Fußball: Dritte Liga

Ex-Rothose Skarlatidis will gegen die Kickers nicht jubeln

Die Fans im Rücken: Simon Skarlatidis ist nach seinem Wechsel nach Kaiserslautern mit seinen Leistungen noch nicht zufrieden. Foto: Jan Huebner/Kleer via www.imago-images.de

Es wird ein besonderes Spiel. Wegen der kniffeligen Tabellensituation im Drittliga-Keller und weil es ein Treffen mit der Vergangenheit wird: Mit Simon Skarlatidis und Janik Bachmann wechselten vor der Saison gleich zwei Spieler von den Würzburger Kickers zum 1. FC Kaiserslautern. Bachmann droht mit einer Rückenprellung beim Aufeinandertreffen an diesem Samstag (14 Uhr) auszufallen. Skarlatidis indes hofft wieder in die Startelf zu rücken. "Ich hatte in Würzburg eine geile Zeit", sagt er. Sollte ihm gegen die Kickers ein Tor gelingen, dann will er deshalb auch nicht jubeln. "Das wäre natürlich schwierig", gibt Skarlatidis zu: "weil es für mich eine große Erleichterung wäre. Aber ich habe auch Respekt vor meinem Ex-Klub."

Ob der Deutsch-Grieche, der im Sommer nach zwei Jahren bei den Rothosen in die Pfalz gewechselt war, überhaupt die Chance bekommt, gegen seine ehemaligen Kollegen zu treffen, ist freilich längst keine ausgemachte Sache. Zuletzt beim Lauterer Pokal-Coup gegen den 1. FC Nürnberg saß Skarlatidis über die vollen 120 Spielminuten auf der Bank. "Natürlich freut man sich riesig für die Mannschaft. Aber es ist eben etwas anderes, wenn man nicht auf dem Feld stand. Das ist nicht so einfach", beschreibt Skarlatidis seine Gefühlswelt nach dem Pokalkrimi vom Mittwoch-Abend.

Es läuft nicht so richtig, weder für den großen Pfälzer Traditionsklub, der vor dem richtungsweisenden Vergleich drei Punkte hinter den Kickers auf einem Abstiegsplatz liegt, noch für Skarlatidis, der sich nach seinem Wechsel an den Betzenberg vieles anders vorgestellt hatte. "Das, was ich kann, habe ich hier noch nicht gezeigt", sagt er selbstkritisch. Am Morgen nach dem Lauterer Pokalsieg gegen den Club hat er wieder trainiert. Er will sich anbieten, Trainer Boris Schommers auf sich aufmerksam machen. Skarlatidis hat etwas gutzumachen. Beim 1:3 in Chemnitz am vergangenen Drittliga-Spieltag war er noch in der Startelf gestanden. "Ein Scheißspiel", sei das gewesen, berichtet Skarlatidis am Telefon. 

Es war für ihn ein Wechsel in eine andere Fußball-Welt im Sommer. Ein Karriereschritt, wie es Skarlatidis empfand: "Wir haben mit Würzburg in der vergangenen Saison guten Fußball gespielt. Aber die Qualität ist hier in Kaiserslautern einfach vorhanden. Deshalb bin ich auch gewechselt. Ich wollte mich bei einem solchen Verein mit einem solchen Kader durchsetzen." Die Erwartungen waren hoch. Dann aber verletzte sich der Schwabe mit griechischen Wurzeln, der vor seinem Wechsel nach Würzburg bei Erzgebirge Aue auch einige Zweitliga-Einsätze absolvierte, kurz vor Saisonbeginn: ein Haarriss im Wadenbein. Skarlatidis saß an den ersten Spieltagen draußen und musste tatenlos zuschauen. "Dann lief es auch bei der Mannschaft nicht so gut. Da kam eines zum anderen", sagt er rückblickend zum holprigen Start bei seinem neuen Klub.

In Würzburg war Skarlatidis mit 16 Toren in den letzten beiden Spielzeiten nicht nur ein torgefählicher Mittelfeldmann sondern auch einer der Lieblinge des Publikums gewesen. In Kaiserslautern muss er sich die Zuneigung der Anhänger neu erarbeiten und das ist gerade bei Misserfolgen nicht einfach: "Hier wird eine Niederlage ganz anders wahrgenommen als in Würzburg. Der FCK ist halt ein richtig großer Klub mit einer riesigen Tradition. Die Emotionen sind andere als bei anderen Klubs." Der Druck, die Erwartungen können einen auch hemmen. "Spaß und Leidenschaft sind für mich die wichtigsten Dinge beim Fußball. Die darf ich mir nicht nehmen lassen", sagt Skalatidis.

Abschied als Pokalsieger: Simon Skarlatidis und Ex-Kollege Orhan Ademi mit dem Toto-Pokal nach dem Finalsieg der Würzburger Kickers im Mai in Aschaffenburg. Foto: Frank Scheuring

Warum diese Lauterer Mannschaft, in der mit ihm und Bachmann zwei der besten Würzburger Akteure der Vorsaison stehen, in die Abstiegszone gerutscht ist, da hat Skarlatidis seine Theorie: "Viele Spieler waren in der Vergangenheit Führungsspieler. Aber man muss eine gesunde Mischung haben. Es kann nicht nur Häuptlinge geben." Die Querelen im Umfeld, das Theater um den möglichen Investor Flavio Becca aus Luxemburg, die Rücktritte in der Vereinsführung – "Natürlich bekomme ich das mit", sagt Skarlatidis. An sich heran lasse er die Geschichten aber nicht. Leistungsfördernd dürfte ein solches Klima freilich nicht sein. Den Betze-Geist hat der 28-Jährige freilich schon längst verinnerlicht: "Kratzen, beißen, laufen - das wollen die Fans überall sehen, aber hier ganz besonders." Gegen die Kickers soll mit dem Pokalsieg im Rücken, die Wende zum Guten eingeleitet werden. Und Skarlatidis wäre gerne dabei, auch wenn er gegen die Würzburger nicht  jubeln will.

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