Basketball: Bundesliga

Trotz Corona: Frohe Kunde bei den Würzburger Baskets

Der eine wurde gerade Vater, der andere wird es in ein paar Tagen: Wie die Basketballer Skyler Bowlin und Felix Hoffmann die (sportliche) Quarantäne-Zeit erleben.
Als sie noch spielten: Skyler Bowlin nach dem Heimspielsieg gegen Braunschweig Anfang Januar.
Als sie noch spielten: Skyler Bowlin nach dem Heimspielsieg gegen Braunschweig Anfang Januar. Foto: Heiko Becker

Jetzt wird's mal Zeit für etwas Erfreuliches! Jeden Tag dieselben Horrormeldungen. Jeden Tag steigt die Zahl der mit dem Coronavirus Neuinfizierten. Jeden Tag gibt es mehr Tote. Höchste Zeit also, auch mal neues Leben unter die Leute zu bringen. Und auch diese freudige Kunde lässt sich - wie es sich für die zahlenfetischistischen Basketballer geziemt - in Ziffern ausdrücken: 9,2 Pfund, also 4200 Gramm, und 22 Inches, also 56 Zentimeter. Skyler Bowlin und seine Frau Camilla Meineche sind am Montag das erste Mal Eltern geworden, und der stolze Daddy hat tags darauf in den Sozialen Netzwerken ein wirklich süßes Foto gepostet, aus dem das Glück der jungen Familie der Welt entgegenspringt. Mama und Sohn sind wohlauf!

Telefonierte man noch zwei Tage zuvor mit dem Aufbauspieler von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg, drehte sich natürlich sehr viel um die bevorstehende Kaiserschnittgeburt, und der US-Amerikaner gestand dabei auch ganz freimütig, wie nervös, aufgeregt und auch ängstlich er war. Halt wie vermutlich (fast) jeder werdende Vater kurz vor der Niederkunft. Ein wenig ging es dann freilich auch um die (nähere) Zukunft: die der dann ganz jungen Familie. Und die des Profisportlers. Bowlin erzählte, dass sie natürlich erst einmal noch in Würzburg bleiben - "bis wir das Okay der Ärzte bekommen, reisen zu dürfen". Plan ist: erst einmal zu den Schwiegereltern nach Dänemark. Später dann in die USA. "Aber nur, wenn es 100-prozentig sicher ist."

Ist natürlich nicht so ganz einfach dieser Tage. "Man muss selbstverständlich sehen, wie es mit dem Virus weitergeht", sagte Bowlin. "Und wie mit der Bundesliga." Natürlich würde auch er die Runde gerne zu Ende spielen, aber daran glaubt auch der 30-Jährige nicht mehr wirklich, auch wenn Bowlin meinte: "Ein Monat ist eine lange Zeit, da kann viel passieren." Die Liga hat ihren Spielbetrieb bis Ende April auf Eis gelegt, dann will man die Situation neu bewerten. Bowlins derzeit auf Kurzarbeit gesetzter Vertrag, wie bei allen bei den Baskets-Spielern und sonstigen Angestellten, läuft Ende Juni aus. Ob, wie und vor allem wann es für Sportler (im Allgemeinen) weitergeht, steht derzeit in den Sternen.

Felix Hoffmann beim Spiel in München.
Felix Hoffmann beim Spiel in München. Foto: Heiko Becker

Bittet man Bowlins Mannschaftskameraden Felix Hoffmann am Telefon, doch mal kurz in die Glaskugel zu schauen, blickt der Würzburger ziemlich tief hinein und sagt: "Natürlich würde ich die Saison gerne zu Ende spielen und beweisen, dass wir wirklich ein Play-off-Kandidat sind. Aber ich bin ja auch kein Tagträumer." Die Infektionszahlen steigen, es sterben deshalb jeden Tag viele Menschen, da "gibt es viel, viel wichtigere Dinge als Sport", sagt Hoffmann: "Ich sehe nicht, dass wir diese Saison noch einmal spielen. Und wie es dann in der neuen Saison weitergehen soll . . . Keine Ahnung. Ich glaube nicht, dass die neuen Mitspieler schon im August angereist sind und wir dann mit einer vernünftigen Vorbereitung beginnen können."

"Das Wichtigste gerade ist doch, dass jeder sich an die Regeln hält, gesund bleibt und nicht nur an sich selbst denkt."
Felix Hoffmann, Baskets-Profi

Die Basketball-Bundesliga, die ihr Lizenzierungsverfahren für die kommende Spielzeit natürlich ebenfalls erst einmal ausgesetzt hat, beginnt üblicherweise Ende September, Anfang Oktober. Und dann ist ja auch noch fraglich, wie viele Vereine die aktuelle Situation ohne Einnahmen überhaupt überleben. "Sehr wichtig ist, dass wir nicht zu früh wieder anfangen", sagt Hoffmann. Auch um "einen Jo-Jo-Effekt zu verhindern". Er meint eine zweite Infektionswelle.

Auch wenn Hoffmann, zwei Tage älter als Bowlin, sich natürlich fit hält mit vormittäglichem Krafttraining und nachmittäglichen Konditionseinheiten, abwechselnd zu Fuß und auf dem Rad, auch "um Struktur im Tagesablauf" zu behalten - eigentlich macht er sich gerade auch noch ganz andere Gedanken. Errechneter Geburtstermin ist der 17. April. Nein, Angst hat er nicht in diesen Tagen. "Das ist das falsche Wort. Wir sind beide jung und gesund und haben die Situation von Anfang an sehr ernst genommen", sagt der werdende Vater, der - wenn man etwas länger mit ihm telefoniert - recht überzeugend wirkt, wenn er von sich als "positiv eingestelltem Menschen" spricht. "Wir haben uns natürlich umfassend informiert und tun das auch weiterhin." Soziale Kontakte? "Die haben wir auf null gefahren. Auch mit besten Freunden telefonieren wir nur noch. Wir halten uns natürlich an die Regeln."

Kreißsaal: Ja! Längere Besuche: Nein!

Was Hoffmann gerade eher etwas zu schaffen macht: Er darf dann zwar im Kreißsaal dabei sein - zumindest Stand heute, "Ich hoffe, dass das so bleibt", sagt er - aber: Besuchsrecht hat auch der Papa anschließend "nur für eine Stunde am Tag. Normalerweise darfst du als Vater im Krankenhaus übernachten. Aber dann muss ich alleine nach Hause gehen".

Vielleicht können ihm dann ein bisschen seine zwischen Kapstadt und Würzburg pendelnden Eltern emotional etwas helfen, die zur Geburt des Enkels/der Enkelin nach Deutschland zurückkommen wollen. Und die Schwiegereltern in Bad Kissingen. Man wird sehen. "Das Wichtigste gerade ist doch", sagt Hoffmann, "dass jeder sich an die Regeln hält, gesund bleibt und nicht nur an sich selbst denkt."

Luka! Also so, wie das aktuell offenbar größte Basketball-Talent auf diesem Planeten - der auf der Gehaltsliste der Dallas Mavericks stehende Slowene Luka Doncic - heißt der Sohn von Skyler Bowlin und Camilla übrigens. Aber vielleicht und wohl wahrscheinlich ist das ja nur Zufall.

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