HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

Saisonstart der Rimparer Wölfe: Neu ist nur der Trainer

Ceven Klatt wünscht sich mehr Emotionen im Spiel des Handball-Zweitligisten. Was sich trotz Kontinuität im Kader ändert und welches Ziel sich die Mannschaft setzt.
Der Kader der DJK Rimpar Wölfe für die Saison 2019/20 in der zweiten Handball-Bundesliga: (hinten von links) Fin Backs, Lukas Siegler, Lukas Böhm, Benedikt Brielmeier, Benjamin Herth, Dominik Schömig, Patrick Schmidt, (Mitte von links) Betreuerin Karola Endres, Physiotherapeutin Carolin Vierzigmann, Mannschaftsarzt Stefan Reppenhagen, Torwarttrainer Andreas Thomas, Philipp Meyer, Michael Schulz, Geschäftsführer Roland Sauer, Athletiktrainer Achim Moser, Co-Trainer Josef Schömig, Cheftrainer Ceven Klatt, (vorne von links) Felix Karle, Julian Sauer, Markus Leikauf, Andreas Wieser, Max Brustmann, Steffen Kaufmann und Patrick Gempp. Foto: Jonas Blank

Die Festung auf dem neuen Mannschaftsfoto der DJK Rimpar Wölfe ist mehr als nur schöne Kulisse. Das Würzburger Wahrzeichen thront im Hintergrund der Handballer, die auf der Dachterrasse eines Bekleidungshauses posieren - und es dient als Botschaft. "Wir markieren damit unser Revier", erklärt Geschäftsführer Roland Sauer. Will heißen: Die Wölfe wollen in der Wahrnehmung der Region noch mehr raus aus dem Dorf und rein in die Stadt.

Seit 2015/16 trägt der Zweitligist, der an diesem Samstag auswärts beim TuS N-Lübbecke in seine siebte Saison startet, alle seine Heimspiele in der s.Oliver Arena aus. In Würzburg ist er längst die etablierte Nummer drei hinter den Drittliga-Fußballern und den Bundesliga-Basketballern. Laut Sauer kommen inzwischen 97 Prozent der Sponsoren nicht aus Rimpar. Und trotzdem haftet dem Klub noch immer ein etwas provinzielles Image an. Das liegt zum einen in der Sportart Handball begründet, die selbst mit ihrer Nationalmannschaft für Bodenständigkeit und Nahbarkeit wirbt. Zum anderen hängt es mit den familiären und ehrenamtlichen Strukturen zusammen sowie mit der - auch dadurch bedingten - Außenwirkung.

Manches soll sich laut Sauer, der den leicht gestiegenen, aber im Ligavergleich immer noch bescheidenen Etat auf 900 000 Euro beziffert, wieder ändern. So sind etwa mehr Events geplant, um den sinkenden Zuschauerzahlen bei Heimspielen entgegenzuwirken. Neu dort: Die Stadt Würzburg wird sich auf dem Hallenboden präsentieren. Auch das ist Teil der Botschaft.

Ob und wie diese beim Sportpublikum in der Region ankommt, wird auch und vor allem vom Erfolg der Mannschaft unter Ceven Klatt abhängen, der nach vier Jahren die Verantwortung von Matthias Obinger übernommen hat und als erster Proficoach in Rimpar angestellt ist.  

Der Kader

Das nennt man dann wohl Kontinuität: ein Abgang, kein Zugang - also kein frisches Blut im Wolfsrudel (Durchschnittsalter: 25,8 Jahre). Stattdessen ein Mann weniger als vergangene Saison. Ohne Rechtsaußen Max Bauer, dessen auslaufender Vertrag ebenso wie der von Coach Obinger nicht verlängert worden war, geht Rimpar mit nur 13 Feldspielern an den Start. Der einzige, Mitte Juni bekanntgegebene Neuzugang, war nach fünf Tagen wieder weg: Der Dreijahresvertrag mit Yannik Bialowas, 17 Jahre junges Bundesliga-Talent vom VfL Gummersbach, wurde aus ominösen medizinischen Gründen wieder aufgelöst.

