Fußball: Dritte Liga

Michael Schiele will mit den Kickers in die zweite Liga

Der Trainer spricht im Trainingslager des Würzburger Drittligisten über große Ziele, seine Vertragssituation und den Besuch von Felix Magath.
Michael Schiele im Trainingslager der Würzburger Kickers in Novo Sancti Petri Foto: Frank Kranewitter

Michael Schiele wirkt gelöst in diesen Tagen in Spanien. Der Trainer der Drittliga-Fußballer des FC Würzburger Kickers berichtet, er habe schon vor Weihnachten über die Übungen für das Trainingslager in Novo Sancti Petri nachgedacht. Der 41-Jährige Vater zweier Söhne ist, so der Eindruck, überzeugt von dem, was er tut. Der Kickers-Chefcoach trägt seit Oktober 2017 am Dallenberg die Verantwortung. Nur zwei Drittliga-Trainer, Claus Schromm in Unterhaching und Christian Neidhart in Meppe,  sind länger im Amt. Im Garten des Kickers-Manschaftshotels an der Costa de la Luz treffen wir ihn zum Interview.

Frage: Herr Schiele, ist es ein Traumjob Kickers-Trainer zu sein?

Michael Schiele: Ja!

Ohne jegliche Einschränkung?

Schiele (lacht): Vielleicht lasse ich mich ja von den Umständen hier blenden, von den Bedingungen, vom Sonnenschein. Aber im Ernst: Es gefällt mir, mich mit den Verantwortlichen auszutauschen. Mit Daniel (Anm. der Redaktion: Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer) spreche ich mich täglich ab. Da denkt man auch mal quer, schmiedet Pläne, überlegt, was die Zukunft in ein paar Jahren bringen könnte. Von den Aufsichtsräten Thorsten Fischer und Sebastian Herkert haben wir absolute Rückendeckung. Außerdem ist mir das Verhältnis zur Mannschaft natürlich wichtig. Die Jungs sind wissbegierig, lassen sich begeistern, wollen die Dinge, die man ihnen mitgibt, umsetzen. Wie sie über die Saison mit all ihren Höhen und Tiefen mitziehen, gefällt mir. Das macht mir Spaß, das treibt mich jeden Tag an.

Wenn man Sie so schwärmen hört, stellt sich die Frage, warum Sie nicht längst Ihren Vertrag bei den Kickers über das Saisonende hinaus verlängert haben?

Schiele: Es sieht schon ganz gut aus. Wir haben hier im Trainingslager auch noch einmal gesprochen. Thorsten Fischer (Anm. der Redaktion Aufsichtsratsvorsitzender und als Chef der Online-Druckerei Flyeralarm wichtigster Geldgeber) war ja auch ein paar Tage hier, was mich sehr gefreut hat. Es geht alles seinen Gang.

Was fehlt denn noch?

Schiele: Es gibt wie immer verschiedene Dinge, die geklärt werden. Wir werden es wie immer handhaben: Sobald es etwas zu verkünden gibt, werden wir dies tun.

Wo lag aus sportlicher Sicht der Schwerpunkt bei der Arbeit in diesem Trainingslager?

Schiele: Es ging zum einen darum, bereits Eingeübtes zu vertiefen, aber auch darum, neue Akzente zu setzen. Wir hatten gegen tief gestaffelte Gegner gewisse Probleme, klare Torchancen zu erspielen. Da haben wir an Lösungen gearbeitet. Ein anderer Schwerpunkt war die Defensive. Der Schnitt an Gegentoren ist, darüber muss man nicht diskutieren, zu hoch. In den letzten zehn Spielen vor der Winterpause haben wir uns da schon verbessert. Daran müssen wir aber weiter arbeiten, ohne offensive Stärken zu vernachlässigen. Was wir brauchen, ist eine noch größere Siegermentalität. Wir müssen auch mal schlechtere Spiele gewinnen. Diese dreckigen Siege fehlen uns.

Kickers-Coach Michael Schiele im Austausch mit Vorstandschef Daniel Sauer auf dem Trainingsplatz  in Novo Sancti Petri. Foto: Frank Kranewitter
Können Sie Kritik am bisherigen Abschneiden in dieser Saison verstehen?

