Basketball: NBA

Maximilian Kleber bleibt in Dallas

Maximilian Kleber (rechts, hier im Zweikampf mit Oklahomas Carmelo Anthony) hat sich in der NBA durchgesetzt. Foto: Lm Otero, dpa

Was macht man dann zur Feier des Tages? Eine Flasche Veuve Clicquot köpfen? Oder einen Jahrgangs-Dom-Perignon? Oder nur eine Dose Bud Light, also ein texanisches Bier? Eine Riesenfete? Nein! Er geht zum Friseur. Weil der Termin halt vorher ausgemacht war. Maximilian Kleber ließ sich die Haare schneiden und ging am Abend mit einem Kumpel Essen. Kurz nachdem er erfahren hatte, dass er einen Vertrag unterschreiben wird, der ihm bestimmt keine Sorgen mehr machen braucht, um eine womögliche Rentenlücke zu schließen. Der aus Würzburg stammende Basketballer wird am nächsten Samstag seinen Servus auf ein Papier schreiben, der ihm für die nächsten drei Jahre 25 Millionen Dollar garantiert. Zieht sein Arbeitgeber, die Dallas Mavericks, dann die Option, ihn ein weiteres Jahr behalten zu wollen, kommen nochmal zehn Millionen obendrauf.

Nein, natürlich "nicht, niemals" hätte er sich das vorstellen können vor zwei Jahren, als er - im Vergleich für NBA-Verhältnisse - im relativ hohen Alter von 25 Jahren über den großen Teich gewechselt ist. Auch noch zu dem Verein, bei dem ein anderer Würzburger bereits Geschichte geschrieben hatte. "Ich wollte nie Nowitzki 2.0 sein und war es nie", sagte Kleber immer wieder. Und bewies das dann auch. Er war immer Kleber 1.0.

Nicht abgeneigt für Neues

Sein Agent und Maximilian Kleber hatten aktuell genügend andere Angebote in der besten Basketball-Liga der Welt: "Ich habe mich in Dallas immer wohl gefühlt", sagt er, wenn man jetzt mit ihm telefoniert. Team, Trainer, die Spielidee und das System taugen ihm. Also erst mal kein Grund, für noch ein paar Dollar mehr zu wechseln. Wenngleich er auch betont: "Ich bin grundsätzlich nie abgeneigt, Neues zu erleben." 

Kleber stoppt Giannis Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks. Foto: Lm Otero, dpa

Andererseits: Natürlich ist es angenehm in der Wahlheimat. Wohnen in Uptown von Dallas, Pool auf der Dachterrasse, gerade einmal einen etwas längeren Dreier entfernt von der Heimspielstätte, nette Restaurants um die Ecke, meist viel Sonne. Alles sehr nett. Kann man sich wohlfühlen. "Es geht natürlich vor allem um den Erfolg", sagt Kleber, der in der jüngsten Saisonalle relevanten persönlichen Statistikdaten steigern konnte: Er stand in 71 der 82 Begegnungen auf dem Parkett, im Schnitt jedesmal über 21 Minuten, in denen er 4,6 Rebounds sich krallte und 6,8 Punkte warf. In der NBA nicht schlecht für einen Europäer, der meistens von der Bank kommt.

Kleber war vertragslos, er und sein Agent konnten frei verhandeln. Er hatte - nach öffentlich zugänglichen Seiten - einen normalen Rookie-Vertrag: erst knapp unter und dann gut über einer Million Dollar im Jahr. Es heißt nicht umsonst: Der erste NBA-Vertrag dient der Eitelkeit - ab dann wird richtig Geld verdient. Ab dem 1. Juli durften die Vereine auch offiziell wieder verhandeln und Kontakt aufnehmen mit den Spielern, und welchen Stellenwert sich Maximilian Kleber in seinen zwei Jahren in Dallas erarbeitet hat, zeigt sich auch daran, dass Klubeigentümer Mark Cuban ihn gleich früh angerufen hat und meinte, es sei doch schön, wenn er bliebe.

Das Milliardenspiel

"Ganz grundsätzlich: Natürlich ist es erst mal total geil, dass ich weiterhin in der NBA spielen darf", sagt Kleber. Auch wenn das nie wirklich infrage gestanden hatte, merkt man im Gespräch dann doch, dass sich da einer ziemlich drüber freut, in Dallas beim Neuaufbau in der Nach-Nowitzki-Äramitmachen zu dürfen. "Wir haben ja mit Luka Doncic und Kristaps Porzingis zwei junge, offensiv sehr starke Spieler, da wird es spannend werden", sagt Kleber, dessen große Stärke die Verteidigung ist - ein Pfund, mit dem er wuchern konnte und kann in dieser von der Offensive dominierten Liga. Der Lette Porzingis soll als Nowitzki-Nachfolger bei den Mavs aufgebaut werden und hat angeblich einen Fünf-Jahresvertrag  für 158 Millionen Dollar unterschrieben.

Abklatschen mit Dirk Nowitzki. Foto: Christian Petersen, afp

Beim Bäumchen-wechsel-dich in der NBA einigten sich laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur allein in den ersten Stunden Spieler und Vereine auf neue Verträge mit einem Volumen von rund drei Milliarden US-Dollar - Kawhi Leonard vom aktuellen Meister Toronto Raptors spielt als prominentester verfügbarer Spieler in diesem Wechselfenster noch auf Zeit. Superstar-Kollege Kevin Durant verkündete seinen Wechsel von Finalteilnehmer Golden State Warriors zu den Brooklyn Nets via der Social-Media-Plattform Instagram - und sorgte so für das momentan vermutlich größte Beben am ziemlich spektakulären Auftakt der NBA-Transferperiode. Gemeinsam mit Durant wechselten auch Kyrie Irving (Boston Celtics) und DeAndre Jordan (New York Knicks) nach New York. Wann Durant nach seinem im verlorenen Finale gegen Toronto erlittenen Riss der Achillessehne wieder wird einsteigen können, ist freilich fraglich.

Die NBA ist ein Milliardengeschäft - Maximilian Kleber sagt, er sei dankbar dafür, dass er mit seinen zwei Brüdern und seinen Eltern sich austauschen konnte über seine sportliche Zukunft. Auch wenn die Vergütung dafür schwindelerregend hoch erscheinen mag: Es wirkt, als sei da einer in all dem Zirkus ziemlich geerdet geblieben.

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