Fußball: Dritte Liga

Kickers: Erinnerungen an den Wahnsinn von Unterhaching

Die 4:5-Niederlage im denkwürdigen Hinspiel tut Kickers-Trainer Michael Schiele noch heute weh. Ein Rückblick auf das wohl spektakulärste Drittliga-Spiel dieser Saison.
Dokument des Wahnsinns: die Anzeigetafel im Unterhachinger Sportpark beim Schlusspfiff. Foto: Frank Scheuring

Würzburger Kickers gegen SpVgg Unterhaching – kein Fußballspiel wie jedes andere. Die Partie, mit der die Rothosen am Samstag (14 Uhr, Liveticker auf mainpost.de) in das Drittliga-Jahr 2020 starten, hat es in sich. Das liegt schon alleine am Hinspiel. Die Erinnerung an die letzte Begegnung mit den Münchner Vorstädtern kann den Würzburger Kickers noch heute die Stimmung verhageln. "Das ist alles schon fast verdrängt", sagt Trainer Michael Schiele, der vor dem erneuten Aufeinandertreffen nur ungern in den Erinnerungen an diesen 27. Juli 2019 kramt. 

Dabei war es ein Erlebnis, wie man es in einer Trainerkarriere nicht so oft hat. Nur dass die Kickers und Schiele bei diesem Fußball-Wunder eben auf der falschen Seite standen, auf der der Verlierer, die sich am Ende fragten, was um Himmels Willen da über sie hereingebrochen war. Diese 4:5-Niederlage der Kickers hat, das kann man im Rückblick durchaus so feststellen, den Lauf der Saison maßgeblich beeinflusst. "Ich glaube, dass dieses Spiel die Würzburger noch ein paar Wochen beschäftigt hat", sagte Unterhachings Trainer Claus Schromm bei der Pressekonferenz am Freitag vor dem Rückspiel. Zwei weitere Drittliga-Niederlagen in Serie setzte es für die Rothosen damals, inklusive des Absturzes in die Abstiegszone. Seither haben es die Kickers nicht mehr geschafft, in die obere Tabellenhälfte zu klettern. Das soll sich nun mit dem Rückspiel nun ändern. Doch zuvor noch ein flüchtiger Blick zurück auf den Wahnsinn von Unterhaching:

Daniel Hägele fehlen die Worte

Am Ende stand Daniel Hägele damals vor der Kabine. Auf der Aufnahme ist im Hintergrund die Stadionmusik zu hören. Es lief Wolfgang Ambros: "Zwickt's mi, i man, i tram. Des dorf net wohr sein, wa samma daham." Hägele, der Kickers-Routinier, klingt frustriert: "Absoluter Schrott, absolut bedient. Ich kann's gerade nicht erklären und finde keine Worte." Die Rothosen waren konsterniert am Ende einer Partie, von der sie noch heute behaupten, es sei über lange Phasen eines ihrer besseren Spiele in dieser Saison gewesen.

Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf: Die Unterhachinger bejubeln den Ausgleich zum 4:4. Foto: Frank Scheuring

Zweifelsohne stimmt das für Dominik Widemann. Zwei Tore gelangen dem Offensivmann ausgerechnet im Spiel gegen seinen Ex-Klub. Es sollten seine bislang einzigen Drittliga-Treffer für die Kickers bleiben. Widemanns Tore, dazu Treffer von Luke Hemmerich und Luca Pfeiffer hatten dazu beigetragen, dass die Kickers schon nach 48 Minuten mit 4:2 führten. "Wir hätten das fünfte und sechste Tor nachlegen müssen", erinnert sich Kickers-Coach Schiele. Die Kickers hatten tatsächlich die besseren Chancen.

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Kickers: Gegen Unterhaching ist noch eine Rechnung offen

Das spektakulärste Spiel der Saison

Es gehört freilich auch zu diesem bislang wohl mit Abstand spektakulärsten Spiel dieser Drittliga-Saison, dass auch noch das Wetter Kapriolen schlug. 56 Minuten waren im Sportpark in Unterhaching gespielt, als der Himmel mit einem mächtigen Donnerschlag seine Schleusen öffnete. Ein Unwetter tobte sich sich aus. Eine Viertelstunde lang war die Partie unterbrochen. "Ein Tor reicht, dann wackelt der Gegner", sagte Unterhachings Trainer Schromm damals während der Unterbrechung zu seinen niedergeschlagenen Schützlingen in der Kabine.

Kickers TV: Die Vorschau auf das Spiel am Samstag

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SpVgg Unterhaching - FC Würzburger Kickers

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Er sollte spät an diesem Tag noch Recht behalten. Im Liveticker ist die Spielminute 90+16 vermerkt für den Anschlusstreffer zum 3:4. Zieht man die Spielunterbrechung ab, war es die 88. Minute. Kurz vor Schluss also, ein Schönheitsfehler, dachte man da unter dem Kabinendach noch, was soll nun passieren? Denkste! Schon der Ausgleich, letztlich war Kickers-Torwart Eric Verstappen mit seinem Hinterkopf als Letzter am Ball gewesen, nachdem zuvor ein Freistoß an den Pfosten gekracht war, war für die Kickers ein echter Niederschlag. Die Abwehr löste sich in ihre Einzelteile auf. Moritz Heinrich hieß der Unterhachinger Siegtorschütze in Spielminute 90+4, beziehungsweise 90+22. Im sonst eher beschaulichen Hachinger Sportpark brach daraufhin der Wahnsinn los. Die Kicker der Spielvereinigung lagen in mehreren Jubeltrauben übereinander. Die Kickers trotteten wie geprügelt in die Kabine.

"Das tat weh"

"Das tat weh", sagt Kickers-Trainer Schiele vor dem Wiedersehen: "Wir müssen auch aufpassen, dass wir nicht überdrehen, weil wir zu viel gutmachen wollen."  

Die Pressekonferenz in Unterhaching vor dem Spiel am Samstag:

Wiedersehen mit Ex-Kickers-Akteur Felix Müller
Sechs Punkte mehr als die Würzburger Kickers (13./27) und genauso viele wie der Tabellendritte Waldhof Mannheim hat die SpVgg Unterhaching (5./33) derzeit auf dem Konto. "Wenn wir in der Rückrunde einen Lauf kriegen, nehmen wir’s auch diese Saison gerne mit", sagt Präsident Manni Schwabl mit Blick auf einen möglichen Zweitliga-Aufstieg, der mittelfristig schon das Ziel der Oberbayern ist: "Ich bleibe dabei: Wir möchten in den nächsten zweieinhalb Jahren raufkommen", so Schwabl im "Münchner Merkur". In der Winterpause haben sich die Hachinger mit Felix Müller, Ex-Kickers-Spieler vom SV Sandhausen, und Alexander Fuchs vom 1. FC Nürnberg verstärkt. Für beide ist an diesem Freitag auch die Spielberechtigung eingetroffen.

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