BASKETBALL: BUNDESLIGA

Interview: Was sich die Baskets besonders wünschen

s.Oliver Würzburg Zweimal waren Würzburgs Bundesliga-Basketballer zuletzt als Neunter an den Play-offs vorbeigeschrammt. In dieser Saison soll der Sprung unter die besten Acht zum dritten Mal glücken. Pflicht sei dies aber nicht, betont Geschäftsführer Steffen Liebler.
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„Wir sind ein ambitionierter Klub“, sagt Steffen Liebler, Geschäftsführer von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg. Foto: Heiko Becker

An den Ambitionen von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg lässt Steffen Liebler keine Zweifel: „Wir wollen in allen Bereichen immer besser werden.“ Im Interview spricht der Baskets-Geschäftsführer zudem über die neue Kontinuität im Kader, warum der Klub auf die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb verzichtet hat – und weshalb Cheftrainer Denis Wucherer perfekt zu den Baskets passt.

Frage: Am Donnerstag startet s.Oliver Würzburg in Oldenburg in die neue Bundesliga-Spielzeit. Mit welchen Erwartungen gehen Sie und der Klub in die fünfte Saison in Folge im Korbjäger-Oberhaus?

Steffen Liebler: Grundsätzlich, wie immer, mit relativ hohen Erwartungen. Eines unserer Ziele ist es, immer alles zu geben und in allen Bereichen immer besser zu werden. Deshalb wollen wir auch ein Klub sein, der sportlich überperformed oder der zumindest versucht überzuperformen und der auch ein gewisses Ziel verfolgt. Da ist ja immer das über allem schwebende Wort von den Play-offs. Ich sehe eine Teilnahme nicht als Pflicht an, aber wir müssen auf jeden Fall eine Mannschaft sein, die um die Play-offs mitspielt.

Vergangene Saison wurde die Zielsetzung forscher formuliert . . .

Liebler: Wenn man die zurückliegende Saison-Vorbereitung betrachtet und sich den Sommer über mal umhört, was die anderen Vereine so treiben, wird schnell klar, dass das Erreichen der Play-offs eine extrem schwere Aufgabe wird, der wir uns aber stellen wollen. Die Liga wird immer stärker, viele Vereine entwickeln sich sehr gut. Ich denke, wir zählen auch dazu. Wir werden aber nichts um jeden Preis erzwingen, sondern im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter arbeiten. Wir sind ein ambitionierter Klub und werden alles dafür tun, dass wir bis zum Schluss im Rennen um die Play-offs dabei sein können, und dass wir am Ende dann auch wieder unter den besten acht Mannschaften sind. Aber wenn es nicht klappen sollte, wäre das auch kein Beinbruch.

Überperformen heißt übersetzt also auch, dass die Baskets von den finanziellen Eckdaten kein gesetztes Play-off-Team sind.

Liebler: Ja, das ist so. In der BBL marschieren mittlerweile fünf, sechs Vereine vorneweg. Ich will nicht sagen, dass sie gesetzt sind, aber sie sind den anderen mehr oder weniger deutlich voraus. Dann sind da einige Borderline-Teams, da gehören wir sicher dazu, aber auch Klubs wie Ludwigsburg, Frankfurt, Bayreuth, Braunschweig oder Vechta, die alle auch den Anspruch haben, unter die letzten Acht zu kommen. Und dann gibt es meistens einen, den vor der Saison niemand auf dem Zettel hat.

Zudem wird der zur neuen Saison eingeführte Mindestetat von drei Millionen Euro dafür sorgen, dass die Liga von unten her noch enger zusammenrücken wird.

Liebler: Richtig. Gießen und der MBC haben neuerdings einen Namenssponsor, Hamburg als Aufsteiger hat sicher auch nicht den schlechtesten Etat. Einige Namen, die dort verpflichtet wurden, kennt man ja. Ex-Nationalspieler Heiko Schaffartzik zum Beispiel oder Marshawn Powell, der 2016/17 bei uns war. Da wissen wir, in welcher Gehaltsklasse er liegt. Jetzt haben wir schon über so viele Mannschaften gesprochen, fast alle eigentlich. Das zeigt, wie hoch die Leistungsdichte in der neuen Saison vermutlich sein wird. Da wird es kein einfaches Spiel geben, jede Partie wird eine Herausforderung. Aber wir hoffen, dass wir am Ende ein Team sind, das auf der lachenden Seite steht und sich nicht unten eingräbt. Ich bin aber überzeugt, dass wir eine Mannschaft haben, gegen die keiner gerne spielen wird.

