RUDERMN

Holt sich Joachim Agne Gold zum Geburtstag?

Den bisher größten Erfolg seiner Karriere feierte Joachim Agne (hinten) im Juli auf dem Rotsee in Luzern. Dort siegte er mit dem Leichtgewichts-Doppelvierer (von vorne Schlagmann Moritz Moos, Florian Roller, Max Röger). Foto: Seyb/DRV

Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, das wär's. Am liebsten ein goldenes. Damit würde sich Joachim Agne selbst die größte Freude machen. Am 23. September wird der Athlet des Akademischen Ruderclubs Würzburg (ARCW) 24 Jahre alt. Wenn alles normal läuft, startet er neun Tage davor, am Freitag, den 14. September, im A-Finale der Leichgewichts-Doppelvierer bei der Ruder-Weltmeisterschaft im bulgarischen Plovdiv (9.-16. September). „Unser Ziel ist die Goldmedaille“, sagt Agne und schiebt nach: „Die Italiener sind aber auch sehr stark. Zumindest Silber wollen wir auf jeden Fall.“ Die erste Bewährungsprobe für den Bugmann und seine Mannschaftskameraden steht an diesem Sonntag im Vorlauf an.

Der Main als Heimatrevier

Ein sonniger Sommermorgen Mitte August in Würzburg, gut drei Wochen vor Beginn der WM. Joachim Agne sitzt vor dem Bootshaus des ARCW, in dem er auch lebt. Ein Zimmer, 18 Quadratmeter groß, mit Einbauküche und eigenem Bad. Tür an Tür mit fünf anderen Ruderern beziehungsweise Trainern. „Ich könnte mir kaum vorstellen, als Student schöner zu wohnen“, sagt der Sportler, der an der Uni Würzburg Informatik studiert. „Es ist ein wenig wie in einer WG. Wir grillen auch mal zusammen im Garten oder gehen gemeinsam baden im Main.“

Den Fluss nennt Agne sein „Heimatrevier“: „Zwischen Löwenbrücke und Randersacker kenne ich jede Biegung und fast jeden Baum. Hier fühle ich mich wohl und daheim.“ Kein Wunder: Von den rund 6000 Kilometern, die der gebürtige Würzburger im Jahr im Training und bei Wettkämpfen insgesamt auf dem Wasser zurücklegt, bewegt er sich etwa 4000 auf dem Main – „neun davon bei der Bocksbeutelregatta“, konkretisiert er und grinst.

Der größte ist nicht der schönste Erfolg

Die idyllische Ruhe, die der Ort und der Fluss an diesem Vormittag verkörpern, strahlt auch Joachim Agne aus. „Eine Medaille in Plovdiv würde ich schon als realistisch erachten, nachdem wir bei den Weltcups in der Schweiz beide Male aufs Treppchen kamen“, sagt er. Den Sieg im Juli auf dem Rotsee in Luzern nach Silber in Linz nennt er seinen bisher größten Erfolg – „weil das eine der bekanntesten und bedeutsamsten Regatten ist“. Der schönste liegt bereits zwei Jahre zurück: 2016 wurde Agne deutscher U-23-Meister im Leichtgewichts-Doppelzweier. „Da habe ich mit meinem Bootspartner aus Erlangen die amtierenden Weltmeister geschlagen. Darauf sprechen mich heute noch Leute an.“ Das erfüllt den angenehm zurückhaltenden 23-Jährigen mit Stolz. Normalerweise ist er „ganz froh, dass Rudern keine besonders öffentlichkeitswirksame Sportart ist und ich meine Ruhe habe“.

Eine bleibende Belohnung

Eine Medaille in Bulgarien wäre für den Bugmann, dessen vorrangige Aufgabe es ist, „dem Schlagmann zu sagen, wo er hinsteuern soll und die anderen Boot im Auge zu behalten“, die erste bei einer A-WM. „Das wäre eine „bleibende Belohnung für all die Mühe über all die Jahre. Auf dieses Ziel habe ich hintrainiert. Eine Medaille könnte mir niemand mehr nehmen.“

Unterstützung vom Verein

Der Leichtgewichts-Doppelvierer ist keine olympische Bootsklasse und wird vom Deutschen Ruderverband nicht gefördert. Als B-Kaderathlet erhält Agne eine Basisförderung von der Deutschen Sporthilfe. Dabei handelt es sich aber nicht um finanzielle Unterstützung, sondern um ein praktisches Angebot. So dürfte er beispielsweise die Physiotherapie am Olympiastützpunkt in München in Anspruch nehmen – „was mir in Würzburg natürlich überhaupt nichts bringt“. Um Studium und Leistungssport parallel zu schaffen, ist er auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen – und auf den ARCW. „Mein Verein bezahlt für mich Boot, Trainingslager und Regatten.“ Allein die Eigenbeteiligung an der WM beträgt 3500 Euro, für Weltcups laufen jeweils rund 1500 Euro für Anreise, Unterkunft und sonstige Kosten auf.

Einst ein dicker Sechstklässler

„Da mit Rudern keinerlei Geld zu verdienen ist, muss ich mich nach meinem Studium wohl ins Berufsleben stürzen“, befürchtet Agne, der einst als Schüler am Riemenschneider-Gymnasium zum Rudern kam. „Damals war ich ein kleiner, dicker Sechstklässler, der 55 Kilo wog und die meiste Zeit vor dem PC saß“, erinnert er sich lachend. Heute wiegt er 70 Kilo bei einer Größe von 1,80 Meter. Da habe der ARCW, dem er sich nicht nur aus Dankbarkeit, sondern auch wegen der großen Gemeinschaft im Verein verbunden fühlt, doch noch etwas „ganz Anständiges“ aus ihm gemacht.

Der Traum von Olympia

Im Herbst will Agne mit seiner Masterarbeit beginnen. Insgeheim träumt er noch von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio – „aber das ist ein eher unrealistisches Ziel“. Dafür müsste er in den Doppelzweier kommen, die Bootsklasse seines Klubkollegen und Kumpels Konstantin Steinhübel. „Das ist sehr, sehr schwer. Da gibt es andere, die ein Stück weit besser sind als ich.“

Darum setzt der Würzburger alles auf diese WM in Plovdiv. Es könnte seine letzte sein. Umso mehr würde er sich selbst gerne ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk in Form einer Medaille machen. Und umso lieber würde Joachim Agne seine Karriere gerne vergolden.

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