RUDERN

Eine Mannschaft aus Rivalinnen

Zwei Sportlerinnen, zwei Vereine, ein Boot: Gemeinsam saßen Steuerfrau Julia Kosomol (ARC Würzburg) und Anna-Maria Götz (Würzburger RVB) im deutschen Ruder-Achter, der bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Brive in Frankreich Bronze holte.
Der deutsche Juniorinnen-Achter bei der WM-Siegerehrung in Brive. Auch die Würzburgerinnen Julia Kosomol (Erste von links) und Anna-Maria Götz (Vierte von rechts) freuen sich über die Bonzemedaille.
Der deutsche Juniorinnen-Achter bei der WM-Siegerehrung in Brive. Auch die Würzburgerinnen Julia Kosomol (Erste von links) und Anna-Maria Götz (Vierte von rechts) freuen sich über die Bonzemedaille. Foto: FOTO Matthias Reimund

Manchmal, erzählt Julia Kosomol, muss die Kleinste im Boot so richtig laut werden: „Es gab ein paar Trainingseinheiten, da hat man gemerkt, dass einige etwas unkonzentriert waren. Da habe ich dann einen lauten Schrei los gelassen.“ Dieser Schrei muss ziemlich furchterregend gewesen sein. Zumindest haben die besten deutschen Nachwuchsrudererinnen – alle gut zwei Köpfe höher als die 16-jährige Würzburgerin – sogleich gespurt. „Das hat schon geklappt“, erzählt Julia Kosomol. Als Steuerfrau sei man eben verantwortlich für die Motivation und den Zusammenhalt eines Ruderteams. Seit zwei Jahren ist sie Steuerfrau. Zuvor hat sie selbst sechs Jahre lang gerudert: „Aber ich bin für eine Rudererin zu klein.“ Zu einer Weltmeisterschaft hätte sie es an den Skulls wohl nicht gebracht. Als Steuerfrau saß sie bereits im süddeutschen Achter, der die deutsche Meisterschaft gewann und war so eben auch für den Deutschland-Achter bei der Juniorinnen-WM gesetzt.

„Komisch war es anfangs schon ein wenig“, erzählt sie: „Bisher waren wir Konkurrentinnen, plötzlich saßen wir zusammen in einem Boot. Aber mit der Zeit sind wir eine richtige Mannschaft geworden.“ Vier Wochen war das deutsche Nachwuchsteam in Berlin zur Vorbereitung zusammengekommen. Neben Kosomol waren drei weitere Würzburgerinnen dabei Lea Piepenbrink (ARCW) sowie Anna-Maria Götz und Isabella Reimund (beide WRVB). Im Trainingslager ging es nicht eben zimperlich zu. Um sechs Uhr morgens startete das Trainingsprogramm, um 22 Uhr war Nachtruhe. „Und die wurde kontrolliert“, erzählt Anna-Maria Götz. Während Lea Piepenbrink als aktuelle deutsche Meisterin zusammen mit ihrer Partnerin Hanna Jonas aus Limburg für den deutschen WM-Zweier gesetzt war, mussten Anna-Maria Götz und Isabella Reimund sich bei verschiedenen Leistungstests qualifizieren. Götz schaffte den Sprung in den Achter, Reimund war als Ersatz-Rudererin in Brive in der Nähe von Bordeaux dabei.

Als während der Vorbereitung in einem Messboot noch sämtliche Daten zum Leistungsvermögen der einzelnen Sportlerinnen aufgezeichnet wurden, habe jede Sportlerin noch für sich gekämpft. Richtig harmonisch, sei es da im Boot noch nicht zugegangen. „Als die Messinstrumente weg waren, haben wir auf einen Schlag viel besser gerudert“, erzählt Anna-Maria Götz. Mit der viertbesten Vorlaufzeit qualifizierte sich der Deutschland-Achter schließlich in Brive für das Finale. Die Boote aus den USA, Neuseeland und Rumänien waren schneller und zogen auch im Finale zunächst auf und davon. „Eigentlich haben wir gedacht, wir hätten keine Chance mehr auf eine Medaille. Doch dann sind die Rumäninnen plötzlich eingebrochen“, erzählt Kosomol: „die Rumäninnen haben sich gar nicht mehr richtig gewehrt.“ Das deutsche Boot sicherte sich mit einem tollen Schlussspurt Platz drei hinter der USA und Neuseeland. Am Abend wurde Platz drei und das tolle Mannschaftsresultat – das deutsche Team gewann siebenmal Gold und zweimal Bronze, Lea Piepenbrink wurde im Zweier Elfte – mit einer Feier im deutschen Teamquartier, einer Bungalow-Siedlung in der Nähe der Regattastrecke.

Ein Erlebnis, das Lust auf mehr macht. „Im nächsten Jahr ist es wieder mein Ziel zur WM zu kommen“, sagt die 16-jährige Anna-Maria Götz, bei Julia Kosomol – ebenso wie Götz Schülerin am Deutschhausgymnasium – ist das nicht anders. Auf dem Weg zur WM allerdings werden sie wohl zunächst wieder Konkurrentinnen sein und in verschiedenen Booten sitzen.

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