Wie wichtig ist es denn für die Baskets, dass man es nach vielen Jahren endlich mal geschafft hat, den Großteil der Mannschaft zusammenzuhalten?

Liebler: In den Planungen für die anstehende Spielzeit hatte das bei uns die höchste Priorität. Nach den vielen Trainer-Wechseln von Doug Spradley über Dirk Bauermann zu Denis Wucherer haben wir mit ihm einen gefunden, unter dem wir letzte Saison einen extrem attraktiven Basketball gespielt haben. Denis passt mit seiner Art einfach nach Würzburg, die Zusammenarbeit mit ihm macht großen Spaß.

Was die Spieler, die verlängert haben, wohl genauso sehen.

Liebler: Denis hat da einfach ein Händchen. Einige spielen ja mittlerweile schon ein paar Jahre für ihn. Und für uns bedeutet, einen Trainer länger als ein Jahr da zu haben, dass man im Sommer eine Saison ganz in Ruhe planen kann. Für uns ist es ein großer Erfolg, den Kern des Kaders weiterverpflichtet zu haben. Das Wichtigste daran ist, dass die Fans und Sponsoren sehen, dass wir Identifikation schaffen. Die jährlichen Wechsel tun uns allen nicht gut. Klar kann es immer auch wieder anders kommen, weil sich Spieler für höhere Aufgaben empfehlen oder es nicht so funktioniert, wie man es sich erhofft hatte. Aber unsere Ausrichtung ist, das sieht man ja auch an den Vertragslaufzeiten, dass wir den eingeschlagenen Weg fortsetzen wollen.

Der Vertrag von Cheftrainer Denis Wucherer läuft hingegen nach dieser Saison aus.

Liebler: Es ist kein Geheimnis, dass ich mit Denis bereits jetzt immer wieder über die Zukunft spreche. Ich weiß, dass er sich in Würzburg sehr wohl fühlt, dass das Gesamtpaket für ihn hier auch familiär total gut passt. Und natürlich haben wir ein Interesse daran, wenn möglich, langfristig mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich hoffe, dass wir trotz des schweren Auftaktprogramms gut in die Saison starten, damit wir auch Ruhe im Umfeld haben. Dann werden wir sicher einen guten Zeitpunkt finden, um uns hinsichtlich einer Vertragsverlängerung zusammenzusetzen.

Umgekehrt wird der Klub ihm sicher aber auch eine Perspektive bieten müssen, denn nicht zuletzt das erfolgreiche Auftreten auf internationalem Parkett letzte Saison hat auch Begehrlichkeiten geweckt.

Liebler: Es gab in der Tat Angebote anderer Vereine für Denis, wir haben da auch offen drüber gesprochen. Daher sind wir als ambitionierter Klub auch gefordert, damit er den nächsten Schritt als Trainer machen kann. Das heißt für uns Vollgas geben hinsichtlich Spieler-Etat, auch der europäische Wettbewerb ist ein Thema. Wobei man sagen muss, dass das ja zumindest ein bisschen auch in seinen Händen liegt (er lacht). Wenn wir es schaffen sollten, uns für die Champions League zu qualifizieren, dann wären wir die Letzten die sagen, das machen wir nicht. Denis hat da an uns mit Recht auch einen gewissen Anspruch. Wir müssen zusehen, dass wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Anders als in der Vorsaison hat sich der Klub dieses Mal entschieden, nicht wieder im Europe-Cup-Wettbewerb anzutreten, der mit dem Finaleinzug eine unerwartete Erfolgsgeschichte wurde. Können Sie den Unmut mancher Fans oder Spieler nachvollziehen, dieses Jahr auf eine Teilnahme zu verzichten?

