Fußball: Dritte Liga

Endlich ein Heimspiel für Uerdingen-Fan Jürgen Kümmet

Er steht auf Blau und Rot: Uerdingen-Fan Jürgen Kümmet. Foto: Kranewitter

"Uerdingen? Wie kommst Du auf Uerdingen?" Jürgen Kümmet weiß nicht, wie oft er die Frage schon gehört hat. Die Antwort weiß er selbst nicht so genau. Wie wird man als Bub in Erlabrunn bei Würzburg ein Fan des KFC Uerdingen, oder von Bayer 05, wie der Verein in den 1980er Jahren noch hieß. "Mir haben die Farben Blau und Rot ganz gut gefallen und dann dieses Bayer-Kreuz auf den Trikots, von dem ich nicht wusste, was es bedeutet... Irgendwie fand ich das gut", erzählt der heute 44-Jährige von den zarten Anfängen seiner Fußballliebe.

Dann kam der Pokalsieg 1985 im Finale gegen den FC Bayern München und schließlich das legendäre 7:3 gegen Dynamo Dresden im Viertelfinale des Europapokalwettbewerbs der Pokalsieger im Frühjahr 1986. "Das Hinspiel hatte Uerdingen 0:2 verloren. Im Rückspiel stand es 1:3 zur Halbzeit. Dann hat die Mannschaft das Ding gedreht. Ich durfte damals aufbleiben und das Spiel im Fernsehen bis zu Ende schauen. Ich bin durchs Wohnzimmer getobt und danach war's um mich geschehen." Kümmet war Uerdingen-Fan und, noch viel erstaunlicher, er ist es bis heute geblieben. "Wahrscheinlich bin ich der einzige in Unterfranken. Ich kenne jedenfalls sonst keinen."

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An diesem Samstag hat er endlich einmal ein echtes Heimspiel. Sein Herzensklub spielt in der Dritten Liga um 14 Uhr (Liveticker auf mainpost.de) am Dallenberg gegen die Würzburger Kickers. Als der Klub aus Krefeld in der vergangenen Saison am Main zu Gast war, fehlte Kümmet, einst Torjäger und auch Trainer bei seinem Heimatverein TSV Erlabrunn. Den Familienurlaub traute er sich seinerzeit dann doch nicht zu verschieben.

Dabei hat er früher schon verrückte Dinge gemacht, um die Partien seines Klubs in der Grotenburg zu verfolgen. "Als ich 18 Jahre alt war, habe ich meinen Eltern gesagt, ich fahr' jetzt mal zum Spiel nach Krefeld. Ich hatte dann einen Schlafsack im Auto und bin nach den Spielen noch um die Häuser gezogen." Im Fanblock kannte man bald schon den "Jürgen aus Würzburg". 

"Bayern-Fan kann ja jeder sein. Das ist leicht. Ich habe eben ein Herz für die Kleinen."
Jürgen Kümmet

"Bayern-Fan kann ja jeder sein. Das ist leicht. Ich habe eben ein Herz für die Kleinen", erklärt sich Kümmet die eigene Begeisterung: "Bei Auswärtsspielen war es immer ein kleines Häufchen von Anhängern – außer  in Leverkusen. Da gab es eine große Rivalität." Beide Teams wurden einst vom Chemie-Riesen Bayer unterstützt. 1995 war in Uerdingen damit Schluss. Als dann auch noch Publikumsliebling Eric Meijer von Leverkusen abgeworben wurde, war der dortige Manager Rainer Calmund das Feindbild vieler KFC-Anhänger. Kümmet verbindet mit ihm aber eher angenehme Erinnerungen. "Ich habe ihm vor dem Spiel in Leverkusen mal zufällig getroffen. Als ich ihm erzählte, dass ich Uerdingen-Fan aus Würzburg bin, hat er mir gleich Freikarten für den Abend in die Hand gedrückt. Ich solle aber nicht gegen ihn schreien, hat er gesagt." Es ist eine von vielen Geschichten rund um die Fanliebe, die mehr und mehr eine Fernbeziehung wurde.

Der KFC stürzte ab bis in die Landesliga und Kümmet, daheim längst Familienvater, verfolgte die Ergebnisse nur noch am Videotext und im Internet. "Um Landesliga zu sehen, konnte ich ja auch nach Rimpar oder Kleinrinderfeld gehen", sagt er. Dann kam Alexander Ponomarev zum KFC. Der russische Mäzen und Präsident half den Klub zurückzuhieven in Liga drei. Bei den entscheidenden Aufstiegsspielen in Mannheim war Kümmet wieder dabei und für die Partie am Samstag hat er die alten Fanklamotten wieder aus der Kiste geholt. Auch wenn es der Klub in dieser Saison mit all seinen Skandalen und Affären seinem treuen Anhänger nicht allzu leicht macht: "Ich hoffe auf Stefan Effenberg. Vielleicht bringt er ja etwas Professionalität in den Verein."

Erinnerung an Pokalspiel beim SV Heidingsfeld

Am Samstag geht Kümmet mit einigen Freunden, allesamt Kickers-Fans, zum Spiel. Er freilich wird sein Heimspiel im Gästeblock verfolgen und sich erinnern an das letzte und einzige Mal, als er seinen Lieblingsklub in Würzburg spielen sah. 1987 war das, im DFB-Pokal-Wettbewerb kickte Uerdingen gegen den SV Heidingsfeld. Matthias Herget und Stefan Kuntz trafen beim 2:1 für die Gäste, Bernhard Winkler für den SVH. Es war ein Spiel, an das sich Kümmet noch lange zurückdachte. Das letzte Heimspiel für lange Zeit.

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