Kleine Portionen und große Gefühle

Würzburg Sportlich absolut, vom Erlebniswert her nicht unbedingt zufriedenstellend - so lassen sich die Tage von Laura Tasch, Nora Wehrhahn und Harald Wimmer (alle ARC Würzburg) bei den Ruder-Weltmeisterschaften in Japan zusammenfassen.
Das Weltmeisterschafts-Trio des ARC Würzburg       -  Das Weltmeisterschafts-Trio des ARC Würzburg (von links): Nora Wehrhahn, Harald Wimmer und Laura Tasch.
Das Weltmeisterschafts-Trio des ARC Würzburg (von links): Nora Wehrhahn, Harald Wimmer und Laura Tasch. Foto: FOTO GÜNTHER SCHWÄRZER
Mächtig Tische und Bänke gerückt und geschmückt wurden dieser Tage beim Akademischen Ruderclub Würzburg. Schließlich galt es, die Heimkehrer von der Ruder-Weltmeisterschaft in Japan zu ehren. Als einziger Ruderclub aus Bayern war der ARCW dort vertreten - und das gleich mit drei Sportlern. Und die waren auch alle drei sehr erfolgreich. Zwar ging der Wunschtraum von einer Medaille nicht in Erfüllung, aber die Plätze vier von Harald Wimmer im Rennen der Handicap-Ruderer, fünf von Laura Tasch im Leichtgewichts-Einer und sechs von Nora Wehrhahn im Achter können sich wahrlich sehen lassen.

So gab es denn viel Lob und Anerkennung bei der Feier am Main und auch eine ganze Menge Geschenke. Die hatte sich das Trio auch verdient, denn die weite Reise ins Land der aufgehenden Sonne entpuppte sich als alles andere als eine Vergnügungsreise. In sportlicher Hinsicht hatte das sowieso keiner erwartet. Allerdings mussten die 20-jährige Laura Tasch, die 23-jährige Nora Wehrhahn und der 65-jährige Harald Wimmer auch da maximale Arbeit leisten. Was aber das Drumherum anging, hätte es schon ein wenig mehr Vergnügen sein können - zumindest für die beiden Frauen. Doch der Reihe nach.

Laura Tasch war in Doppelfunktion nach Japan geflogen. Zum einen als Ersatzruderin für den olympischen Leichtgewichts-Doppelzweier, zum anderen als Starterin im Einer. Weil sich niemand verletzte oder krank wurde, konnte sie sich ganz auf die zweite Aufgabe konzentrieren. Das gelang ihr prima. Zwar wäre ihr Boot bei der ersten Trainingsfahrt wegen des hohen Wellengangs fast untergegangen (Tasch: "Das Wasser stand schon bis zwei Zentimeter unterhalb des Bootsrandes"), aber davon ließ sich die 20-jährige Studentin nicht beeindrucken. Dritte im Vorlauf, Erste im Hoffnungslauf, Dritte im Halbfinale und schließlich Fünfte im Endlauf. 1,3 Sekunden fehlten ihr zur Bronzemedaille, geärgert hat sie das nicht. "Ich habe mich von Rennen zu Rennen gesteigert und immer mein Bestes gegeben. Dass andere noch schneller sind, das ist im Sport nun mal so. Ich bin voll zufrieden."

Weniger zufrieden war sie dagegen mit den Begleitumständen. Jeden Tag 40 Minuten einfache Wegstrecke vom 52 Stockwerke hohen Hotel in der 2,2-Millionen-Stadt Nagoya zur Ruderstrecke auf dem gut 500 Meter breiten Nagara-Fluss in Gifu. Schwülheißes Klima mit Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad, einer Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent und stets bedecktem Himmel - "ekelhaft". Und nahezu keine Möglichkeit, mit den zwar sehr höflichen und freundlichen, aber nur selten der englischen Sprache mächtigen Japanern zu reden. "Außer Hotel, Ruderstrecke und Trainingshalle haben wir nicht viel gesehen", sagt Laura Tasch. "Ich bin zwar froh, dort gewesen zu sein, aber noch einmal muss ich da wirklich nicht hin."

"Ich bin zwar froh, dort gewesen zu sein, aber noch einmal muss ich da wirklich nicht hin"

Laura Tasch über die Ruder-Weltmeisterschaft in Japan

Auch Nora Wehrhahn hat nicht mehr von Land und Leuten mitbekommen. Bei ihr kam sogar erschwerend hinzu, dass sie nicht wie ihre Klubkollegin Leichtgewichts-Ruderin ist und unter den kleinen Portionen beim japanischen Essen zu leiden hatte. "Zum Glück haben wir nach ein paar Tagen eine Pizzeria entdeckt, die auch Pizzen in Large und Party-Größe angeboten hat", sagt die 23-jährige Studentin. Auf Verständnis bei den japanischen Restaurant-Besuchern konnte sie mit dieser "Völlerei" allerdings nicht hoffen, da gab es nur Kopfschütteln.

Vielleicht lag es ja an der Verpflegung, dass Nora Wehrhahn und Co nach Rang vier im Vor- und im Hoffnungslauf im Finale über den sechsten und letzten Platz nicht hinauskamen. Im Soll lagen sie damit aber allemal. "Wir sind eine sehr junge Mannschaft und die endgültige Besetzung wurde auch erst ein paar Wochen vor der WM im Trainingslager festgelegt. Da können wir mit dem Abschneiden schon sehr zufrieden sein, auch wenn man natürlich insgeheim mit einer Medaille geliebäugelt hat", sagt Wehrhahn.

Geträumt von Edelmetall hat auch Harald Wimmer. Aber schon nach dem ersten Testrennen mit den fünf Konkurrenten im Handicap-Rennen der Behinderten-Ruderer hat der 65-Jährige gewusst, "dass wir uns eine Medaille abschminken können". Zu stark war die teils komplett mit blinden Top-Ruderern besetzte Konkurrenz gegenüber dem aus einer Kombination von geistig und körperlich Behinderten bestehendem deutschen Boot. "Von Chancengleichheit war da keine Spur, aber das hat mein Erlebnis in keiner Weise geschmälert. Ich saß mit ganz liebenswerten Menschen im Boot. Es hat riesigen Spaß gemacht und war eine ganz tolle Sache."

Mit 65 bei einer Weltmeisterschaft

Eine außergewöhnliche zudem. Denn eigentlich hatte Harald Wimmer, der aufgrund von Rheuma, einer Meningitis und eines Motorrad-Unfalls stark gehbehindert ist und Strecken über 100 Meter im Rollstuhl bewältigen muss, seine Ruder-Karriere 1999 beendet. Aber als er 2004 auf Bitten des Würzburgers Helmut Greß, einer der maßgeblichen Trainer im deutschen Behinderten-Rudern, mal wieder ins Boot stieg, war's passiert und Wimmer ruckzuck Mitglied des deutschen Handicap-Vierers. Und in Japan mit 65 der vermutlich älteste Ruderer, der je an einer WM teilnahm . . .

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