FUßBALL: BAYERNLIGA-DERBY

Kickers vs. WFV: „Rot gegen Blau ist immer etwas Besonders“

Bayernliga-Derby: Seit jeher sind die beiden Stadtklubs Rivalen. Am Montag treffen der Würzburger FV und die U 23 des FC Würzburger Kickers zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander. Eine emotionale Begegnung – auch für die beiden Trainer.
Sie kennen und schätzen sich seit über 25 Jahren. Am Montag werden Claudiu Bozesan (links) und Marc Reitmaier das für 90 Minuten vergessen – dann treffen ihre Mannschaften in der Fußball-Bayernliga aufeinander.
Sie kennen und schätzen sich seit über 25 Jahren. Am Montag werden Claudiu Bozesan (links) und Marc Reitmaier das für 90 Minuten vergessen – dann treffen ihre Mannschaften in der Fußball-Bayernliga aufeinander. Foto: Daniel Biscan

Wenn der Würzburger FV auf den FC Würzburger Kickers trifft, dann geht es dabei für viele Würzburger nicht nur um Fußball, sondern es stellt sich eine Glaubensfrage. So kochen auch vor der Begegnung der Zellerauer mit der U 23 die Emotionen bereits hoch. Das Spiel findet am Montag um 19 Uhr statt, weil zeitgleich der FC Schweinfurt 05, dessen Fans eine Freundschaft mit dem WFV verbindet, bei Fürths Reserve antreten muss. Die Verantwortlichen beim Bayerischen Fußballverband erhoffen sich davon, dass weniger Schnüdel-Anhänger nach Würzburg kommen und so die Wahrscheinlichkeit auf gewaltsame Zusammenstöße mit Kickers-Fans sinkt. Gleichzeitig drohten bereits einige WFV-Fans mit einem Boykott des Derbys, weil dieses nicht – wie zunächst angedacht – in der Flyeralarm-Arena, sondern auf dem Gelände des Post SV Sieboldshöhe stattfindet. Die beiden Trainer Claudiu Bozesan (FC Würzburger Kickers, 50) und Marc Reitmaier (Würzburger FV, 33) sprachen mit dieser Redaktion über ihre langjährige Freundschaft, die Macht des Derbys und Liebe auf den ersten Blick.

Frage: Sie beide kennen sich schon lange. Wo haben sich Ihre Wege bisher gekreuzt?

Marc Reitmaier: Wir haben uns kennengelernt, da war Claudiu noch Spieler bei den Würzburger Kickers. Er hat unter anderem mit meinem Vater zusammengespielt, der da ja viele Jahre aktiv war. Ich war so fünf oder sechs Jahre alt und natürlich bei fast jedem Spiel dabei. Daher kenne ich Claudiu also nun schon seit über 25 Jahren.

Claudiu Bozesan: Ja, Marc war vier oder fünf Jahre alt, als ich ihn kennengelernt habe. Er war damals sehr nett, sehr freundlich und sehr gut erzogen.

Damals? Ist er das heute auch noch?

Bozesan: Ja. Ich denke schon (lacht). Ich glaube nicht, dass er sich geändert hat (Reitmaier lacht). Aber am Montag werden wir das mal kurz vergessen – da kennen wir uns 90 Minuten lang nicht. Danach geht es normal weiter (lacht).

Ist das Spiel des WFV gegen die U 23 der Kickers für Sie beide ein echtes Derby, oder nicht?

Bozesan: Ich denke, es ist ein Prestigespiel. Rot gegen Blau, das ist immer etwas Besonderes. Natürlich spielt unsere zweite Mannschaft gegen die erste Mannschaft des WFV, aber ich denke, dass es vor allem für die Fans ein sehr interessantes Spiel wird. Egal, ob man es jetzt Derby nennt, oder nicht.

Reitmaier: Für mich ist es ein richtiges Derby und auf jeden Fall ein besonderes Spiel. Gerade, weil die erste Mannschaft der Kickers im Profibereich angesiedelt ist und damit aus dem Amateurfußball herausfällt, sehe ich die Begegnung mit der zweiten Mannschaft als echtes Derby.

Wie haben Sie die Stimmung im Hinspiel empfunden? War die derbymäßig?

Reitmaier: Ich finde schon. Wir hatten rund 1700 Zuschauer, es war gute Stimmung, es waren von beiden Mannschaften viele Fans da. Ich glaube, dass es an der Mainaustraße lange nicht so ein Spiel gegeben hat.

Bozesan: Es war eine schöne Kulisse. Wenn man vor rund 1700 Zuschauern spielt, ist das ein Erlebnis. Das zeigt auch, dass so eine Begegnung ein sehr besonderes Spiel ist.

Was erwarten Sie für das Rückspiel? Von den 800 Tickets wurden – Stand Freitag – rund 500 verkauft. Aber selbst wenn alle weggehen, werden aufgrund des Kartenkontingents weniger Leute da sein als beim Hinspiel. Kann es trotzdem ähnlich atmosphärisch werden?

Reitmaier: Beim Post SV Sieboldshöhe geht es sehr eng zu. Da sind die Zuschauer ganz nah dran am Spielfeld. Ich denke, dass alle 800 Karten verkauft werden und kann mir vorstellen, dass es dann aufgrund der Gegebenheiten vor Ort von der Atmosphäre und der Stimmung her sogar noch intensiver wird als beim Hinspiel.

Herr Reitmaier, einige WFV-Fans haben angekündigt, das Derby boykottieren zu wollen, weil das Spiel nicht in der Flyeralarm-Arena stattfindet. Finden Sie das schade?

