Basketball: Bundesliga

Viel Lob für Würzburgs Metzgermeister

„Metzger-Basketball“: Die Baskets-Fans reagierten auf Berliner Kritik am Spielstil ihrer Mannschaft mit Ironie und kamen zum ersten Play-off-Spiel in der Hauptstadt als Metzger verkleidet. Foto: Silvia Gralla

John Patrick verschwand mutterseelenalleine im dunklen Katakomben-Labyrinth des Bauches der Berliner o2 World, und der Trainer der s. Oliver Baskets wirkte dabei starr und in sich gekehrt. Kein Lächeln wie sonst, keine ausgiebige Analyse des meist so smarten US-Amerikaners. Einfach nur weg. Er konnte nicht verbergen, dass diese 67:75 (31:41)-Niederlage im ersten Spiel der Play-off-Viertelfinalserie um die deutsche Basketball-Meisterschaft an ihm nagte. „Da war mehr drin“, murmelte der so nach Erfolgen gierende Headcoach des Würzburger Erstliga-Emporkömmlings, der freilich längst alles erreicht hat in seiner Premierensaison in der Bel Etage des deutschen Basketballs. Die Play-offs, da sind sich Klubverantwortliche und Fans einig, ist eine Zugabe. Schließlich trägt der Gegner in der K.o.-Runde den Namen ALBA Berlin – immer noch das Synonym für deutschen Spitzenbasketball.

Aber Patrick will jedes Spiel gewinnen, das wurde auch am Sonntagabend einmal mehr deutlich. „Es war der erwartete Fight mit dem schlechteren Ende für uns“, brachte es Alex King, mit 13 Punkten bester Würzburger Werfer, auf den Punkt: „Am Ende haben wir den Berlinern eben zu viele zweite Chancen gelassen.“ King sagte es und verschwand mit dem Rest des Teams im Mannschaftsbus. Dort gab es auf die Enttäuschung beim Lieferservice bestellte Pizza.

„Wir waren nah dran“, sagte Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler, wohl wissend, dass die s. Oliver Baskets nach einer famosen Aufholjagd – ALBA lag bisweilen mit 13 Zählen vorne – alle Trümpfe selbst in der Hand hielten, als Chris Kramer fünf Minuten vor Schluss den Außenseiter vom Main 56:54 in Führung gebracht hatte. Der Vizemeister aus der Hauptstadt aber schlug zurück, profitierte im Schlussabschnitt vom frühen fünften Mannschaftsfoul und traf am Ende fast nur noch von der Freiwurflinie – alleine in der zweiten Hälfte waren es 19 (100 Prozent Trefferquote). Dies war aber auch der einzige Würzburger Ansatz, um mit den Referees ein wenig ins Gericht zu gehen. „Jetzt freue ich mich auf das zweite Spiel,“ sagte Liebler und lehnte sich entspannt zurück. Die zweite Begegnung steigt an diesem Mittwoch um 19 Uhr in der s. Oliver Arena.

Die Niederlage von Berlin, sie war ein Stück weit auch ein Sieg für die Baskets, die sich reichlich Anerkennung einheimsten. Anfang März noch, im Spiel der regulären Runde, hatten sich die Berliner um ihren exzentrischen Manager Marco Baldi so sehr über die harte Spielweise des Teams vom Main echauffiert und sich im emotionalen Rausch so eine Art des Basketballspielens mit verbalen Attacken unterhalb der Gürtellinie verpönt. Die gut 60 mitgereisten Baskets-Fans quittierten es mit Humor, feuerten ihr Team verkleidet als Metzgermeister an. Diesmal aber war von der Schlachter-Spielweise nichts zu hören. Im Gegenteil. „Das war stark, was Würzburg gezeigt hat. Wir müssen uns auf ein ganz schweres Spiel am Mittwoch gefasst machen. Jede kleine Unkonzentriertheit weiß die Mannschaft von John Patrick eiskalt auszuntzen“, sagte ALBA-Kapitän DaShaun Wood, den zwei Minuten vor Ende der intensiven Partie Krämpfe quälten, voller Anerkennung. „Wir sind ALBA immer mit großen Respekt entgegengetreten, heute haben das auch die Berliner getan. Das war wie die anderen beiden Partien zuvor auch ein faires Spiel“, sagte Steffen Liebler.

Unüberhörbar schwang in seiner Stimmung auch eine große Portion Genugtuung mit.

Restkarten für Heimspiel

Rund 150 Tickets (Rückläufer aus dem Berliner Kontingent) für das zweite Play-off-Viertelfinalspiel zwischen Würzburg und Berlin (Mittwoch, 19 Uhr, s.Oliver Arena) gehen an diesem Dienstag – voraussichtlich ab 12 Uhr – nochmals in den freien Verkauf. Tickets gibt es im Internet unter www.soliver-baskets.de

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