RUDERN

Joachim Agne träumt von der Titelverteidigung

Der Würzburger Ruderer Joachim Agne auf dem Bootssteg des ARCW. Foto: Natalie Gress

Die zweite von rechts unter den 100 ist es. Die Medaille, die Joachim Agne an den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere erinnert. Die goldene von der Weltmeisterschaft 2018. Im Rucksack brachte er sie vor einem halben Jahr aus dem bulgarischen Plovdiv mit nach Würzburg. Dort baumelt sie seither neben seinen anderen 99 Medaillen – chronologisch geordnet – an einem 3,70 Meter langen Riemen in seinem Zimmer im Bootshaus des Akademischen Ruderclubs Würzburg (ARCW). „Bald ist er voll“, sagt Agne und lächelt.

Zu gerne würde der 24-Jährige bei der diesjährigen WM im September in Linz mit dem Leichtgewichts-Doppelvierer seinen Titel verteidigen. Doch dazu muss er erst mal für das Boot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) gesetzt werden. Seine Chancen stehen gut, nachdem er Ende März bei einem Einladungsrennen in Köln unter acht Ruderkollegen – sieben von ihnen waren schon Weltmeister – den vierten Platz belegte. Damit demonstrierte er seine gute Form.

Vergangene Woche beim Ergotest auf einer Rudermaschine in Leipzig blieb Agne über 2000 Meter zwar drei Sekunden unter seiner Bestzeit, doch er hofft, dass das nebensächlich wird, wenn er am Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft der Kleinboote in Köln überzeugt. Denn dort fällt die endgültige Entscheidung.

Rund 40 Boote sind laut Agne gemeldet, alle Plätze werden im Einer ausgefahren. „Daraus ergibt sich dann eine Rangliste, die eines der Kriterien für den DRV bei der Besetzung der WM-Boote ist.“

Förderung durch Sporthilfe

Die schnellsten beiden Ruderer bilden in der Regel den Doppelzweier, der Drittplatzierte geht im Einer an den Start, und die Athleten auf den Plätzen vier bis sieben besetzten den Doppelvierer. Sprich: Erreicht Agne das Finale der Top Sechs, ist ihm ein Platz im Vierer auf jeden Fall sicher. Sein WM-Titel gibt ihm „Mut, anzugreifen“ und „Selbstbewusstsein, dass ich in der Quali im Kampf um die entscheidenden Plätze eingreifen kann“.

Nicht nur sein Selbstbewusstsein hat einen Schub erhalten, auch in Sachen Sportförderung hat sich für den Würzburger etwas zum Positiven verändert. Im vergangenen Jahr bekam er in der nicht-olympischen Bootsklasse des Leichtgewichts-Doppelvierers von der Deutschen Sporthilfe nur eine sogenannte Basisförderung – ein praktisches Angebot, zum Beispiel die Physiotherapie am Olympiastützpunkt in München in Anspruch nehmen, das Agne in Würzburg freilich nichts nutzte.

Durch einen neuen Beschluss, die Athleten aller Klassen zu fördern und Agnes Einstufung in das „Topteam Future“ des DRV erhält er inzwischen eine finanzielle Förderung: 300 Euro von der Sporthilfe plus 400 Euro durch ein Deutsche-Bank-Stipendium. „Dadurch bin ich nicht mehr von Rücklagen abhängig, kann mich mehr auf den Sport konzentrieren und muss mir keinen Stress mit dem Studium machen.“ Der Informatikstudent hat alle Prüfungen an der Uni Würzburg abgeschlossen und bestanden, jetzt fehlt nur noch die Masterarbeit. „Ende des Jahres will ich damit fertig sein. Nach der WM.“

Vor der Quali in Köln sollte Joachim Agne noch seinen WhatsApp-Status ändern. Der da heißt: „Warum sollte ich abmelden, wenn der Weltmeister gemeldet hat?“ Der 24-Jährige stimmt lachend zu und erklärt: „Den Satz hat mein Trainer 2016 einmal gesagt, als ich noch an der U-23-WM teilgenommen habe.“ Auch wenn er damals Siebter wurde, so „hab ich zu der Zeit gemerkt, dass auch manche Weltmeister zu schlagen sind und ich mich nicht fürchten muss, gegen sie anzutreten“. Erst recht nicht jetzt, wo er selbst als einer ins Rennen geht. Ein bisschen Platz an seinem Medaillenriemen wäre noch.

Joachim Agnes Erfolggeschichte in Edelmetall. An einem Riemen in seinem Studentenzimmer im ARCW-Bootshaus hängen seine Medaillen. Die zweite von rechts: das WM-Gold von 2018. Foto: Natalie Gress

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Natalie Greß
  • Bildungsabschluss
  • Doppelvierer
  • Doppelzweier
  • Masterarbeiten
  • Rudersportler
  • Ruderverbände
  • Sportlerinnen und Sportler
  • Studium und Hochschulbildung
  • Weltmeister
  • Weltmeisterschaften
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!