HANDBALL: ZWEITE BUNDESLIGA, MÄNNER

Rimpar verschenkt einen Punkt in letzter Sekunde

20181020FSRIMDES001
Augen zu und durch: Rimpars Lukas Siegler (Mitte) tankt sich zwischen den Dessauern Florian Pfeiffer (links) und Johannes Wasielewski durch. Foto: Frank Scheuring (foto2press)

Verlieren verboten! Das hatte Matthias Obinger, Trainer von Handall-Zweitligist DJK Rimpar Wölfe, vor dem Treffen mit Tabellennachbar Dessau-Roßlauer HV als Devise ausgegeben. Seine Mannschaft nahm ihn zwar beim Wort – allerdings verteilte sie nach einer Vier-Tore-Führung zehn Minuten vor Schluss in der letzten Szene des Spiels noch ein Gastgeschenk in Form eines Punkts. Die brisante Begegnung am Samstagabend endete - letztlich leistungsgerecht - 22:22 (10:10). Durch die Ergebnisse der Konkurrenz verbessern sich beide Teams um jeweils einen Platz. Die Rimparer, die bisher eine Partie weniger bestritten haben, sind damit als 15. vorerst wieder aus der Abstiegszone raus. 

Fotoserie

DJK Rimpar Wölfe - Dessau-Rosslauer HV 06

zur Fotoansicht

Jungandreas: „Haben das Glück erkämpft“

„Wir haben heute zwei Mannschaften gesehen, die wussten, wie ihre Tabellensituation ist“, sagte DJK-Coach Matthias Obinger nach dem dritten Spiel in sieben Tagen. „In den letzten Minuten haben wir es wie schon am vergangenen Sonntag in Hamburg versäumt, den Deckel draufzumachen und wurden dafür wieder in der letzten Sekunde bestraft. Diesmal haben wir wenigstens nur einen Punkt verloren.“ Sein DRHV-Kollege Uwe Jungandreas resümierte: „Wenn man mit dem letzten Freiwurf einen Punkt mitnimmt, dann ist das auch Glück. Aber dieses Glück haben wir uns erkämpft, weil wir über 60 Minuten eine starke Abwehr gestellt haben.“

Vor dem Kräftemessen der Wölfe mit den selbsternannten Bibern in der s.Oliver Arena, wo die Rimparer am Mittwoch im Achtelfinale des DHB-Pokalwettbewerbs nach einer 21:26-Niederlage gegen Bundesligist HC Erlangen trotz guter Leistung ausgeschieden waren, hatten sich manche an das letzte Duell mit Dessau an gleicher Stelle erinnert. Vor rund einem Jahr, am Tag der Deutschen Einheit 2017, hatten die Gastgeber zur Halbzeit noch mit 13:11 geführt – und am Ende mit 28:32 verloren. 21 Gegentreffer nach der Pause kosteten sie seinerzeit den Sieg.

Fehlstart in die Partie

Diesmal drohte ein Desaster viel früher. Gleich zu Beginn nämlich. Nach fünf Minuten, einem Stürmerfoul, einem Ballverlust und einem technischen Fehler im Angriff stand es 1:4. Die Konzentration, mit der die Dessauer starteten, schienen die Rimparer in der Kabine vergessen zu haben. Selbst mit völlig freien Würfen scheiterten sie an DRHV-Torwart Philip Ambrosius – so etwa Lukas Siegler mit einem Konter, der das 4:5 hätte bedeuten können. Stattdessen hieß es nach dem Gegenstoß der Gäste 3:6 (11.). Kurz darauf nahm Obinger die erste Auszeit (14.).

In der Folge glichen seine Schützlinge zum 6:6 aus (20.). Über eine aggressive Abwehr mit Max Brustmann im Rücken bissen sie sich mehr und mehr in die Begegnung – doch all die Bälle, die sie hinten eroberten, verdusselten sie vorne zumeist durch individuelle Patzer und schlampige Pässe wieder. Dabei langten auch die Dessauer in der Deckung hin. Nur Benedikt Brielmeier überwand sie gegen Ende der ersten Hälfte dank seiner Sprungkraft dreimal aus dem Rückraum.

Teils unansehnliches Gehackstücke 

„Das Spiel war intensiv, aber nicht gerade ein Highlight in der Zweiten Liga“, drückte Obinger es hinterher noch dezent aus. Tatsächlich hätte das teils unansehnliche Gehackstücke auf beiden Seiten bei einem Schönheitsspielwettbewerb garantiert den letzten Platz belegt. So spiegelte es halt den Tabellenstand beider Teams wider. Zwar hatten die Bauhausstädter besser angefangen, doch dafür offensiv stärker nachgelassen. Mit dem 10:10 zur Pause waren beide Kontrahenten somit gut bedient.

