Rudern:

Eine Regatta mit familiärem Flair

Schöne Aussicht: Der Schiffsverkehr auf dem Main ruht, während die Würzburger Ruderer ihre Bocksbeutelregatta veranstalten.
Schöne Aussicht: Der Schiffsverkehr auf dem Main ruht, während die Würzburger Ruderer ihre Bocksbeutelregatta veranstalten. Foto: Frank Scheuring

Die Parkplätze an der Mergentheimer Straße sind dicht. Ein verzweifelter Autofahrer mit Bremer Kennzeichen versucht vergebens, sich in eine viel zu kleine Parklücke zu quetschen. Dahinter hupt ein verärgerter Chauffeur, der kopfschüttelnd meckert: „Was ist denn hier los? Die kommen ja von überall her. Hinz und Kunz nehmen mir hier die Parkplätze weg.“

Es ist Samstagvormittag, und es beginnt gleich die 78. Auflage der Würzburger Ruderregatta. Aus allen Teilen der Republik sind die Ruderer gekommen, um auf der „Traumstrecke“ zwischen Randersacker und Löwenbrücke um Zeiten und Preise zu kämpfen. Rund 500 Wassersportler haben sich beim Würzburger Regattaverein eingefunden, um gemeinsam die Rudersaison 2012 zu beenden. Aus allen Berufsschichten strömen die Leistungs-, Breiten- oder Freizeitsportler auf das Areal der Würzburger Rudervereine, um einen der begehrten Preise zu erkämpfen. „Das war nicht immer so“, erzählt Paul Zöller, ein „Urgestein“ des Ruderns und seit ein paar Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit des Würzburger Rudervereins Bayern zuständig: „In den 50-er Jahren gab es in Würzburg beispielsweise noch ein Aufnahmekriterium, das besagte, nur Mitglieder können aufgenommen werden, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht mir ihrer Hände Arbeit verdienen.“

Das hat sich längst geändert, ebenso wie die Ausrichtung der Regatta, die sich grundlegend verschoben hat: Einst war das Rennen auf dem Main als Wettbewerb „Boot gegen Boot“ ausgerichtet, doch die Breite des Mains und die Streckenführung ließ eine „ordentliche“ Regatta nicht mehr zu. So kamen Würzburgs Ruderer, die sich für diese Traditionsveranstaltung zu einer Regattaverein zusammengetan haben, vor nunmehr 23 Jahren auf die Idee, aus der Ruder– eine Langstrecken-Regatta zu machen. Die Boote werden nun einzeln auf die Reise geschickt, die zwischen drei und viereinhalb Kilometer lang ist.

Und los geht's: Im Ein-Minutenabstand wird in Randersacker gestartet – und an der Bayernbucht unterhalb der Löwenbrücke wird die Zeit gestoppt. Derweil fahren in umgekehrter Richtung die anderen Rennboote zum Start von den Anlegestellen des ARCW (Akademischer Ruder-Club Würzburg) und des WRVB (Würzburger Ruder-Verein Bayern) nach Randersacker – es herrscht also reger Betrieb auf dem Main.

Die Schifffahrt muss lange ruhen

„Die Schifffahrt muss natürlich so lange ruhen“, erklärt Regattaleiter Tilman Schenk, der mit rund 70 Helfern die straffe Organisation leitet. „Natürlich geht das nicht über den ganzen Tag“, so Schenk, „wir müssen dann viermal feste Zeiten einhalten und Pausen einlegen, damit der reguläre Schiffsverkehr gewährleistet ist.“

Die Pausen sind insofern gut, weil sich dann die deutsche Ruderszene beim Kaffee austauschen kann. „Das ist auch ein Anreiz bei uns: Das familiäre Flair kommt einfach gut an, deshalb haben wir immer starke Teilnehmerzahlen. Die Leute kennen sich untereinander und verabreden sich oft schon für das kommende Jahr.“

Starke Mannschaften sind freilich auch sehr wichtig: Denn für die teilnehmerstärkste Crew gibt's Sonderpreise: Diesmal nutzt der Akademische Ruderclub seinen Heimvorteil: Zwar hat der Gewinner (elf Siege) am Ende des Tages gegenüber dem Zweitplatzierten Hellas Offenbach einen Sieg (12) weniger vorzuweisen, durch das Punktesystem (ein Achter mit Steuermann kriegt mehr Punkte als ein Zweier) aber war Würzburg im Vorteil. Freilich durfte Offenbach als beste auswärtige Mannschaft den Wanderpreis mit nach Hause nehmen.

Bocksbeutel gab's natürlich auch für alle – und von den meisten Sportlern das Versprechen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Aus allen Teilen der Republik.

Ergebnisse und Siegerlisten gibt es auf der Homepage der Würzburger Ruderer unter: www.regattaverein-wuerzburg.de

Regattaleiter Tilmann Schenk
Regattaleiter Tilmann Schenk Foto: Paul Zöller

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