Marathon:

Eine Äthiopierin läuft Streckenrekord

Marathon-Sieg mit Streckenrekord: Die Äthiopierin Abiyot Deme.
Marathon-Sieg mit Streckenrekord: Die Äthiopierin Abiyot Deme.

Vor, während und nach dem iWelt Marathon Würzburg gab es wieder unzählige lachende Gesichter. Auch wenn bei der 15. Auflage weniger als 3000 Starter und lediglich 450 Marathonis auf die Strecke gegangen sind, zeigten sich Sportler und Funktionäre gleichermaßen zufrieden. Denn es gab nicht nur viele schöne Gesten, sondern auch den lange herbeigesehnten neuen Streckenrekord bei den Frauen zu feiern: Abiyot Deme aus Äthiopien lief die 42,195 Kilometer in einer Zeit von etwas über 2:34 Stunden.

Selig, die Zweiten und die Folgenden, die einfach Freude am gemeinsamen Laufen haben, denn sie werden die Anstrengungen auch genießen können. Diese Worte gab Pfarrer Franz Feineis in Anlehnung ans Matthäus-Evangelium den Läufern am Vorabend in der Marienkapelle mit auf den Weg. In diesem Satz steckt zwar sehr viel Wahres. Während der Wettkämpfe stehen dann aber doch häufig die Platzierungen im Fokus – und da musste Melat Kejeta eine ganz bittere Erfahrung machen. Die Äthiopierin, die ohne (Strecken-)Begleitung in die Domstadt gekommen war, hatte für den Marathon gemeldet und war deshalb auch mit einer entsprechenden Startnummer ausgestattet worden. Kejeta wollte allerdings nur die halbe Distanz laufen. Diese Strecke dominierte sie unter den Frauen nach Belieben. Es wäre ein Start-Ziel-Sieg mit großem Vorsprung geworden – wenn, ja wenn die sympathische Ostafrikanerin nicht kurz vor dem Endspurt von den Streckenposten aufgrund ihrer Startnummer auf die zweite Marathon-Runde geschickt worden wäre. „Bei Kilometer 23 ist ihr dann gedämmert, dass etwas nicht stimmt. Doch die Ordner haben alles richtig gemacht“, sagte Organisationsleiter Günter Herrmann. Von dem Missgeschick hat die in Herzogenaurach lebende Engländerin Felicity Milton (1:18:53) profitiert, die den Halbmarathon vor der Würzburger Laufikone Carmen Förster (1:22:53) und Marina Scheckenbach vom Stadtmarathon Würzburg e.V. (1:29:57) gewann.

Bei den Männern lief Patrick Fiederling nach ganz vorne. Den Residenzlauf musste das Lauftalent aus der Nähe von Wertheim noch krankheitsbedingt absagen; diesmal gewann er den Halbmarathon in einer Zeit von 1:12:43 Stunden. „Es war für mich ein ziemlich einsames Rennen. Am Ende kam dann noch Seitenstechen hinzu, weshalb ich meine Bestzeit nicht toppen konnte“, sagte Fiederling, der dennoch rundum zufrieden war.

Gleiches galt auch für Abiyot Deme, die nach exakt zehn Jahren einen neuen Würzburger Streckenrekord im Marathon aufstellte. Und was für einen! Mit einer Zeit von zwei Stunden, 34 Minuten und fünf Sekunden lief sie fast fünf Minuten schneller als die Ukrainerin Olga Newkapsa im Jahr 2005. „Mit einer so tollen Zeit habe ich absolut nicht gerechnet. Umso mehr freut mich diese Leistung“, sagte Peter Schaffrinski, Demes Manager und ständiger Begleiter auf der Strecke. Schließlich ist die Äthiopierin vor gerade mal drei Wochen noch den Marathon von Königstein nach Dresden gelaufen. Dank des neuen Streckenrekords sicherte sich Deme ein Preisgeld von über 2000 Euro.

Bemerkenswert ist zudem, dass nur ein männlicher Läufer schneller als die Ostafrikanerin war. Denn auch Schaffrinskis zweites Ass im Ärmel hatte wie erwartet gestochen. Belachew Gebresilassie gewann die Männer-Konkurrenz ohne Mühe, obwohl der Äthiopier sowohl den Streckenrekord (2:14:10) als auch seine persönliche Bestzeit (2:18:10) verpasste.

Außer den Genannten waren keine afrikanischen Laufprofis am Start, was Herrmann nicht störte. Der langjährige Organisationschef ist kein Freund von professionellem Läufergeschacher und zahlt daher auch keinerlei Antrittsgelder. So dürfte es ihn gefreut haben, dass sich wieder viele Lokalmatadoren ganz vorne eingereiht haben. Schnellster Deutscher war Johannes Arens von der TG Kitzingen. Der gebürtige Dettelbacher, der derzeit im schottischen Glasgow studiert, sicherte sich nicht nur eine Prämie von 1300 Euro, sondern auch den erstmals vergebenen bayerischen Löwen. „Vor sieben Jahren bin ich hier in Würzburg meinen ersten Marathon in einer Zeit von noch über dreieinhalb Stunden gelaufen. Heute hat sich der Kreis geschlossen“, freute sich Arens, der diesmal mit zwei Stunden, 37 Minuten und 21 Sekunden ins Ziel gekommen war. Auch unter den Marathon-Frauen war eine Unterfränkin die flotteste Deutsche. Julia Roth aus Aschaffenburg lief nur knapp über drei Stunden.

Doch in Würzburg zählen nicht nur Zahlen, sondern auch und gerade die Gesten. So haben die Helfer für den Allerletzten einen Tisch im Ziel fürstlich mit Speis und Trank eingedeckt. Und die fehlgeleitete Äthiopierin Kejeta ließ Herrmann als zweite (inoffizielle) Siegerin werten – inklusive Übergabe der Prämie.

Marathon-Sieger der Männer: Melachew Gebresilassie.
Marathon-Sieger der Männer: Melachew Gebresilassie. Foto: P. Varasano
Johannes Arens
Johannes Arens Foto: Chris Weiss
Erschöpft, aber glücklich: Hadush Esseyas.
Erschöpft, aber glücklich: Hadush Esseyas. Foto: Chris Weiss

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