Mit Julius Weinhardt und Maximilian Wirth absolvierten zwei Spieler aus dem Bayernliga-Unterbau einen Großteil der Vorbereitung mit den Wölfen. Obwohl Klatt die Durchlässigkeit zwischen A-Jugend, zweiter und erster Mannschaft in Absprache mit den Reserve-Verantwortlichen Stefan Schmitt und Sebastian Kraus fördern soll und will, dürften allenfalls in Verletzungsfällen Akteure aufrücken.  

"Alle verstärken sich, nur Rimpar hat bloß einen neuen Trainer", sagt der selbst. Doch Klatt wusste, worauf er sich einlässt. "Dass wir einen kleinen Kader haben, sieht jeder. Deswegen müssen wir das vorhandene Potenzial noch mehr nutzen. Und das geht nur über gezielte Trainingssteuerung, höhere Umfänge und eine bessere Physis."

Die Vorbereitung

Um die Athletik zu verbessern, hat Klatt die Spieler in der Vorbereitung "hart rangenommen", wie allseits zu hören war. "Rimpar hat vergangene Saison Spiele hintenraus verloren", so der 36-Jährige. "Daran haben wir gearbeitet, alle Spieler haben sich individuell gesteigert. Wir wollen uns in dem Punkt mit Spitzenmannschaften messen." Anders als Obinger, der als Professor der Sportwissenschaft nach den Sommerpausen zur Leistungsdiagnostik an die Uni, unter anderem auf den Speedcourt bat, nahm Praktiker Klatt Kraftwerte im Fitnessstudio ab und analysierte Lauftests auf einem Außenplatz.   

Um die Belastung im Kader möglichst gut zu verteilen, will Klatt Spieler aus der früheren zweiten Reihe "mehr einbinden". "Meine Erkenntnis aus der Vorbereitung: Das ist möglich und nötig. Wir werden dadurch auch für Gegner schwerer ausrechenbar." So bekamen etwa Lukas Böhm, Fin Backs, Felix Karle und Andreas Wieser in den Tests mehr Einsatzzeiten. "Ich will die Rolle des Einzelnen erweitern und aufwerten. Alle brauchen Vertrauen, und das geht nur über Spielzeit."

Die Testspiel-Bilanz der Wölfe fiel positiv aus.  Sechs Siege - fünf gegen Drittligisten, ein Erfolg gegen Zweitliga-Konkurrent TV Hüttenberg (28:21), zwei Niederlagen - beide gegen die Erstligisten Die Eulen Ludwigshafen (21:24) und gegen TSV GWD Minden (23:43) - standen nach der Vorbereitung für Rimpar zu Buche. Im DHB-Pokalwettbewerb zogen sich die Wölfe bei ihrem Erstrunden-Aus mit einem 24:31 gegen Bundesligist MT Melsungen zuletzt achtbar aus der Affäre. 

Der Angriff

Die bisherige Schwachstelle im Spiel der Wölfe - und in der vergangenen Saison gemessen an Toren der zweitschwächste Angriff der Liga. Um das zu ändern, setzt Klatt zwei Hebel an. Zum einen hat er das unter Obinger bereits bewährte taktische Mittel mit dem siebten Feldspieler übernommen: "Das passt zu uns und wird uns in bestimmten Situationen helfen." Vor allem dann, wenn der Rückraum im Positionsangriff an seine Grenzen stößt. Zum anderen legt er den Fokus auf das Tempospiel: "Wir brauchen mehr einfache Tore." In der zurückliegenden Runde generierte Rimpar durchschnittlich 4,8 Treffer über die erste oder zweite Welle, in den Tests waren es laut Klatt "mindestens zehn" pro Partie. 

Auch personelle Überraschungen sind zu erwarten. So tauchte gegen Melsungen plötzlich Philipp Meyer im linken Rückraum auf, der von Obinger zum Kreisläufer umfunktioniert worden war, aber meist nur in der Abwehr zum Einsatz kam. Und zum Siebenmeter trat auch Lukas Siegler an.