Reitmaier: Ja, schon. Schließlich haben uns die Fans die ganze Saison über hervorragend unterstützt – auch in weniger guten Phasen. Letztendlich bin ich aber für die Leistung der Mannschaft zuständig und dafür, dass wir das auf den Platz bekommen, was wir uns vornehmen. Ich vertraue auf die Erfahrung meines Teams. Die Jungs haben bereits mehrfach gezeigt, dass sie auch mit schwierigen Situationen umgehen können.

Herr Bozesan, Sie haben das Hinspiel mit 1:2 verloren und waren dem WFV auch im Finale der Stadtmeisterschaft unterlegen. Wie sehr brennen Ihre Jungs darauf, Revanche zu nehmen?

Bozesan: Die Jungs sind heiß. Wir stehen auf dem achten Platz, einen Punkt vor dem WFV. Wir wollen vorne bleiben. Um uns zu überholen, muss der WFV gegen uns gewinnen.

Herr Reitmaier, Sie werden sich wohl auch kaum die Butter vom Brot nehmen lassen wollen, oder? Zumal Sie die Kickers mit einem Sieg eben in der Tabelle überholen könnten.

Reitmaier: Bei solchen Spielen ist die Tabellenkonstellation zweitrangig. Da geht es um Prestige. Das wissen wir. Dass wir mit einem Sieg an den Kickers vorbeigehen können, ist da nur eine Zugabe. Wir werden uns auf jeden Fall gut vorbereiten. Wir haben immer wieder ein paar angeschlagene Spieler, aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir eine Mannschaft auf den Platz bekommen, die mit ihrer Einstellung überzeugt.

Apropos angeschlagene Spieler. Herr Reitmaier, wie geht es Stefan Wasser? Er hatte sich ja gleich zu Beginn der Saison schwer verletzt und den festen Vorsatz, zum Derby-Rückspiel wieder einsatzbereit zu sein. Für ihn wäre ein Einsatz etwas ganz Besonderes. Wie sind seine Chancen, am Montag im Kader zu stehen?

Reitmaier: Stefan nimmt inzwischen wieder vollständig am Trainingsbetrieb teil. Wir gehen da Schritt für Schritt voran. Er ist seit Juli 2016 ausgefallen, das ist eine sehr lange Zeit. Aber Stefan ist ein richtig guter Typ, er hat die richtige Einstellung, hat nie aufgegeben und sich unter Mühen wieder herangearbeitet. Deshalb gehe ich davon aus, dass er am Montag im Kader stehen wird.

Herr Bozesan, wissen Sie schon, auf wen Sie zählen können?

Bozesan: Wir haben momentan viele angeschlagene Spieler. Es gibt fünf oder sechs, die wohl nicht dabei sein können. Wir werden wahrscheinlich wieder auf A-Jugend-Spieler zurückgreifen müssen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie jemanden aus dem Kader der Zweitliga-Mannschaft einsetzen?

Bozesan: Ich glaube nicht, dass ich auf jemanden aus der ersten Mannschaft zurückgreifen kann. Bis auf die, die immer bei uns gespielt haben. Wir werden da, wie gesagt, eher auf U-19-Spieler zurückgreifen müssen.

Sie haben beide – inklusive des Derbys – noch drei Spiele vor der Brust. Der Klassenerhalt ist gesichert, Aufstiegsambitionen hatte keiner von Ihnen. Wie zufrieden sind Sie bisher mit der Saison?

Bozesan: Für uns kam der Aufstieg aus der Landesliga sehr kurzfristig. Es gab einen totalen Umbruch in der Mannschaft, wir haben viele junge Spieler und hatten nur eine kurze Vorbereitungszeit. Hinzu kam, dass wir nach der Partie gegen Sand sechs Punkte verloren haben (weil zu viele Spieler über 23 Jahre auf dem Platz waren, Anm. d. Red.). Gemessen an diesen Voraussetzungen hat das Team eine tolle Entwicklung durchgemacht und über die ganze Saison hinweg Charakter gezeigt. Für uns ging es in erster Linie darum, die Spieler zu entwickeln und die Klasse zu halten. Das haben wir geschafft.

Reitmaier: Wenn wir vergleichen, wo wir letztes Jahr um diese Zeit standen – da haben uns drei Spieltage vor Schluss noch sechs Punkte auf den Nichtabstiegsplatz gefehlt und wir haben um den Klassenerhalt gebangt – können wir jetzt zufrieden sein. Wir haben uns deutlich weiterentwickelt. Dass wir bisher eine so konstante Saison gespielt haben, war so nicht zu erwarten. Allerdings sind auch noch drei Spieltage zu gehen. Da wollen wir natürlich schauen, dass wir noch punkten.

Herr Reitmaier, Sie waren lange bei den Kickers aktiv. Erklären Sie Herrn Bozesan doch bitte trotzdem, warum es beim WFV so schön ist.

Reitmaier: Der WFV ist ein sehr familiärer Verein, der seit Jahren auf höchstem Amateurniveau spielt. Das macht den Klub auch so interessant. Das Zuschauerinteresse ist groß und das Umfeld steht bedingungslos hinter der Mannschaft. Man fühlt sich wohl beim WFV.

Und was spricht für die Würzburger Kickers, Herr Bozesan?

Bozesan: Ich bin jetzt fast 23 Jahre bei den Kickers. Das sagt schon fast alles. Für mich ist das wie eine zweite Familie. Die Kickers haben Tradition, in den letzten Jahren viele Erfolge gefeiert und eine super Entwicklung gemacht. Die Leute haben auch in schweren Zeiten immer zusammen gehalten. Das erste Mal, als ich bei den Kickers im Stadion war, das war für mich Liebe auf den ersten Blick. Ich bin stolz, für diesen Verein gespielt zu haben und zu trainieren.

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