Schiele: Es ist einfach so, dass die Ansprüche nach den beiden fünften Plätzen in den vergangenen beiden Jahren gestiegen sind. Das spüre ich. Man darf aber nicht vergessen, dass wir im Sommer wieder einen Umbruch meistern und Leistungsträger abgeben mussten. Wir haben den zweitjüngsten Kader. Unter den Spielern, die wir verpflichtet haben, sind viele junge, entwicklungsfähige Akteure. Wir haben zum Bespiel Luca Pfeiffer geholt. Er hat letzte Saison in der Dritten Liga gespielt. Aber wie viele Spiele hat er von Beginn gemacht? Sieben, davor war er acht Monate mit einem Kreuzbandriss ausgefallen. Ihm hat jetzt auch die kurze Pause über Weihnachten sehr gut getan. Man muss auch sehen, wie er das Ding in der Vorrunde durchgezogen hat. Das war nicht einfach, denn Dominic Baumann ist als weiterer Stürmer ausgefallen, Maximilian Breunig genauso. Es gibt auch Spieler, die nicht das gezeigt haben, was ich mir erhofft habe. Wir haben viele Akteure aus der Regionalliga geholt. Diese Umstände sollte man auch beachten. Natürlich hatte auch ich mir nach dem Auftaktsieg gegen den FC Bayern München II mehr erhofft. Aber die Richtung stimmt jetzt. Wenn ich sehe, wie die Mannschaft am Ende des Jahres unter dem tabellarischen Druck sieben Punkte aus den letzten drei Spielen geholt hat, stimmt mich das zuversichtlich.

Das Quartier der Kickers in Spanien:

Das könnte ja auch ein Thema in den Vertragsgesprächen sein: Erwarten Sie nun vom Verein, dass es im Sommer mal keinen neuen Umbruch gibt, dass Sie nicht wieder die besten Spieler hergeben müssen?

Schiele: Wir sind uns alle einig, dass es eine gewisse Kontinuität braucht. Darüber haben wir schon im letzten Jahr gesprochen. Es gab schon Gründe, warum es im vergangenen Sommer dann anders gekommen ist. Wir haben uns gemeinsam entschlossen, diesen Weg mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft zu gehen. Natürlich hätte ich gerne den einen oder anderen Spieler behalten. Vorletzten Sommer sind aber vier Akteure in die zweite Liga gegangen und vor dieser Saison haben uns die Spieler größtenteils aus monetären Gründen verlassen.

Wie optimistisch sind Sie denn, dass sich das gleiche nicht im nächsten Sommer wiederholt?

Schiele: Man sollte von seiner Stammmannschaft schon mehr Jungs an sich binden können. Die Gespräche laufen. Im Frühjahr wissen wir da mehr.

Der Trainer gibt das Tempo vor: Michael Schiele beim Strandlauf mit seinem Team. Foto: Frank Kranewitter
Felix Magath hat Sie und das Kickers-Team hier in Spanien besucht. Konnten Sie von ihm etwas lernen?

Schiele (lacht): Also ein Training hat er jetzt nicht gehalten. Klar, er war hier und wir haben uns top ausgetauscht. Wenn eine solche Ikone als Spieler und als Trainer hierherkommt, will man natürlich profitieren. Denn sich mit einem solchen Mann, der über 25 Jahre im Trainergeschäft tätig war, austauschen zu können, ist doch schön. Man kann sich da natürlich mal einen Tipp holen, quer denken und auch fragen, was er so sieht, wenn er bei uns beim Training zuschaut. Es hat mich sehr gefreut, ihn einmal näher kennen zu lernen.

Felix Magath hat zuletzt in einem Interview mit dem "Kicker" Kritik an der modernen Trainingslehre geübt. Prallen da mit Ihnen nicht Welten aufeinander?