Obinger schlug nach dem Halbzeitpfiff die Hände vors Gesicht, ließ sich auf die Bank sacken und schien erst mal nach Worten für seine Kabinenansprache zu suchen. Was die Beobachter zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Michael Schulz musste ins Krankenhaus gebracht werden. Verdacht auf Gehirnerschütterung. Er war zuvor in einer Angriffsaktion von einem Gegenspieler mit dem Ellbogen an der Schläfe getroffen worden, hatte laut eigener Aussage seinem Trainer gegenüber schwarz gesehen und danach über Kopfschmerzen und Übelkeit geklagt. So kam ein weiterer Einsatz im zweiten Durchgang nicht mehr in Frage.

Noch ein Ausfall

Das bedeutete den nächsten Ausfall in der Abwehr nach Philipp Meyer und Max Bauer. Patrick Gempp bekam somit im Innenblock mit Siegler wieder einen neuen Partner an die Seite. „Mit nur noch einem Kreisläufer war es dann in der zweiten Halbzeit schwierig für uns“, sagte Obinger. Obwohl es zwischenzeitlich doch ganz gut aussah.

Die erste Führung seit dem 1:0 hatte Benjamin Herth beim Stand von 12:12 (36.) in der Hand. Doch nach einem zuvor sicher verwandelten Siebenmeter scheiterte der Mittelmann mit seinem zweiten an Ambrosius. Rechtsaußen Julian Sauer nutzte danach seine Chance – und markierte mit seinem dritten Treffer im dritten Versuch das 13:12. Siegler erhöhte auf den ersten Zwei-Tore-Vorsprung (40.). Der Ball lief nun sicherer und schneller durch die Angriffsreihe der DJK, nach schönen Kombinationen kamen auch die Rückraumwerfer zu Abschlüssen gegen die kompakte DRHV-Deckung.

Sichtlicher Kräfteverschleiß

In der 47. Minute traf Brustmann zum 18:15 ins leere DRHV-Tor - Coach Jungandreas hatte seinen Keeper rausgenommen und ließ sein Team mit dem siebten Feldspieler agieren. Als der „The Wall“ genannte Wölfe-Schlussmann auch noch einen Strafwurf von Tomas Pavlicek parierte (50.) hatten seine Vorderleute, die Möglichkeit, auf fünf Treffer davonzuziehen.

Doch sichtlich platt von den Strapazen der vergangenen sechs Tage ließen auch sie weitere Chancen liegen – und gegnerische Tore zu. „In der ersten Halbzeit hatten wir noch Kraft“, erklärte Brielmeier später, „in der zweiten hat uns mit ihr dann auch die Konsequenz gefehlt.“ Und Gempp, der noch Minuten nach dem Abpfiff an eine Wand gelehnt auf dem Hallenboden saß und völlig leer wirkte, gestand: „Ich hab‘s an mir selbst gemerkt: Ich konnte den letzten Schritt nicht mehr machen, nachdem ich die Woche immer durchgespielt habe.“

Die Folge: Dessau kam wieder bis auf ein Tor heran (21:20, 58.). Dann wuchtete Kapitän Patrick Schmitt einen Siebenmeter neben den Kasten – und im Gegenzug glich Jan Zahradnicek von Rechtsaußen zum 21:21 aus.

Ein Wochenende Wettkampfpause

46 Sekunden standen noch auf der Uhr, als Herth zum nächsten Strafwurf antrat. Er behielt die Nerven und hämmerte den Ball über den Kopf von Ambrosius ins Netz - der zuvor sehr fair die eigenen Fans, die gegenüber Herth ausfallend geworden waren, um Ruhe gebeten hatte. Doch mit einem letzten Freiwurf im letzten Angriff sicherte der mit acht Treffern beste Werfer der Partie, Johannes Wasielewski, den Gästen einen Punkt. „Da waren wir einfach nicht clever genug“, haderte Obinger. Die Dessauer brachen danach in Jubelstürme aus, die Rimparer schlichen mit hängenden Köpfen vom Feld.

Am kommenden Wochenende haben die Wölfe und die gesamte Bundesliga Wettkampfpause. Das nächste Spiel führt sie am Freitag, 2. November, zum Tabellenschlusslicht HC Elbflorenz nach Dresden. 


Die Statistik des Spiels

Rimpar: Brustmann (1.- 60., 1 Tor), Wieser (bei einem Siebenmeter) – Böhm 1, Gempp 1, Schmidt 3, Kaufmann 3, Siegler 2, Bauer (n.e.), Schulz, Backs 1, Brielmeier 4, Herth 3/3, Sauer 3.

Dessau-Roßlau: Plaue (46.-49.), Ambrosius (1.-45., 50.-60.) – Pavlicek 5/4, Hanisch 1, Vanco 1, Mlotek, Pfeiffer, Wasielewski 8, Schmidt, Jungemann 1, Hanner, Zele 1, Zahradnicek 4/1.

