HANDBALL: 2. BUNDESLIGA

Siegesserie der Wölfe reißt vor großer Kulisse

Bei der Niederlage gegen Bundesliga-Absteiger Bietigheim fehlt Rimpars Handballern so manches: die Leidenschaft, die Konsequenz - und früh auch ein wichtiger Spieler.

2. Bundesliga, Männer
DJK Rimpar Wölfe - SG BBM Bietigheim 23:26 (9:11)

 

Die Serie von Handball-Zweitligist DJK Rimpar Wölfe ist gerissen. Nach zuvor vier Siegen in Folge brachte ausgerechnet der bisherige Stolperer den Senkrechtstarter ins Straucheln: Mit 23:26 (9:11) unterlag das Team von Trainer Ceven Klatt am Freitagabend Bundesliga-Absteiger SG BBM Bietigheim um 2007-Weltmeister Michael "Mimi" Kraus vor der stimmungsvollen Saisonrekordkulisse von 2164  Zuschauern in der s.Oliver Arena in Würzburg. In der Tabelle geht's nach der ersten Heimniederlage erst mal wieder runter von Aufstiegsplatz zwei auf Rang vier. Bei einem Sieg wären die Rimparer sogar Spitzenreiter geworden.

Philipp Meyer verletzt sich früh

"Trotz der tollen Unterstützung durch die Zuschauer haben wir es heute 45 Minuten lang nicht genug gewollt", wunderte sich Klatt etwas darüber, dass seine Mannschaft die erhoffte Emotion lange vermissen ließ. Sie fehlte im Abschluss und im Zweikampfverhalten in der Abwehr. Letzteres hatte allerdings auch damit zu tun, dass Philipp Meyer früh mit einer Fußverletzung ausfiel und deshalb im Innenblock Improvisation gefragt war. "Der Ausfall wurde hinten raus zur Kraftfrage", meinte Klatt, ließ das als Entschuldigung aber nur bedingt gelten. Sein Kollege Hannes Jon Jonsson bekundete trotz des Erfolges "riesigen Respekt vor Rimpar": "Ich bin super glücklich, dass wir hier gewonnen haben."

Von Anfang an war die Partie das, was die Fans am Handball feiern und die Kritiker verpönen: hart, aber fair. Letzteres zumindest zeitweise. Beide Abwehrreihen agierten aggressiv und taktisch akribisch aufeinander eingestellt. Sie machten sich nicht nur das Torewerfen im Positionsangriff schwer, sondern unterbanden zunächst durch diszipliniertes Rückzugsverhalten auch das jeweilige Tempospiel weitgehend. 

Die Benedikt-Brielmeier-Show

Die Schwaben fanden ein paar Lösungen mehr gegen die DJK-Deckung und waren effizienter in der Chancenverwertung - bei den oft am Rande des Zeitspiels angreifenden Unterfranken war der erste Abschnitt offensiv nahezu eine reine Benedikt-Brielmeier-Show. Der Halblinke erzielte sechs der neun Treffer bis zur Pause, insgesamt kam er auf neun. Spielmacher Patrick Schmidt in seinem 200. Spiel für die Wölfe und Steffen Kaufmann im 250. blieben im Rückraum weitgehend wirkungs- und beim Abschluss auch glücklos.

Nach dem Seitenwechsel verkürzten die Rimparer noch mal (12:13, 35.), dann zogen die Bietigheimer trotz Unterzahl durch vier Tore in Folge davon - die Vorentscheidung (12:17, 41.). Nur Lukas Siegler knüpfte da an, wo Brielmeier aufgehört hatte und hielt seine Farben zumindest im Spiel. 

Kommt der siebte Feldspieler zu spät?

Klatt reagierte und stellte seine Abwehr zunächst auf 5:1 um. Das verhinderte jedoch noch nicht, dass bei Bietigheim nun fast jeder Wurf ein Treffer war; es wirkte sogar eher noch begünstigend. Die Gäste nutzten die Breite und Tiefe ihres Spiels konsequent. "Mimi Kraus und Jonas Link haben das gut geleitet", sagte Jonsson, auch seinen besten Torschützen Dominik Claus auf Halbrechts hob er lobend hervor. Bei den Gastgebern lief über die rechte Seite dagegen gar nichts.

Als Kraus neun Minuten vor Schluss das 22:15 (51.) markierte und die gegnerischen Fans bereits "Hier regiert die SGB" skandierten, spielte Klatt nach einer Auszeit seinen letzten Joker aus: Hinten öffnete er auf 3:3, vorne taktierte er erfolgreich mit dem siebten Feldspieler. Zu spät nach nur 15 erzielten Toren in 51 Minuten? "Vielleicht hätten wir ihn früher bringen können, wir hatten es überlegt, dann wieder verworfen", antwortete er auf Nachfrage. Nicht zuletzt deswegen, da mit Meyer eine Option auch am Kreis weggefallen war, begründete er. Jonsson jedenfalls gestand: "Damit hat uns Rimpar richtig geärgert, obwohl wir uns darauf vorbereitet hatten." 

Wortblumen von Weltmeister Michael Kraus

Bis auf 23:25 kämpften sich die Grünen, angefeuert von den nun stehenden Zuschauern, noch heran. Doch zu mehr reichte es nach 60 intensiven Minuten und viel Moral am Ende nicht mehr - außer noch zu ein paar Wortblumen des ehemaligen Weltmeisters: "Wir wussten, dass das eines der schwierigsten Auswärtsspiele werden wird", sagte Ex-Nationalspieler Kraus, der von der bisher konstantesten Leistung seines Teams sprach.  "Ich bin mir sicher, dass hier nicht viele Punkte holen werden." 

Die Statistik des Spiels

Rimpar: Brustmann (1.-51.), Wieser (bei einem Siebenmeter und 52.- 60.) - Schömig 3, Böhm, Karle 1, Gempp (n.e.), Schmidt 1, Kaufmann, Siegler 5, Meyer, Schulz 1, Backs 2, Brielmeier 9/3, Herth 1, Sauer.
Bietigheim: Maier (1.- 60.), Müller (n.e.) - Vlahovic, Rentschler 2, Claus 6, Öhler, Kraus 2, Schäfer 2, Ronningen, Dahlhaus 3, Link 2, Asmuth 1, Trost, Döll, Boschen 2, Marcec 6/3.
Spielfilm: 3:1 (7.), 3:4 (12.), 4:7 (22.), 7:8 (26.), 9:11 (Halbzeit), 12:13 (35.), 12:17 (41.), 14:18 (43.), 15:22 (51.), 20:25 (56.), 23:25 (58.), 23:26 (Endstand).
Siebenmeter: 3/5 : 3/5.
Zeitstrafen: 3:7.
Schiedsrichter: Oliver Dauben/David Rohmer (Köln).
Zuschauer: 2164.

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