Fußball: Dritte Liga

Magath über die Kickers: "Wir müssen aus dieser Liga raus"

Der Fußball-Boss von Investor Flyeralarm will in Würzburg zeigen, dass seine Ideen nicht von gestern sind. Ob Rothosen-Trainer Michael Schiele da der richtige Mann ist?
"Es ist ja klar, dass wir aus dieser Liga raus müssen": Felix Magath will mit den Würzburger Kickers in die Zweite Liga aufsteigen.  Foto: Thomas Obermeier

Felix Magath ist zufrieden am Tag nach dem 3:1-Sieg der Drittliga-Fußballer der Würzburger Kickers gegen den FC Ingolstadt: "Was ich sagen kann ist, dass die Leistungen seit Januar gut waren. Man kann sehen, dass hier gute Arbeit gemacht wird", so der Boss von Flyeralarm Global Soccer.

Vor drei Wochen hat der 66-Jährige seinen Chefposten beim Kickers-Sponsor und -Investor angetreten, ist seither als eine Art Ober-Sportdirektor für die Flyeralarm-Klubs in Würzburg und Österreich (FC Flyeralarm Admira) zuständig. Einen Posten in den Klubs hat er nicht, das Sagen hat er – daran besteht kein Zweifel. Wer zahlt, bestimmt. Und überhaupt: Wer sollte sich schon der Meinung von Magath, dem dreifachen Meistertrainer, widersetzen?

Eine Entscheidung in der Trainerfrage steht noch aus

Wann also wird der Vertrag von Kickers-Trainer Michael Schiele verlängert, wird Magath am Morgen nach dem Sieg gegen Ingolstadt gefragt. Wann, wenn nicht jetzt, nach diesem überzeugenden Erfolg und dem 6:0 in Großaspach kurz davor? Schiele hat geliefert. Magath bleibt eine Antwort schuldig. Nein, einen Termin für die Trainerentscheidung habe er sich nicht gesetzt. "Ich sehe nicht die Notwendigkeit, irgendetwas entscheiden zu müssen."

Große Ziele: Felix Magath beim Gespräch im Presseraum der Flyeralarm Arena mit Main-Post-Redakteur Frank Kranewitter. Foto: Thomas Obermeier

Ist Schiele der richtige Mann für die ambitionierten Kickers-Ziele? "In der Dritten Liga macht man das ja ganz gut", sagt Magath über die Kickers. Aber er solle helfen, den Klub "auf ein anderes Niveau zu heben. Es ist ja klar, dass wir aus dieser Liga raus müssen, alleine aus wirtschaftlichen Gründen". Mit einer Entscheidung in der Trainerfrage ist in den nächsten Wochen also wohl noch nicht zu rechnen. Magath mag sich von einzelnen Ergebnissen nicht abhängig machen. "Die Kraft, die ein Trainer hat, bekommt er vom Verein", sagt er. Schiele bekommt sie derzeit nicht wirklich.

Das Spiel am Sonntag hatte Magath auf der Tribüne am Dallenberg verfolgt. "Die Problematik liegt auf der Hand", sagt er: "Es ist länger her, dass ich nicht in der höchsten Liga gearbeitet habe. Ich habe im Kopf, was erstklassig ist. Jetzt liegt es an mir, Abstriche zu machen."

Magath: "Die Stadionsituation in Würzburg ist unerfreulich"

Der einstige Nationalspieler, als Trainer bei sieben deutschen Erstligisten, in England beim FC Fulham und in China zuletzt bei Shandong Luneng Taishan in China tätig war, hat zum Treffen in den Kellerraum unter der Stadiongaststätte der Flyeralarm Arena eingeladen, in dem für gewöhnlich die Pressekonferenzen nach den Heimspielen stattfinden. "Die Stadionsituation in Würzburg ist unerfreulich", sagt er: "Eine Kommune muss wissen, was ein Verein im Profisport für sie wert ist."

Der 66-Jährige steht dafür, dass Bewegung in Dinge kommen: "Wir wollen in Zukunft woanders hin", sagt er: "Ohne dass ich ein Wort sagen muss, kommt das überall an. Durch meine Anwesenheit ist doch bereits eine Entscheidung gefallen." Der einstige Meistertrainer weiß um seinen Ruf.

Immer noch mit Feuereifer bei der Sache: Felix Magath. Foto: Thomas Obermeier

Magath, so ist es oft zu hören, sei mit seinen Ansichten aus der Zeit gefallen. Seine Methoden gelten als veraltet. Er sieht das freilich etwas anders: "Die Taktik so zu überhöhen, wie das derzeit geschieht, ist ein Wahnsinn. Die Entwicklung des Fußballs hat eine Richtung genommen, die ich schon lange kritisiere." Magaths Feuereifer ist zu spüren, wenn er über dieses Thema spricht. Er wird laut, gestikuliert: "Ich habe schon vor acht Jahren gesagt: 'Komisch, die Spieler haben gar keinen Spaß mehr am Fußball.'" Magath zieht sein Handy aus der Tasche sucht nach einem Artikel, in dem Tobias Haupt, Leiter der Akademie des Deutschen Fußball-Bundes, zitiert ist. "Er sagt heute genau dasselbe."

