Rudern

Eine WM-Medaille ist das Ziel

„Aus dem kleinen, dicken Sechstklässler Joachim hat der ARCW doch was ganz Anständiges gemacht.“ Joachim Agne kann sich das Grinsen nicht verkneifen, als ihm diese Worte über die Lippen kommen. Locker sitzt er unter dem Pavillon, unweit des Stegs vor dem Bootshaus des Akademischen Ruderclubs Würzburg (ARCW). Es ist eine kleine Ruhepause inmitten der Vorbereitung auf die U-23-WM, die am heutigen Mittwoch im bulgarischen Plovdiv beginnt. Agne ist mittendrin statt nur dabei. Ihm ist gelungen, wovon viele Ruderer seit ihrer Kindheit träumen: Er ist für eine Weltmeisterschaft nominiert worden.

„Damit hätte ich früher gar nicht gerechnet. Als ich angefangen habe, war das Rudern einfach nur eine andere Beschäftigung, als daheim vor dem Computer zu sitzen“, erzählt der Würzburger. Die damalige Kindertrainerin, so führt Agne aus, habe in ihm ein Talent gesehen und erzählte ihm, sie brauche noch jemanden für den Doppelvierer beim Kinder-Bundeswettbewerb. „Da dachte ich mir: ,Ich hab' doch eh nicht viel zu tun' und habe es dann mal versucht“, erinnert sich der Informatik-Student zurück.

Aus diesen anfänglichen Versuchen wuchs nach und nach der Ehrgeiz. Während viele seiner Ruderkameraden mit der Zeit aufhörten, blieb Joachim Agne dabei und arbeitete zielstrebig an sich. „Man muss seinen Tag natürlich organisieren. Das hat mir aber schon in der Schulzeit geholfen: Nachdem ich mit dem Rudern angefangen hatte, wurde ich sogar besser in der Schule“, berichtet der Leichtgewichtler, für den die Nominierung für die Weltmeisterschaft vom 22. bis 26. Juli Belohnung und Bestätigung zugleich ist. Dafür, dass er um 7.45 Uhr im Boot sitzt, um die ersten Kilometer schon hinter sich gebracht zu haben, wenn dann um 10.15 Uhr die Vorlesung auf dem Programm steht. „Man braucht eine gewisse Standfestigkeit und darf nicht so oft an seinen Fähigkeiten zweifeln“, meint Agne, der meist in Erlangen unter dem dreifachen Olympia-Teilnehmer Ingo Euler trainiert. „Trotzdem bleibt der ARCW meine zweite Heimat“, versichert der Ausnahme-Ruderer, der mittlerweile sogar im Bootshaus des Ruderclubs lebt. So ist es dann auch fast selbstverständlich, dass der Freundeskreis des angehenden Informatikers fast nur aus Ruderern besteht.

Tolles Gemeinschaftsgefühl

„Das heißt aber nicht, dass ich mich mit meinen Kommilitonen nicht verstehe“, fügt Agne vergnügt hinzu, „hier sitzt man einfach auch mal beim Grillen zusammen oder geht ins Schwimmbad. Das Gemeinschaftsgefühl ist hier ganz anders als bei vielen anderen Vereinen. Deshalb fällt es mir auch leicht, immer wieder weiterzumachen.“ Und das, obwohl er sich beim Grillen dann doch eher mit dem Salat begnügt, als beherzt zum saftigen Steak zu greifen. Dass er ab und an auf sein Gewicht achten muss, nimmt Joachim Agne aber gern in Kauf. Zumal er ja das Ziel verfolgt, im Leichtgewichts-Doppelvierer in Bulgarien eine Medaille zu holen. „Die Konkurrenz ist nicht so groß. Wenn man da nicht eine Medaille ins Auge fassen würde, wäre man nicht ehrgeizig“, erläutert Agne.

Auch die Ergebnisse des Leichtgewichts sprechen für sich. Hervorragende Leistungen bei den Überprüfungsregatten des Deutschen Ruderverbands (DRV) in Dortmund, Leipzig und Essen sowie bei den Kleinbootmeisterschaften in Brandenburg an der Havel ermöglichten Agne den Sprung in die Auswahl der U-23-Mannschaft des DRV. Im Leichtgewichts-Doppelvierer ohne Steuermann überzeugten er und seine Crew auf der Internationalen Regatta in Ratzeburg mit einem Start-Ziel-Sieg.

Agne sitzt auch in Bulgarien wieder mit Cedric Kulbach (Karlsruhe), Jannik Menke (Hannover) und Jan Knipschild (Dortmund) im Vierer und hofft natürlich darauf, seiner bisherigen Karriere die Krone aufzusetzen.

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