RUDERN

Ein Duo aus Würzburg rudert für Deutschland

Treffen mit Ruderinnen Josefine Kiesel (WRVB) und Anneke Mau (ARCW)       -  _

Josephine Kiesel und Anneke Mau haben turbulente Monate hinter sich: Die beiden 18-jährigen Ruderinnen absolvierten im Mai das Abitur am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium, ehe es im Juli zu den U-19-Europameisterschaften nach Trakai (Litauen) ging. Ende August stiegen sie dann bei der Weltmeisterschaft auf der in Rotterdam (Niederlande) erneut in die Boote.

Vier Wochen lang hatten sich die Nachwuchs-Ruderinnen mit dem Nationalkader in Berlin auf die WM vorbereitet. Schon vor dem Frühstück legten die Athletinnen und Athleten des Deutschen Ruderverbands (DRV) täglich die ersten 20 Kilometer zurück, zwei bis drei weitere Trainingseinheiten folgten im Laufe des Tages. „Das erfordert natürlich viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. Vor allem auch beim Training zuhause, wenn man sieht, welche Freiheiten andere in unserem Alter haben“, erklärt Josephine Kiesel. Die Sportakademie am Deutschhaus-Gymnasium ermöglichte es den beiden, während der Schulzeit neun Mal pro Woche zu trainieren, für Lehrgänge und Wettkämpfe wurde das Duo freigestellt. Viel Freizeit blieb da neben Lernen und Ausgleichssportarten nicht mehr übrig.

Auf der niederländischen Willem-Alexander-Regattastrecke in Rotterdam ging die 18-jährige Kiesel vom Würzburger Ruderverein Bayern (WRVB) schließlich mit dem U-19-Achter an den Start. Trotz widriger Bedingungen am Finaltag war für die deutschen Mädels nach den ersten 1500 Metern schon die Goldmedaille in Sicht. Ein kleiner Hänger mit einem Riemen im Wasser kostete allerdings kurz vor Schluss den Sieg, die tschechische Mannschaft zog vorbei. Mit ein bisschen Abstand trauert Kiesel der Goldmedaille allerdings nicht mehr nach, stattdessen freut sie sich nun über Silber. „Ich habe jetzt Medaillen bei der deutschen Meisterschaft geholt, bin Europameisterin und Vizeweltmeisterin. Das hätte ich mir letztes Jahr vielleicht erträumt. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass das auch wirklich so kommt“, sagt Kiesel.

Schlechter lief es zumindest in Rotterdam für Anneke Mau vom Akademischen Ruder-Club Würzburg (ARCW). Die Athletin trat im Finale mit den U-19-Juniorinnen im Doppelvierer an. Weil sich das Skull einer Kameradin allerdings unter dem Boot verkeilte und durchbrach, war das Rennen etwa 700 Meter vor dem Ziel gelaufen. „Vor dem inneren Auge haben wir uns nach einem guten Beginn schon auf dem Treppchen gewähnt. Dann sind wir stehengeblieben und haben alle anderen in Zeitlupe an uns vorbeifahren sehen“, berichtet die 18-Jährige. „Trotzdem habe ich dieses Jahr alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Ich wollte zur WM fahren, bin zum ersten Mal deutsche Meisterin und auch Europameisterin. Ich bin sehr zufrieden.“

„Es war ein tolles Erlebnis, bei der WM dabei gewesen zu sein. Aber nächstes Mal wollen wir wieder hin und dann zeigen, was wir eigentlich können.“
Anneke Mau, mit dem deutschen Doppelvierer „nur“ Sechste im Finale

In Rotterdam unterstützten Familie und Freunde die beiden Mädchen lautstark. Ein paar Vereinskameraden hatten sich gar per Minibus auf einen Roadtrip in die niederländische Hafenstadt gemacht. Auch alle Klassen der U 23 und die nichtolympischen Klassen der Aktiven wurden gleichzeitig auf der angelegten Regattastrecke ausgefahren, insgesamt traten mehr als 2500 Athleten aus 70 Ländern in knapp 400 Läufen an. Die beiden ARCW-Ruderer Konstantin Steinhübel (Fünfter im Leichtgewichts-Einer der Aktiven) und Joachim Agne (Siebter im Leichtgewichts-Doppelzweier der U 23) waren auch noch aus Würzburg dabei (wir berichteten).

„Es war ein tolles Erlebnis, bei der WM dabei gewesen zu sein. Aber nächstes Mal wollen wir wieder hin und dann zeigen, was wir eigentlich können“, sagt Mau selbstbewusst. In die Vorbereitung auf das nächste Regattajahr steigen beide Ruderinnen allerdings nicht sofort ein. Stattdessen zieht es die frischgebackenen Abiturientinnen erst einmal weg vom Trainingsufer am Main: Während Anneke Mau im Herbst ein Praktikum in Südafrika absolviert, sammelt Josephine Kiesel für ein Jahr als Au-pair-Mädchen Erfahrungen in England. Dort sei das Rudern zwar möglich, allerdings „erst einmal hinten angestellt“.

Würzburger rudern für Deutschland: im Bild oben Anneke Mau (links) und Josephine Kiesel, im Bild unten (von links) Joachim Agne, Mau, Kiesel und Konstantin Steinhübel.
Würzburger rudern für Deutschland: im Bild oben Anneke Mau (links) und Josephine Kiesel, im Bild unten (von links) Joachim Agne, Mau, Kiesel und Konstantin Steinhübel. Foto: Heiko Becker (oben), Andreas Holz

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