Magath will "Fußball der Zukunft" spielen

In Würzburg und Mödling bei Wien will Magath nun beweisen, dass er schon damals Recht hatte. "Da können sie sagen: Der ist von gestern. Ich sage: Das ist nicht der Fußball von gestern, sondern der Fußball der Zukunft." Als er mit Flyeralarm-Gründer und Geschäftsführer Thorsten Fischer zusammen saß, habe er ihn gewarnt. Schließlich sei Fischer ja auch schon als Sponsor bei den Fußballern des FC Bayern München engagiert gewesen und sei immer noch Partner beim DFB. "Ich bin anders, als das, was du bisher hörst und ich werde mich nicht verändern", habe er gesagt: "Ich freue mich, dass ich mit Thorsten Fischer jemanden gefunden habe, der bereit ist, dieses Risiko einzugehen, sich auf meine Vorstellungen vom Fußball einzulassen."

Und die sind ganz klar. Vom Ballbesitzfußball hält Magath rein gar nichts: "Das können vielleicht Mannschaften machen, die auf jeder Position einen Nationalspieler haben. Aber für alle anderen ist das nichts. Trotzdem gibt es viele, die danach gucken, was die ganz Großen machen. Aber so wirst du denen nie gefährlich."

Rückblick

  1. Fünf Gründe für das Kickers-Hoch
  2. Würzburger Kickers stellen Lizenzantrag für zweite Liga
  3. Kickers in Zwickau: Reißt die Serie beim Angstgegner?
  4. Kickers: Warum Zwickau nicht der Lieblingsgegner ist
  5. Streit eskaliert: Ex-Kickers-Spieler bricht Mitspieler die Nase
  6. FC Flyeralarm stellt neuen Trainer vor: Magath erntet Kritik
  7. Die Würzburger Kickers haben einen Lauf
  8. Kickers-Kommentar: Ein unwürdiges Spiel mit Michael Schiele
  9. Magath hat mit den Kickers höhere Ziele als die zweite Liga
  10. Kickers-Doppeltorschütze Sané: "Das war überragend!"
  11. Kwadwo verfolgt das Spiel im Fanblock der Würzburger Kickers
  12. Kickers: Die Noten der Roten
  13. Kickers: Sané mit perfektem Debüt beim 3:1-Sieg über Braunschweig
  14. Kickers: So einfach kann Fußball sein
  15. 3:1 gegen Braunschweig: Kickers bauen die Mini-Serie aus
  16. Gegen Braunschweig begann der Kickers-Absturz
  17. Auch ohne Gehör: Stolze Fans der Würzburger Kickers
  18. Würzburger Kickers und Liga3 zeigen Rassismus die Rote Karte
  19. Warum Leroy Kwadwo den Kickers am Samstag fehlt
  20. Kickers: Nach dem Rassismus-Eklat kommt jetzt Braunschweig
  21. Kaufoption gezogen: Das sagen Kickers-Trainer Schiele und Sontheimer
  22. Patrick Sontheimer bleibt bei den Würzburger Kickers
  23. Nach Rassismus-Vorfall in Münster: Bundesweites Stadionverbot
  24. Kickers-Spieler Kwadwo für Spielabbruch bei Rassismus auf Rängen
  25. Kickers-Akteur Kwadwo mit deutlichen Worten im Sportstudio
  26. Nach Rassismus-Eklat: Kickers-Spieler Kwadwo im ZDF-Sportstudio
  27. Rassismus-Eklat in Münster: So reagieren Kwadwo und die Kickers
  28. Affenlaute überschatten Punktgewinn der Kickers in Münster
  29. Kickers: Remis mit ekelhaften Affenlauten
  30. Die Noten der Roten
  31. Fokus auf Wien: Spielen Kickers für Magath nur eine Nebenrolle?
  32. Warum Dominic Baumann für die Kickers so wertvoll ist
  33. "Nazis raus!": Fans verhalten sich bei Rassismus-Vofall vorbildlich
  34. Würzburger Kickers bei Preußen Münster wohl ohne Hägele
  35. Von wem Kickers-Trainer Schiele eine Reaktion erwartet
  36. Besiegen die Kickers endlich den Fluch von Münster?
  37. Ist Michael Schiele der richtige Trainer für die Kickers?
  38. Sie haben gewählt: Das ist das Kickers-Tor des Jahres
  39. Voting: Wer ist der Top-Stürmer der Würzburger Kickers?
  40. Magath über die Kickers: "Wir müssen aus dieser Liga raus"
  41. Felix Magath im Interview: Ziel der Kickers ist die 2. Bundesliga
  42. Kickers lassen Aufstiegsfavoriten stolpern
  43. Kickers-Kommentar: Schiele sammelt Pluspunkte
  44. Fanlob für Kickers: "So sind sie eben!"
  45. Kickers: Die Noten der Roten
  46. Kickers fegen Ingolstadt weg: „Wir wollten den Orkan ein bisschen vorziehen!“
  47. Kickers: Schiele macht die Zusammenarbeit mit Magath Spaß
  48. Kickers: Trainer Schiele hat ein Luxusproblem
  49. Das sagt Bernd Hollerbach zu seinem Job bei Royal Excel Mouscron
  50. 6:0 in Bildern: Der historische Kickers-Sieg in Großaspach

Schlagworte

  • Würzburg
  • Frank Kranewitter
  • Deutscher Fußball-Bund
  • FC Bayern München
  • FC Fulham
  • FC Ingolstadt 04
  • FC Würzburger Kickers
  • Felix Magath
  • Fußball
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
7 7
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!