Spielfilm: 1:4 (5.), 3:6 (11.), 6:6 (20.), 6:8 (23.), 8:9 (27.), 10:10 (Halbzeit), 10:12 (33.), 12:12 (36.), 14:12 (40.), 16:15 (46.), 19:15 (50.), 19:17 (55.), 21:19 (57.), 22:22 (Endstand).

Siebenmeter: 3/5 : 5/6.

Zeitstrafen: 1:3.

Schiedsrichter: Andreas Briese/Kim Von der Beeck (Köln).

Zuschauer: 1456.

Rückblick

  1. Rimparer Wölfe suchen Retter: Crowdfunding wegen Corona
  2. Rimparer Wölfe erhalten Lizenz für erste und zweite Liga
  3. Wegen Corona: Kurzarbeit bei Rimparer Wölfen nun offiziell
  4. Was machen die Rimparer Wölfe in der Corona-Pause?
  5. Ceven Klatt zu Corona: "Ich rechne mit einem Saisonabbruch"
  6. Benedikt Brielmeiers Arbeitgeber transportiert Corona-Tests
  7. Kurzarbeit wegen Corona: Existenzsorgen bei Rimpars Spielern
  8. Corona: Rimpar setzt auf Kurzarbeit und Gehaltsverzicht
  9. Corona: Spiel der Rimparer Wölfe und andere Zweitliga-Partien abgesagt
  10. Rimpars Handballer und die Sache mit dem Torverhältnis
  11. Rimparer Handballer mit Remis gegen Hüttenberg
  12. Andreas Wieser verlängert bei den Wölfen
  13. Vollendetes Glück für Wölfe-Linksaußen Dominik Schömig
  14. Rimparer Wölfe: Teilweise Entwarnung für Patrick Gempp
  15. Alle für einen: Wölfe trotzen dem Ausfall von Patrick Gempp
  16. Dresdens "Turboknirps" fehlt gegen Rimpar
  17. Ein Nationalspieler verstärkt die DJK Rimpar Wölfe
  18. Querschnittgelähmter Tobias Büttner gründet eine Stiftung
  19. Wölfe geben den Sieg noch aus der Hand
  20. Ferndorf narrt Rimpar beim Remis bis zum Schluss
  21. Die Abschiedstour des Benjamin Herth
  22. Wölfe verpflichten Mittelmann vom VfL Gummersbach
  23. Rimpars Handballer rocken das Rheinland
  24. Rimparer Handballer feiern im Rheinland
  25. DJK Rimpar Wölfe: Mit Personalnöten zum Tabellennachbar
  26. Rimpar gegen Gummersbach: Handballfest vor Rekordkulisse
  27. Rimpars Heimserie reißt gegen Gummersbach
  28. Rimpar gegen Gummersbach: Trainer sprechen von Spitzenspiel
  29. Tobias Büttners erster Geburtstag im neuen Leben
  30. Nach Rimpars Krampfsieg kommt nun Gummersbach
  31. Rimpars Handballer siegen glücklich gegen das Schlusslicht
  32. Rimparer Wölfe: Jahresauftakt mit einem Jubiläum
  33. Gelungene Generalprobe der Rimparer Wölfe
  34. Kreisläufer Patrick Gempp verlässt Rimpar
  35. Ein neuer Kreisläufer für die Wölfe
  36. Völkerverständigung: Rimparer Wölfe testen gegen Sizilianer
  37. Rimparer Wölfe: Vom Trainingslager zum Benefizspiel
  38. Sergej Gorpishin: Früher Rimpar, heute Königsklasse
  39. Rimparer Wölfe: Neuer Trainer, alte Stärken und Schwächen
  40. Leidenschaftliche Wölfe feiern ein Handballfest
  41. Rimparer Wölfe gewinnen zum Vorrundenabschluss
  42. Patrick Schmidt: "Ich war als Kind ein Hosenscheißer"
  43. Höchste Derbyniederlage für Rimpar in Coburg
  44. Zu wenig Emotion: Rimpar verliert Derby in Coburg erneut
  45. Gelingt Rimpar in Coburg die überraschende Revanche?
  46. Tobias Büttner: Früher Handballer, heute Held
  47. Wölfe erkämpfen sich Sieg in letzter Minute
  48. Rimparer Wölfe: Haue für Aue - oder Haue von Aue?
  49. Rimparer Wölfe: Gerechtes Remis nach großem Gewürge
  50. Rimparer Wölfe: Mit blauem Auge in den Kampf

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Biber
  • DJK Rimpar Wölfe
  • Glück
  • Max Bauer
  • Michael Schulz
  • Philipp Meyer
  • Spiele (Unterhaltung)
  • Strafarten
  • Tag der Deutschen Einheit
  • Wölfe
  • Übelkeit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!