Liebler: Ja, das kann ich. Das darf für unsere Überlegungen aber keine Rolle spielen. Unser Ziel ist es, nachhaltig Basketball in der Bundesliga zu spielen. Wenn wir mehr Geld ausgeben, als wir haben, macht das kurzfristig Sinn, aber in Zukunft keinen Spaß mehr. Das wissen wir nur zu gut aus der Vergangenheit. Der Fiba Europe Cup war eine tolle Erfahrung, aber mit Blick auf den Mehraufwand, der letzte Saison von unseren Sponsoren aufgefangen wurde, haben wir entschieden, dass wir an diesem Wettbewerb nicht mehr teilnehmen.

Apropos Sponsoren: Die maßgeblichen Geldgeber haben zuletzt ihr Engagement verlängert, teils langjährig. Wirtschaftlich scheinen die Baskets auf einem soliden Fundament zu stehen.

Liebler: Absolut, für uns war der Sommer in dieser Hinsicht sehr erfolgreich. Der Großteil unserer Sponsoren hat verlängert, und wir konnten einige neue dazu gewinnen. Dass wir mit Knauf, einem Partner der ersten Stunde, die Zusammenarbeit für weitere drei Jahre festzurren konnten, ist natürlich super. Mit BVUK. als neuem Trikothauptsponsor haben wir einen weiteren starken Partner, auf den wir uns verlassen können, ebenso wie auf die Trikotsponsoren Brose und Euroshop. Wir sind beim Budget auf einem guten Weg und bewegen uns in ähnlichen Gefilden wie im Vorjahr. Der Spieleretat ist nahezu identisch, der Gesamtetat, der jedes Jahr etwas variiert, aufgrund der fehlenden Teilnahme am internationalen Wettbewerb etwas niedriger.

Mit dem bevorstehenden Rückzug von Bernd Freier von der Unternehmensspitze bei s.Oliver befürchtet mancher, dass er dies auch über kurz oder lang auch als Allein-Gesellschafter bei den Baskets tun könnte. Der Vertrag mit dem namensgebenden Hauptsponsor läuft jedenfalls nächste Saison aus . . .

Liebler: Bernd Freiers Engagement für unseren Klub ist enorm. Er ist mit Leib und Seele dabei und ist mit seiner Energie ein Vorbild, das uns alle anspornt. Die Baskets sind für ihn eine Herzensangelegenheit, vor allem wenn wir gewinnen (er lacht). Aber es stimmt, der Vertrag mit s.Oliver läuft aus, und wir werden zeitnah über eine Verlängerung sprechen. Momentan hat er aber noch andere Themen auf dem Tisch, die für ihn Priorität haben. Aber um es klar zu sagen: Es gibt keinerlei Signale von ihm, sich bei den Baskets zurückzuziehen.

Wenn Sie einen Wunsch für die Saison frei hätten, welcher wäre das?

Liebler: Ich hätte gerne mal wieder eine oder zwei Überraschungen gegen die Top-Mannschaften, vor allem zu Hause. Das hat letzte Saison gefehlt. Wir waren nach einem holprigen Saisonstart extrem zuverlässig gegen die Klubs hinter uns, aber auch nicht überzeugend gegen die Mannschaften über uns. Da haben wir nur Bonn geschlagen, ansonsten alle anderen 15 Partien gegen die Top Acht verloren. Das würde ich gerne ändern. Auch unsere treuen Fans hätten sich so ein Erfolgserlebnis wieder einmal verdient. Im Oktober haben wir gegen Berlin und Bayern München schon mal zwei Gelegenheiten dazu.

Steffen Liebler

Seit Februar 2011, damals noch an der Seite der beiden Baskets-Gründer Jochen Bähr und Klaus Heuberger, steht Steffen Liebler in Verantwortung bei s.Oliver Würzburg. Er hat alle Aufs und Abs des Klubs wie das Erreichen des Play-off-Halbfinals 2011 nach dem Viertelfinal-Sieg über Alba Berlin oder die Europapokal-Finalspiele gegen Dinamo Sassari im Mai dieses Jahres genauso er- und durchlebt wie die Beinahe-Insolvenz im Herbst 2013 und den Abstieg im Frühjahr 2014. Seit vergangenem Jahr, nach der Trennung von Gunars Balodis, ist der 35-Jährige wieder alleiniger Geschäftsführer bei den Baskets. (sam)
Interview mit Steffen Liebler (Geschäftsführers s.Oliver Würzburg)
Steffen Liebler im Gespräch mit Stefan Mantel (rechts) und Thomas Brandstetter. Foto: Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker)

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