Fußball

Warum die Fußballklubs auf Hilfe aus der Politik hoffen

Die bayerischen Amateurvereine werden vom Fußballverband keine finanziellen Zuwendungen erwarten können, wohl aber gute Ratschläge in einer schwierigen Situation.
Fußball in Zeiten von Corona. 
Fußball in Zeiten von Corona.  Foto: Heiko Becker

Der Fußball ruht. Die Zwangspause während der Coronakrise sorgt für Stille auf den Sportplätzen und Sorgen bei den Vereinsverantwortlichen landauf, landab. Nicht nur Profiklubs geraten ins Schlingern, wenn die Einnahmen wegbrechen. Auch für viele Amateurvereine geht es ans Eingemachte. "Der Spielbetrieb ist für jeden Verein essenziell", stellt auch Jürgen Pfau, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), fest. In der vergangenen Woche hatte der BFV zunächst seine Funktionäre über die Lage im Fußball-Freistaat informiert. Nun reichten diese die Botschaften an die Klubs weiter. Für jeden unterfränkischen Fußball-Kreis gab es am Wochenende eine eigene Videoschalte im Internet. Die Klubs der Verbandsspielklassen, also von der Landesliga aufwärts, wurden gesondert informiert. Alle Entscheidungsträger im bayerischen Fußball sollen so erreicht werden. Auch Pressevertreter dürfen mithören. Transparent gibt sich der Verband. Er will früh für einen runden Tisch sorgen. Und keine allzu großen Erwartungen wecken.

Pfau berichtete das, was das Verbandspräsidium bereits letzte Woche verlautet hatte: Finanzspritzen vom Verband können die Klubs in der Coronakrise nicht erwarten. Aus rechtlichen Gründen nicht und überhaupt könne der Verband sich das nicht leisten, so Pfau. Denn der BFV müsse schon selbst mit einem Einnahmeverlut von etwa 7,5 Millionen Euro rechnen und das bei einem Gesamthaushalt in Höhe von 20 Milionen Euro. Da, so die eindeutige Botschaft, sei nichts mehr zu verteilen. Auch auf die Frage, ob den Klubs denn womöglich Gebühren erlassen werden, wollte Pfau keine große Hoffnung verbreiten. Lediglich in einem Punkt: Dort wo die Klubs bereits Geld in einen Schiedsrichter-Pool bezahlt haben, in Spielklassen ab der Kreisliga aufwärts, werde es anteilige Rückerstattungen geben.

Gespräche mit der Staatsregierung

Die Lage ist ernst. Daran ließ Pfau keinen Zweifel. Jeder Klub in Bayern habe wenigstens einen Angestellten, nämlich den Trainer. Hinzu kämen womöglich vertragliche Vereinbarungen über die Pflege des Vereinsgeländes und manches mehr. Der Fußballverband bemühe sich, auf die Politik Einfluss zu nehmen, damit diese "Unterstützungsmaßnahmen" für die Klubs beschließe. "Wir sind in Gesprächen mit der Staatsregierung", so Pfau. Der Bayerische Landessportverband hat die Klubs aufgerufen, die infolge der Coronakrise entstandenen Schäden im Internet zu melden. Denn ein baldiges Ende der Zwangspause erwartet der BFV-Vizepräsident nicht: "Ich glaube nicht, dass wir in zwei Wochen, eine Entscheidung treffen können, wie es weiter geht."

BFV-Bezirksvorsitzender Jürgen Pfau
BFV-Bezirksvorsitzender Jürgen Pfau Foto: HMB Media / Oliver Müller

Hilfe zur Selbsthilfe

Es ist Hilfe zur Selbsthilfe, die der BFV derzeit anbietet. Im Internet habe man die Antworten auf viele Rechtsfragen zusammengefasst. Manche freilich sind überraschend und erfordern eine Neuregelung. Ein Beispiel: Ein Kicker, der sechs Monate kein Spiel absolviert hat, kann ohne Zustimmung des abgebenden Klubs den Verein wechseln. Eine Regelung, die angesichts der langen Zwangspause, schamlos ausgenutzt werden könnte. "Da werden wir nachbessern müssen", stellt Pfau fest. Dass beim vom Trainer aufgebenen Heimtraining der Versicherungsschutz des Verbandes greift, ist indes bereits geklärt. Es sind besondere Zeiten, mit besonderen Fragestellungen.

Über allem steht freilich die Frage, wann denn endlich wieder der Ball rollen kann auf den Fußballplätzen in Bayern. "Unser Ziel bleibt es, die Saison zu Ende zu spielen", sagt Pfau, der aber auch einräumt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bis zum 30. Juni klappt." Für Verträge, die an diesem Stichtag enden, ließe sich freilich eine Lösung finden, ist der BFV-Bezirksvorsitzende sicher. Schließlich haben auf dem Gebiet erfahrene Juristen dem Verband bereits Hoffnung gemacht, dass ein Spielerkontrakt womöglich auch an die Dauer einer Saison gebunden ist.

Es gibt keinen Stichtag

Viele kleinere Vereine plagen da freilich ganz andere Probleme. Ihnen fehlen schlichtweg die Einnahmen, wenn im Sportheim Leere herrscht und Feste ausfallen. "Die Existenz unserer Klubs steht an oberster Stelle", so Pfau. Er hoffe, dass alle ihre Spieler und Ehrenamtlichen in dieser schweren Zeit bei der Stange halten können. "Einen Stichtag haben wir nicht", sagt er zur vielgestellten Frage, wann wieder Leben auf die Fußballplätze kommt. „Es ist wahnsinnig schwierig, in der jetzigen Situation genau zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun, allen kann man es ohnehin nicht recht machen", sagte Alexander Ziegler, der Vorsitzende von Landesligist DJK Schwebenried/Schwemmelsbach. "Oberste Prämisse ist die Gesundheit aller, alles andere kommt danach. Es ist wichtig, hier die Ruhe zu bewahren und viel zu kommunizieren, das macht der BFV. Es nutzt keinem was, ständig über ungelegte Eier zu diskutieren, das kostet nur unnötig Kraft und Zeit.“ 

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