Schiele: Das sehe ich nicht so. Ich sehe mich schon als modernen Trainer. Aber trotzdem bin ich niemand, der all das, was in der Theorie der Trainerausbildung gelehrt wird, eins-zu-eins umsetzt. Wenn man beispielsweise sieht, dass wir in den letzten fünf Monaten 25 Pflichtspiele bestreiten mussten, dann steht für mich auch fest, dass man sich in der Vorbereitung eine gewisse Substanz erarbeiten muss. Da geht es dann mehr um ein Gefühl als um Trainingslehre. Man muss sehen, welcher Spieler mal eine Pause braucht. Ich bin keiner, der die Jungs ständig streichelt. Ich kann auch intensiv trainieren und nicht nur Grafiken mit Beamern an die Wand schmeißen. Auch die ganzen Daten: Natürlich interessieren mich die Laufwerte. Über solche Dinge, wie wer wo und wann am häufigsten einen Pass hingespielt hat, schaue ich mal drüber. Aber letztlich sieht man das Wesentliche schon mit den Augen auf dem Platz.

Michael Schiele im Teamhotel an der Costa de la Luz. Foto: Frank Kranewitter
Der Kader hat sich verändert. Bis auf Sebastian Schuppan und Dominic Baumann sind nun alle Spieler während ihrer Amtszeit verpflichtet worden. Wie nah kommen sie inzwischen ihrer Spielidee mit den Kickers?

Schiele: Die Intensität ist noch höher als im Vorjahr. In dieser Hinsicht sind wir auf Bundesliga-Niveau. Den Unterschied macht die Qualität. Wir verlieren eben öfter den Ball und müssen deshalb immer wieder mal hinterherlaufen. Wir wollen unseren Spielstil nicht am Gegner ausrichten, aber natürlich gibt es Unterschiede in der Herangehensweise. Es ist schön, wenn man einen Gegner dominieren kann. Die grundsätzliche Idee ist es in der aktuellen Saison aber schon, schnell umzuschalten und zum Abschluss zu kommen.

Konnten Sie während der kurzen Winterpause auch einmal abschalten? Sie sind ja ein begeisterter Skifahrer. Hatten Sie auch einmal Zeit für ihr Hobby?

Schiele: Ich hatte ein tolles Weihnachtsfest mit der Familie, weil ich viele Dinge im letzten Jahr schon abarbeiten konnte. Nach dem Jahreswechsel war ich auch einmal drei Tage beim Skifahren. Das hat mir gut getan. Völlig vom Fußball abschalten kann man natürlich nicht. Aber ich bin gut erholt und habe mich auch riesig darauf gefreut, als es endlich wieder los ging. Ich habe richtig Lust auf die restliche Saison.

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So leben die Kickers in Spanien

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Was ist drin in der Rückrunde?

Schiele: Schön wäre es, wenn wir so weitermachen, wie wir vor dem Jahreswechsel aufgehört haben. Natürlich wünscht man sich immer einen guten Start. Aber wenn ich unseren ersten Gegner nach der Winterpause sehe: Unterhaching ist eine gefestigte Mannschaft, zu der jetzt auch noch Felix Müller hinzukommt. Das ist natürlich gleich zum Auftakt eine schwere Aufgabe. Aber wir haben alle Bock darauf, diesen Teams Paroli zu bieten. Insgesamt hoffe ich, dass wir in den verbleibenden zehn Heimspielen gegen Top-Gegner noch den ein oder anderen Zuschauer mehr ins Stadion locken und die Fans mit unserer bisher gezeigten Spielweise auch hinter uns bringen. Unser Torverhältnis ist nicht gut, daran gilt es zu arbeiten. Wir haben dennoch gezeigt, dass wir in der Tabelle weiter nach oben gehören als auf den 13. Platz, wo wir derzeit stehen. Wir haben einige Punkte unnötigerweise liegen lassen, die wir uns jetzt zurückholen wollen.

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Kickers TV aus Spanien: Das große Trainer-Interview
Wie schaut es mit ihren eigenen Zielen aus. Was haben Sie sich vorgenommen. Wollen Sie nicht auch möglichst bald eine Liga weiter oben arbeiten?

Schiele: Ich habe als Trainer ja hoffentlich noch ein paar Jahre vor mir. Man entwickelt sich ständig weiter. Dass es nicht mein Anspruch ist, ständig um Platz zwölf herumzuspielen, ist doch klar. Ich will vorne dabei sein und Spiele gewinnen. Am liebsten wäre mir, wenn ich mit den Kickers mal in der zweiten Liga sein darf. Das ist ein Ziel, das ich habe und auf das ich gerne gemeinsam mit den anderen Verantwortlichen hinarbeiten will.

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