WÜRZBURG

Torwart rassistisch beleidigt

Beim Fußball-Kreisligaspiel der SG Buchbrunn-Mainstockheim gegen den TSV Grombühl ist der Grombühler Torwart Rene Schnur am Sonntag von einem Zuschauer beleidigt worden. „Haut dem Neger endlich eins rein“, soll der über 70-Jährige in der 84. Spielminute von seinem Platz hinter dem Tor aus gerufen haben. Das bestätigten der Trainer des TSV Grombühl, Steffen Kagerbauer, sowie der Vorsitzende der SG, Dietmar Riedel. Vorwürfe von Riedel, dass sich der Keeper mit Zuschauern auf Diskussionen eingelassen und diese provoziert hätte, wies Schnur zurück.

Sofort nach dem Vorfall hatten er und seine Mannschaftskollegen das Spielfeld verlassen und sich mit ihrem Trainer für etwa zehn Minuten in die Umkleidekabine zurückgezogen. „Uns ging es ums Prinzip. Darum, ein Zeichen zu setzen“, erklärte Kagerbauer auf Nachfrage dieser Zeitung. Bereits Anfang des Jahres hatte es in Buchbrunn einen ähnlichen Vorfall gegeben, bei dem Schnur beleidigt worden war. Der Fall ging vor das Sportgericht und die SG musste eine Strafe zahlen. Auch damals soll das Wort „Neger“ gefallen sein.

Nach Rücksprache mit Schiedsrichter Cihan Arslan kam die Grombühler Mannschaft am Sonntag schließlich aus der Kabine zurück und führte das Spiel, das sie mit 0:2 verlor, zu Ende. „Wir wollten das Spiel zu keinem Zeitpunkt platzen lassen. Die gegnerische Mannschaft konnte ja nichts für den Vorfall“, sagte Kagerbauer. „Der Verein kann nichts für seine Zuschauer, aber solche Äußerungen haben auf dem Platz einfach nichts zu suchen“, sagte Gert Rummel, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Grombühl.

SG-Vorsitzender Riedel betonte indes, dass es in seinem Verein keine rassistischen Tendenzen gebe und ist überzeugt, dass der Zuschauer die Äußerung nicht rassistisch gemeint habe. Für einen über 70-Jährigen sei das Wort „Neger“ keine Beleidigung, sondern ein „normal verwendeter Begriff“. Er kenne den Mann und sei sicher, dass dieser nicht rassistisch eingestellt sei: „Das ist ein normaler Mensch, kein Rassist.“ Trotzdem, so Riedel, werde die SG Buchbrunn/Mainstockheim über Konsequenzen wie eine Platzsperre, eine Geldstrafe oder einen Arbeitseinsatz nachdenken. Schon um zu zeigen, dass man die Sache ernst nehme.

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