Marathon

Marathonlaufen ist ihre Sucht

Tansania Competition       -  „Die härteste Frau Deutschlands“: Ulrike Mayer-Tancic musste beim Extremlauf über 301 Kilometer von Stern TV in Tansania einen sieben Kilogramm schweren Rucksack mit sich schleppen. Trotzdem erreichte sie als einzige von fünf Startern neben Joey Kelly das Ziel.
„Die härteste Frau Deutschlands“: Ulrike Mayer-Tancic musste beim Extremlauf über 301 Kilometer von Stern TV in Tansania einen sieben Kilogramm schweren Rucksack mit sich schleppen. Trotzdem erreichte sie als einzige von fünf Startern neben Joey Kelly das Ziel. Foto: Thomas Stachelhaus

Freiwillig 42,195 Kilometer laufen, und das zweimal im Jahr? Für viele unvorstellbar. Für Ulrike Mayer-Tancic Alltag. Die 52-Jährige betreibt seit dem Jahr 2000 Laufen als Leistungssport. Beim Würzburger iWelt Marathon am Sonntag wird sie als Zugläuferin an den Start gehen.

Als Jugendliche ruderte Mayer-Tancic, mit 17 hörte sie auf und wurde zum Sportmuffel. Sie rauchte viel, bis sie mit 35 Jahren dadurch Asthma bekam. Ein kalter Entzug sollte her: Von einen Tag auf den anderen hörte die Kraillingerin auf und ging stattdessen laufen. „Ich habe am Anfang alles falsch gemacht“, erinnert sie sich. Mit alten Turnschuhen sei sie abends eine Fünf-Kilometer-Runde gelaufen – so schnell, dass sie komplett außer Atem war, „um auch ja keine Lust mehr auf eine Zigarette zu haben“. Heute hat die Schulsekretärin bereits 34 Marathons auf dem Konto. „So hat eine Sucht die andere ersetzt“, sagt sie mit einem Lächeln.

Die gut 42 Kilometer lange Strecke zu laufen, ist Mayer-Tancics Lieblingsdisziplin: „Weil man da zur Hälfte mit dem Kopf und zur Hälfte mit den Beinen läuft.“ Eine längere Strecke als einen Marathon wollte die gebürtige Göttingerin eigentlich nie zurücklegen. Doch dann kam der Extremlauf in der Wildnis Tansanias, den das Format Stern TV veranstaltete. Fünf Läufer traten 2015 gegen den ehemaligen Musiker und Extremsportler Joey Kelly an, bei einem Lauf, der 301 Kilometer durch Wüste und Steppe führte. Mayer-Tancic war eine davon – die einzige Frau. Und die Einzige, die es letztlich ins Ziel schaffte.

Mit ihren 52 Kilo Körpergewicht musste sie beim Laufen einen sieben Kilo schweren Rucksack tragen: ihr Gepäck. „Ich habe ewig gebraucht, um überhaupt einen passenden Rucksack zu finden“, sagt die 52-Jährige. Zeit, in der sie eigentlich trainieren wollte. In Tansania dann war sie nach vier Tagen die letzte verbliebene Kandidatin. „Mein Ziel war eigentlich, nicht als erste auszuscheiden“, erzählt sie.

Das Härteste an dem Lauf? „Dass wir nie wussten, wie lang die Etappen waren.“ Einmal musste Mayer-Tancic mit Kelly zusammen Jeepreifen über ein Flugfeld ziehen, eine Stunde lang, bei 40 Grad im Schatten. „Das war körperlich das Heftigste.“ Vor allem, weil sie nicht wusste, wie lang die Aufgabe sein sollte und wie weit es danach noch zu laufen galt. Schließlich schaffte sie es. Joey Kelly verlieh ihr dafür den Titel „Deutschlands härteste Frau“.

Der Extremlauf änderte auch Mayer-Tancics Sicht auf den Marathon. Bisher sei sie immer eine möglichst gute Zeit gelaufen und deshalb nur auf flachen Strecken. Dieses Jahr aber sucht sie neue Herausforderungen, wagt sich Mitte Juni an den Marathon am Stilfser Joch, bei dem gut 2000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Wie auch für die anderen Marathons wird sie zwölf Wochen intensiv für diesen Wettkampf trainieren. Wegen dieser langen Vorbereitungsphase macht sie auch höchstens zwei ihrer Lieblingsläufe im Jahr. „Ich will keine Marathons sammeln“, erklärt sie.

Ihre Trainingsmethode zahlt sich aus. Im vergangenen Jahr wurde sie bei der Marathon-WM im australischen Perth Vize-Weltmeisterin in der Altersklasse W 50 und mit dem deutschen W-40-Team sogar Weltmeisterin.

Ihren schönsten Marathon hatte Mayer-Tancic nach eigener Aussage am 16. Mai 2010 in Würzburg. „Damals habe ich gewonnen und bin durchs Zielband gelaufen. Das war ein tolles Gefühl.“ Damals war sie nach 3:04:38 Stunden im Ziel, dieses Jahr wird sie beim iWelt Marathon als Zugläuferin an den Start gehen, um eine Gruppe von Läufern knapp unter vier Stunden ins Ziel zu bringen. „Ich möchte die Leute motivieren und mich am Ende mit ihnen freuen“, sagt sie.

Motivation ist Mayer-Tancics zweites Steckenpferd. In Würzburg wird sie als Referentin des Bayerischen Leichtathletikverbandes am Samstag um 16 Uhr einen Motivationsvortrag halten. Dabei soll es um ihre Erfahrungen aus Tansania gehen. „Ich bringe auch meinen Rucksack mit, original gepackt.“ Zudem wird sie für ihren Lauf für die „Aktion gegen den Hunger“ werben. Dabei sucht sie Paten für jeden ihrer gelaufenen Kilometer, die sie zwischen dem 1. Mai und dem 7. Juli zurücklegt. Die Paten legen einen Betrag fest, den sie pro Kilometer spenden wollen. Das erlaufene Geld geht dann nach Afrika.

Doch jetzt steht erst einmal der iWelt Marathon an. Denn auch hier will Ulrike Mayer-Tancic etwas erreichen: wirklich jeden Läufer ihrer Gruppe ins Ziel zu bringen.
 

Infos zum 17. iWelt-Marathon

NACHMELDUNGEN

Nachmeldungen sind noch am Samstag von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag von 6.30 bis 8.30 Uhr am Nachmeldeschalter im Congress Centrum möglich – für den 10-km-Funlauf am Sonntag von 6.30 bis 11 Uhr. Zu diesen Zeiten werden auch die Startnummern und -unterlagen für die Vorangemeldeten gegen Vorlage der Meldebestätigung ausgegeben.


MARATHON-MESSE

Das Congress Centrum ist der Veranstaltungsort der Marathon-Messe. Sie ist am Samstag von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag von 6.30 bis 15 Uhr geöffnet.


ZEITPLAN

Samstag, 10 Uhr: Müller-Bäcks Hörnchenlauf (ca. 3 km)
14 bis 16 Uhr: abele optik Kinder- und Schülerläufe; Gottesdienst in der Marienkapelle.

Sonntag, 9 Uhr: Blockstart iWelt-Marathon/WVV Halbmarathon/Staffel
12.30 Uhr: TakeNet-10-km-Funlauf (offiziell vermessene Strecke).
 

STRECKENREKORDE

Marathon, Männer: 2:14:10 Stunden/ im Jahr 2011. – Frauen: 2:34:05/2015.

Halbmarathon, Männer: 1:02:54/ 2013. – Frauen: 1:13:37/2013.

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