Die Abwehr

Die bisherige Stärke im Rimparer Spiel - und in der abgelaufenen Saison nach Gegentoren die viertstärkste Abwehr der Liga. Neben der erprobten 6:0-Deckung arbeitet die Mannschaft daran, die auch schon früher existente 5:1-Variante als gleichwertig zu etablieren, damit sie "im fließenden Wechsel" greifen kann. Klatts Vorbilder sind dabei die deutschen Topteams wie der THW Kiel. Das zweite System wird wohl noch etwas Zeit brauchen, zuletzt gegen Melsungen funktionierte es jedenfalls noch nicht wie gewünscht.  

Die Frage, wie er den Wegfall von Max Bauer auf der rechten Halbposition kompensieren will, hat der
Coach in den Tests so beantwortet: Neben Böhm wird auch Steffen Kaufmann mehr in die Verantwortung genommen;  unter Obinger spielte der "Kreativdirektor" meist nur im Angriff. Ebenso wie die Spielmacher Patrick Schmidt oder Benjamin Herth, die nun auf Außen decken. Ein Flügelspieler tauscht dafür im Rückzug mit einem Kreisläufer, von denen dann zwei den Innenblock bilden. Ein Effekt: Die zweite Welle wird gestärkt, allerdings auf Kosten des direkten Gegenstoßes durch einen fehlenden Außenspieler.     

Das Saisonziel

"Für unser Spiel wünsche ich mir, dass wir insgesamt noch mehr Emotionen vermitteln und zeigen", sagt Klatt. "Dass wir gelungene Aktionen noch mehr feiern und uns von misslungenen nicht so schnell runterziehen lassen." Tabellarisch hat sich die Mannschaft auf einen einstelligen Tabellenplatz eingeschworen: "Wenn wir Rang neun aus der vergangenen Saison bestätigen könnten, dann wäre das gut." Geschäftsführer Sauer hält das für ein "realistisches Ziel".

Die DJK Rimpar Wölfe auf einen Blick
DER KADER (Alter in Klammern)
Tor: Max Brustmann (36), Andreas Wieser (23), Markus Leikauf (27)
Rückraum Mitte: Patrick Schmidt (27), Benjamin Herth (34)
Rückraum links: Benedikt Brielmeier (29), Lukas Siegler (22)
Rückraum rechts: Steffen Kaufmann (26), Lukas Böhm (25)
Linksaußen: Dominik Schömig (25), Fin Backs (21)
Rechtsaußen: Julian Sauer (31), Felix Karle (19)
Kreis: Patrick Gempp (23), Michael Schulz (23), Philipp Meyer (22)

DIE TRAINER 
Ceven Klatt (Cheftrainer seit 2019), Josef Schömig (Co-Trainer), Andreas Thomas (Torwarttrainer)

DIE ZU- UND ABGÄNGE
Zugänge: keine
Abgänge: Max Bauer (HSC Bad Neustadt)

DER ETAT
900.000 Euro

DAS SAISONZIEL
einstelliger Tabellenplatz

DIE HALLE
s.Oliver Arena Würzburg (Kapazität 2800)

DIE TICKETS
Vorverkauf, Würzburg: Mainticket, Plattnerstr. 14, ü (09 31) 60 01 60 00. Rimpar: Wolfgang Philipp e.K., Hofstr. 4, ü(0 93 65) 98 58. Online bei ADticket. Die Tickets gelten als Fahrkarten im öffentlichen Nahverkehr. Vor und nach Heimspielen fährt ein kostenloser Shuttlebus zwischen Rimpar und der s.Oliver Arena. Infos: wolfsrevier.de

DIE BILANZ
2006/07      1. Landesliga
2007/08      5. Oberliga
2008/09      1. Oberliga
2009/10    12. Regionalliga Süd
2010/11        1. Oberliga
2011/12       6. Dritte Liga Ost
2012/13       1. Dritte Liga Ost
2013/14    14. Zweite Liga
2014/15      5. Zweite Liga
2015/16    14. Zweite Liga
2016/17      4. Zweite Liga
2017/18      8. Zweite Liga
2018/19      9. Zweite Liga

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