch die eigenen Reihen zirkulierte, die bestmögliche Option gesucht und auch gefunden wurde. Profiteure waren mit Jordan Hulls und Florian Koch die beiden "Scharfschützen" im Team, "die heute den Unterschied gemacht haben", wie Wucherer das treffsichere Duo lobte.

Vor allem der 29-jährige Hulls legte in den ersten zwanzig Minuten einen furiosen Auftritt aufs Parkett. Zur Halbzeit hatte der "Sniper aus Indiana" bereits 21 Punkte erzielt, war dabei ohne Fehlwurf von der Drei-Punkte- und der Freiwurflinie geblieben – und veranlasste Gäste-Trainer Johan Roijakkers hinterher zur lakonischen Bemerkung, "nochmal in meinem Scouting-Report nachzusehen, ob da nicht drin steht, dass Hulls werfen kann."

Strotzte vor Selbstbewusstsein: Florian Koch von s.Oliver Würzburg, der hier einen seiner Dreier bejubelt. Foto: Heiko Becker

Und weil die Göttinger im zweiten Abschnitt ihr Hauptaugenmerk in der Defensive auf den US-Guard legten, ergaben sich Freiräume für dessen Teamkollegen, die der aktuell vor Selbstbewusstsein nur so strotzende Flo Koch weidlich nutzte. Elf Zähler in Serie markierte der 27-Jährige, darunter drei Dreier, im dritten Abschnitt und erstickte jegliches Aufbäumen der Gäste im Keim. "Seine Leistungen sind dem Sommer geschuldet, in dem er extrem hart an sich gearbeitet hat. Er ist vor allem auch ein besserer Verteidiger geworden", sagt Wucherer, der dennoch Raum für Verbesserungen ausgemacht hat.

"Aber lieber manchmal etwas überdrehen als nix zeigen."
Florian Koch, s.Oliver Würzburg

Vor allem der "Schlafwagen-Basketball zu Beginn beider Halbzeiten" (O-Ton Wucherer) dürften unter der Woche nochmal zur Sprache kommen. "Gegen einen stärkeren Kontrahenten kann das nach hinten losgehen. Das schauen wir uns sicher nochmal an." Und gelegentlich überforderten sich die Baskets selbst mit dem angeschlagenen Tempo, woraus ein Gutteil der 22 Ballverluste resultierte. "Aber lieber manchmal etwas überdrehen als nix zeigen", so Koch augenzwinkernd, "denn auch wenn es an der einen oder anderen Stelle sicher noch etwas holprig war, haben wir 40 Minuten alles gegeben und die Emotionen und Physis aufs Parkett gebracht, die wir für unser Spiel brauchen."

Luft nach oben dürfte auch noch  US-Neuzugang Brekkott Chapman haben, der in Oldenburg und Berlin schon ordentliche Ansätze zeigte, gegen Göttingen aber überhaupt kein Faktor war. "Das ist für einen Rookie normal", beschwichtigt Wucherer jedoch, und ergänzt: "Bei Xavier Cooks war das letztes Jahr ähnlich. Er hat auch einige Wochen gebraucht, um auch im Wettkampf zu zeigen, was er draufhat. Dass er ein Guter ist, zeigt er im Training. Das wird, davon bin ich überzeugt."

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